Behandelter Abschnitt Apg 14,1-7
Das Zeugnis der Apostel
Der natürliche Mensch hat Mühe, biblische Begebenheiten wie diese vorliegende, zu verstehen. Was war die Ursache, dass die Apostel, nachdem sie soeben äußerst hart verfolgt worden waren, sogleich wieder fortfuhren das Wort Gottes zu verkündigen ‑ zumal sie weder Besoldung noch Ruhm zu erwarten hatten, und als Lohn nur Spott, Hohn, Leiden und Entbehrungen buchen konnten? Es war die Liebe Christi, so reichlich ausgegossen in ihre Herzen, die sie zum Dienst drängte. Alle verfolgten und verkannten Gläubigen können sich durch dieses Wort ermuntern und belehren lassen.
In Ikonium. Hier in lkonium, einer schönen großen Stadt, am Fuße des Taurus, verkündigten die Apostel wie überall, wohin sie kamen, das Wort. Daselbst war auch eine Synagoge der Juden. Die Tatsache, dass wir allenthalben Kolonien der Juden treffen, beweist, wie zerstreut sie schon damals waren.
Und diese Zerstreuung wurde durch die Zerstörung Jerusalems durch Titus vollendet.
Wo die Apostel zeugten. Sie gingen in die Synagoge, in welcher sich sowohl Juden als auch Griechen versammelten. Gerade aus den Griechen glaubten viele dem Evangelium. In Vers 1 lesen wir: «Es geschah aber zu lkonium, dass sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und also redeten, dass eine große Menge, sowohl von Juden als auch von Griechen, glaubten.» Die Gottesmänner kamen nicht mit einer Liste fertiger Predigten; sie passten sie vielmehr den Bedürfnissen der Zuhörer an. Ihre Rede war so einfach, klar und bestimmt, in Beweisung des Geistes und der Kraft Gottes, dass ihre Predigt Entscheidungen für Christus hervorrief. Sie verkündigten den Zuhörern Christus, als wie vor ihren Augen gekreuzigt. Dies setzte bei den Redenden ein tiefes Durchdrungen- und Überwältigtsein von der leidenden Majestät des Sohnes Gottes voraus. Deshalb floss die Botschaft der Apostel aus einem überströmenden Herzen und überführte die Zuhörenden.
Was die Apostel redeten. Das Wort der Gnade (Vers
3). Ein Gnadenangebot setzt Schuld voraus. Nur Verurteilte reichen ein
Gnadengesuch ein. Da Paulus in der Synagoge sprach, mag er auf das
Gesetz und den von den Juden verworfenen Christus Bezug genommen haben;
denn das Gesetz bewirkt Erkenntnis der Sünde. In Christo aber konnte er
allen, selbst den Verwerfern des Messias, Gnade anbieten (
Wie die Apostel redeten. Mit großer Freimütigkeit (Vers 3; Hes 3,7-9). Paulus dachte nicht mehr daran, was ihnen in Antiochien widerfahren war; sie verkündigten auch hier den ganzen Ratschluss Gottes. Sie kannten kein Zurückhalten, kein Sich einschüchtern lassen. Wenn die Welt frech die L ü g e anpreist, dann sollten Gottesknechte umso furchtloser die W a h r h e i t verkündigen. So überzeugte Pauli große Freimütigkeit den König Agrippa von der Wahrheit (Apg 26). Gottesknechte wissen, dass der Herr bei ihnen ist (Mt 28,20), und sie sich deshalb nicht zu fürchten brauchen. Die tiefe Glaubensüberzeugung, die Paulus seit seiner einzigartigen Bekehrung hatte, kommt in allen seinen Reden und Schriften zum Ausdruck.
Die kraftvolle Wortverkündigung der Apostel war zugleich von Zeichen
und Wundern begleitet. Der Herr stand sichtlich zu Seinen Dienern, so
dass alle Zuhörer ohne Entschuldigung waren für ihren Unglauben. Was es
für Zeichen und Wunder waren, wissen wir nicht. Wahrscheinlich waren es
Heilungen. Vielleicht geschah in Ikonium Ähnliches wie in Lystra (Vers
8-10). Auf alle Fälle bestätigte der Herr das Wort mit begleitenden
Zeichen, wie dies einst bei Mose vor Pharao der Fall war. Er verwirrte
die Gegner und ermunterte Seine Knechte (Heb 2,4; Mk 16,20). Wie
wirkungsvoll ist doch das Evangelium, das aus tiefster Überzeugung und
göttlicher Vollmacht vor den Ungläubigen verkündigt wird (
Reiche Frucht. Eine große Menge Juden und Griechen wurden gläubig. Das Wort der Gnade hatte die Herzen erschlossen, und Zeichen und Wunder hatten die göttliche Sendung der Apostel bestätigt. Hingegen lesen wir in Vers 4 von zwei verschiedenen Parteien in der Volksmenge. Die einen glaubten dem Worte Gottes und bildeten fortan eine Einheit, die andern waren gegen das Evangelium und hielten es mit den ungläubigen Juden. So war es auch an Pfingsten. Viele, die zuhörten, glaubten der Rede des Apostels Petrus und wurden hinzugetan ‑ andere spotteten. Die Apostel blieben für längere Zeit in lkonium; wohl deshalb, weil die Gegner sehr tätig waren. Gern trugen sie mit diesen Jungbekehrten die Schmach Christi.
Ein schwerer Ausgang. Die widerstrebenden Juden lehnten die Botschaft nicht allein für sich ab, sie stachelten auch andere gegen die Apostel auf, sie zu steinigen. Von den Obersten bis zu den Geringsten versammelten sich alle gegen die Apostel. Hier gab es keine Neutralen. Es hieß wie bei Elias: „«Entweder Gott oder Baal“. Und obwohl Juden und Griechen im übrigen keine Freunde waren, in der Verwerfung Christi und Seiner Diener waren sie sich aber einig. Wenn sich nun die Widersacher in ihren bösen Plänen gegen Gott einen, wie viel mehr sollte dann Gottes Volk sich für die Sache des Herrn einigen.
Die Flucht der Apostel. Als die Apostel von der Steinigung, die gegen sie geplant war, hörten, entflohen sie nach Lystra und Derbe. War das Feigheit oder Leidensscheu? Nein, bestimmt nicht! Sie handelten nur nach des Herrn Rat (Mt 10,14). Die Apostel verleugneten nicht, suchten aber auch nicht das Märtyrertum. Der Herr zeigt, wo es gilt auszuharren; anderseits öffnet Er aber auch den Weg zur Flucht nach Seinem Vorsatz. Er vermag die Seinen vor Satans Wut zu bewahren und bringt sie in Sicherheit. Der Dienst der Apostel war noch nicht vollendet, sie hatten anderswo Aufgaben vor sich. Das Vorrecht «für den Herrn zu sterben» sollte dem Apostel Paulus erst später zuteil werden.