Behandelter Abschnitt Apg 28,7-10
Mancherlei Dienste
Das Ereignis mit der Schlange an der Hand des Paulus hatte unter der Bevölkerung großes Aufsehen erregt und wurde zum Tagesgespräch auf der ganzen Insel. Nun hieß es: wenn Paulus ein Gott ist, wie viele unter ihnen glaubten, dann kann er gewiss auch Kranke heilen. Der Herr hatte für den Apostel ein Werk zu tun, und wir finden ihn:
Im Hause des Publius. Wer war dieser Mann? Der Oberste der Insel. Der Landpfleger jenes kleinen Volkes, ein edler Charakter. Zugleich war er ein wohlhabender Mann, besaß große Ländereien, und beschäftigte viele Leute in seinem Dienst. Auch war er sehr menschenfreundlich und beherbergte die zweihundert und sechsundsiebzig Mann während drei Tagen. Dies war wohl während der Zeit, da der Schiffskapitän zusammen mit dem Hauptmann Julius nach einem passenden Winterquartier Umschau hielt. Es war gewiss keine Kleinigkeit, so viele ganz mittellose Gestrandete unerwartet unterzubringen und zu verpflegen. Auch war die materielle Seite dieser Einladung nicht unbedeutend. Er hätte nicht mehr tun können, wenn er ein überzeugter Christ gewesen wäre. Vielleicht beschämt er sogar manche Gläubige unserer Zeit.
Ein Krankenbesuch. Der Vater des Publius war an der Ruhr erkrankt und hatte Fieber. Paulus, der von dieser Krankheit im Hause hörte, stattete dem Kranken einen Besuch ab. Ohne Zweifel hat der Apostel dem Kranken in aller Höflichkeit und mit fester Überzeugung vom Herrn Jesum erzählt ‑ von den Wundern, die Er an Kranken tat ‑ von Seinem Kreuzestod durch die Hände der Juden ‑ von Seiner sieghaften Auferstehung ‑ von Seiner Himmelfahrt und von seiner persönlichen Erfahrung vor Damaskus. Wenn auch Lukas wenig sagt, so ist in jenem Krankenzimmer doch Großes geschehen. Es ist nicht denkbar, dass Paulus nur flüchtig ins Krankenzimmer trat, betete, dem Kranken ohne weiteres die Hände auflegte, und dann wieder verschwand. Hier ging eine Ermunterung zum Glauben an den Herrn Jesum Christum voraus; vielleicht auch ein Bekenntnis der Sünden, dem die Gewissheit der Vergebung folgte. In jedem Fall war das Resultat des Krankenbesuches
Die Heilung. Darüber berichtet Lukas dreierlei.
Paulus betete. Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, sagt Jakobus in Kap. 5, 15. Es ist doch sehr beachtenswert, dass nicht Lukas, der Arzt, gerufen wurde, sondern dass Paulus eingriff. Lukas fühlte sich aber deswegen nicht verletzt, sonst hätte er diese Begebenheit kaum so nett geschildert. So, wie wir Lukas kennen, hat er sich über diese Heilung von Herzen gefreut. Hier sind uns beide zum Vorbild, sowohl Paulus in seinem Eifer, als auch Lukas in seiner Bescheidenheit und Selbstlosigkeit.
Paulus legte dem alten Vater die Hände auf. Zu wiederholten Malen begegnen wir der Handauflegung in der Schrift. Schon Naeman erwartete sie (2Kön 5,11). Der Herr selbst legte vielen die Hände auf, und bis auf den heutigen Tag wird Kranken auf diesem Wege geholfen.
Paulus heilte den Kranken. Es geschah also wieder ein Wunder durch
Paulus. Der Apostel hatte hier zum zweiten Male von seiner apostolischen
Vollmacht Gebrauch gemacht. Zuerst an sich selber, durch das Abschütteln
der Schlange, und hier durch die Heilung des Kranken (
Reicher Segen durch diese Heilung. Die soeben erfolgte Heilung am Vater des Publius ging wie ein Lauffeuer durch die Insel. Der Geheilte wird selbst erzählt haben, was Gott durch Paulus an ihm getan hatte. Das Ergebnis war, dass noch viele Kranke kamen und durch den Apostel geheilt wurden. Er hatte nicht das Herz, sie abzuweisen, noch ihre Erwartungen zu täuschen. Gottes Wege sind oft trotz aller materiellen Verluste wunderbare. Hier musste Paulus auf die Insel verschlagen werden, um vielen nach Leib und Seele helfen zu können. Die Malteser, noch eben im Un- und Aberglauben (wie das Ereignis mit der Schlange beweist) wurden plötzlich Zeugen der Gnade und Kraft Gottes. Der Herr hat Seine besonderen Wege mit den Menschen - die einen leitet Er durch Güte zur Buße und andere durch Strenge.
Wahre Dankbarkeit. Arm, hungrig und frierend kam die ganze Mannschaft an Land. Im Schiffbruch hatten alle alles verloren; doch wurden sie von der Bevölkerung freundlich aufgenommen. Paulus und seine Freunde dienten ihnen ihrerseits mit dem Worte Gottes und hinterließen somit einen bleibenden Segen. Die Malteser bezeugten aufs neue ihre Dankbarkeit und sie erwiesen den Gestrandeten große Ehre. Also auch die ungläubigen Schiffbrüchigen profitierten vom Segen, der durch Paulus, Lukas und Aristarchus ausging. Der Hauptmann Julius und der Schiffskapitän werden über diese Ehrung sehr gestaunt haben, da sie doch vor allem dem gefangenen Paulus galt und seiner Tätigkeit auf Malta zu verdanken war.
Sie beschenkten die Schiffbrüchig en. Reich beladen mit Kleidern und Lebensmitteln zogen sie ab. So sorgt der Herr für alle, besonders aber für die Seinen (1Tim 4,10). Durch Gutestun sind wir selbst die Gewinnenden.
Nie hätten die Gestrandeten es für möglich gehalten einen Abschied gegenseitiger Segenswünsche zu erleben. In Paulus hatte ein wirklicher Wohltäter die Insel für immer verlassen. Aus Erfahrung konnte er an die Korinther schreiben: «Wir erweisen uns als Arme, aber die doch viele reich machen (2Kor 6,10).