Behandelter Abschnitt Apg 28,1-6
Auf Malta
Der grauenvolle Schiffbruch war glücklich überstanden. Die ganze Besatzung war wie durch ein Wunder gerettet worden. Auch nicht einer war umgekommen, was wirklich zum Staunen ist, wenn wir bedenken, dass die Leute durch das lange Fasten (Kap. 27, 33) körperlich sehr geschwächt waren. Und als sie sich nach dem Namen der Insel erkundigten, auf der sie gelandet waren, erfuhren sie, dass sie Melite (Malta) hieß. Man stelle sich die Erregung der Insulaner vor, als sie diese vielen Schiffbrüchigen ans Ufer schwimmen sahen. Der Aufenthalt der wenigen Gläubigen unter den Gestrandeten sollte den Bewohnern auf Malta zu großem und bleibendem Segen werden. Das stellt uns gewiss vor die ernste Frage, was wir unserer Umgebung sind. Eins ist sicher: wo immer Gotteskinder in der Kraft des Heiligen Geistes hinkommen, bringen sie Segen mit.
Die Bewohner der Insel. Alle Nichtgriechen, d. h. alle, die eine andere, als die griechische Sprache redeten, wurden Barbaren genannt. Es handelt sich also bei diesem Ausdruck nicht um besonders rohe Menschen. Immerhin werden die Schiffbrüchigen sich gefragt haben, wie sie von der Bevölkerung wohl aufgenommen und behandelt würden. Doch wurden sie über alles Erwarten freundlich empfangen. Die Malteser suchten nicht in erster Linie sich an Schiffsüberresten zu bereichern, sondern sie dienten alsbald den frierenden, durch und durch nassen Männern, indem sie ein Feuer anzündeten.
Demütiger Dienst (Vers 3.) Der Apostel scheute keine
Arbeit. Mit den andern las er Reiser auf. Da Paulus als Retter sozusagen
der gefeierte Mann des Tages war, hätte er andere für diesen Dienst
bestimmen können; aber er half mit. Überall sehen wir ihn als den
Geringsten unter den Heiligen. Er befolgt das Wort des Herrn: „Wer unter
euch der Größte sein will, der sei aller Diener.“ Zugleich tritt seine
Menschenfreundlichkeit hervor; er half andern das Leben so angenehm als
möglich zu machen. Im Herzen des Apostels glühte aber noch eine ganz
andere Wärme. Das Wort Gottes wird unter anderem ein Feuer genannt, und
dessen wohltuende Wärme sollte auch auf Malta verspürt werden. Paulus
handelte hier ähnlich wie einst der Herr am See Genezareth (
Neue Not (Vers 4-5). Als Paulus einen Haufen dürrer
Reiser in das Feuer warf, kam darunter eine Schlange hervor und hing
sich an seine Hand. Schnell hatten die Malteser ihr Urteil bereit und
meinten, in Paulus einen Verbrecher zu sehen, der, obgleich soeben dem
Unheil entronnen, nun doch seine gerechte Strafe finde. Richten und
Verdächtigen ist ein altes Übel und überall daheim. Schon Hiob musste es
erfahren. Sogar die Jünger waren von diesem Geiste angesteckt (
Ein plötzlicher Umschwung (Vers 6). Die Zuschauer, die mit Pauli sofortigem Tode rechneten, änderten unverzüglich ihre Meinung, als sie sahen, dass er durch die Schlange keinen Schaden nahm. In Mk 16,18 steht geschrieben: „Sie werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, so wird es ihnen nicht schaden.“ Noch eben vermuteten sie in Paulus einen Mörder, und nun, da er nicht tot hinfiel, wie sie es erwartet hatten, nannten sie ihn einen Gott. Das Urteil der Leute bewegte sich zwischen zwei Extremen. Schon früher, in Lystra, hatte man Paulus als Gott erklärt (Kap. 14). Aber auch dort schüttelte er gleichermaßen die alte Schlange „Hochmut“ von sich, und blieb der bescheidene Knecht Jesu Christi. Der Abschnitt zeigt so recht wie frei Paulus vom Urteil der Mitmenschen war, auf welches viele sehr großen Wert legen. Er ließ sich weder von der Vergötterung der Umwelt zur Selbstgefälligkeit verleiten, noch vom „Hinweg mit diesem“ einschüchtern.
Vorbildliches Verhalten. „In allen Dingen erweisen wir uns als Christi Diener“ konnte er mit Recht sagen. Seine Worte: „Nicht lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ und wiederum „Ich bin mit Christo gekreuzigt“ waren nicht bloße Theorien, sondern praktische Auswirkungen in seinem Leben. Er fühlte sich wegen den argen Vermutungen der Malteser nicht beleidigt. Menschen, die kein falsches Urteil oder Gerücht ertragen können, sind ebenso unfähig, Lob zu ernten. Paulus konnte beides; Tadel und Lob ohne Murren und Überhebung hinnehmen. Er hatte gelernt: reich und arm, hoch und niedrig zu sein. Kein Wunder, dass er so vielseitig von Gott gebraucht werden konnte.
Die alte Schlange. Hier machte sie nochmals einen Versuch, den Knecht Gottes umzubringen und versteckte sich, wie bei Eva, hinter eine wirkliche Schlange. Die alte Schlange lauert überall, um den Gläubigen zu vergiften und fruchtlos zu machen. Aber, so wie Paulus sie abschüttelte, so wollen auch wir sie abwehren. Wir nehmen den Sieg im Glauben, denn die alte Schlange ist überwunden, und bald wird unser Herr sie endgültig in den Feuersee werfen. Bis dahin wollen wir die Ermahnung der Schrift beherzigen: «Widerstehet dem Teufel, so flieht er von euch. Nahet euch zu Gott, so naht Er sich zu euch“ (Jak 4,7‑‑81.