Behandelter Abschnitt Apg 14,8-18
Reiche Segnungen in Lystra
Schon oft mussten die Feinde Gottes ungewollt dazu beitragen, dass das Evangelium an Orten verkündigt wurde, wohin es zunächst nicht gekommen wäre. Die schweren Verfolgungen in Antiochien und lkonium vertrieben die Apostel aus jenen Gegenden und so kamen sie nach Lystra und Derbe. Wir sahen schon in Apg 8,4, dass die durch die Verfolgung zerstreuten gläubigen Juden umhergingen und überall das Wort verkündigten, gleicherweise wie jene, die seit der Verfolgung, welche mit dem Tode des Stephanus ausgebrochen war, ganze Landschaften durchzogen und den Juden überall die großen Taten Gottes kundtaten (Apg 11,19). Lystra war der Heimatort des Timotheus.
Der erste Dienst in Lystra (Vers 7). „Und daselbst verkündigten sie das Evangelium», die frohe Botschaft vom Sünderheiland, dem Sohne Gottes, der gekommen ist zu suchen und selig zu machen das Verlorene. Die harten Erfahrungen, welche die Apostel in Antiochien und in lkonium gemacht hatten, hinderten sie keineswegs am nächsten Ort frisch und mutig weiterzuwirken. Sie zeugten gewiss von Jesu Tode. Seiner Auferstehung, Seiner Himmelfahrt, Seiner Wiederkunft; den Eckpfeilern des Evangeliums. Völlig überzeugt, dass in keinem andern das Heil ist, predigten sie überall die Buße zu Gott und den Glauben an Christum Jesum.
Ein großes Wunder. Wie in lkonium, so verherrlichte sich der Herr auch hier wieder durch Zeichen und Wunder und bestätigte also abermals den Dienst Seiner Knechte. In Lystra war keine Synagoge der Juden, deshalb gingen die Apostel auf einen öffentlichen Platz, um dort das Wort zu verkündigen. Daselbst saß ein Lahmer, der wohl ähnlich um sein tägliches Brot bettelte wie jener Krüppel an der schönen Tür des Tempels zu Jerusalem, der durch Petrus geheilt worden war (Kap. 3, 1). Die Apostel verkündigten das Wort und der Lahme hörte zu (Ps 107,20). Beachtenswert ist der knappe Bericht der Heilung. Heute würde man lange Artikel über ein so auffallendes Wunder schreiben. Und wie der Lahme körperlich ein Krüppel war, so war er es auch in geistlicher Hinsicht. Von Natur ist aber jeder Mensch (bildlich gesprochen) mehr als lahm, er ist laut der Schrift: tot in Sünden und Übertretungen (2Sam 9,13; 1Kön 18,21; Lk 14,13; Heb 12,13).
Die Krankheit war unheilbar. Er war lahm von Geburt. Also auf Gnade und Erbarmen der Mitwelt angewiesen. Gott sah ihn in seinem Elend und sandte ihm Hilfe durch Seine Knechte. Ebenso erging es auch uns, als wir noch kraftlos waren. Gottes erbarmende Liebe begegnete uns in Seinem Sohne und hat uns durch den Glauben an Ihn gesund gemacht und uns ewiges Leben geschenkt.
Das göttliche Heilmittel war das Evangelium. Der Lahme hörte die Botschaft und glaubte ihr (Röm 10,17). Erst erfuhr er die Heilung am inwendigen Menschen, und indem Paulus seinen Blick auf ihn richtete und ihm ansah, dass er Glauben hatte, wurde ihm auch leiblich geholfen.
Ein göttlicher Befehl. Mit lauter Stimme sprach Paulus (so dass es alle hörten) und befahl ihm: „Stelle dich hin auf deine Füße.“ Der 'Mann gehorchte und augenblicklich war er geheilt, sprang auf und wandelte.
D e r g r o ß e E r f o 1 g dieses Wunders. Jedermann sah was geschehen war, und der Lahme selbst erlebte, was schon in Jes 35,6, verheißen ist: „Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch.“
Großes Staunen. Es ist ganz begreiflich, dass die Zuschauer sprachlos waren. Aber anstatt dem Gott, den Paulus verkündigte, die Ehre zu geben, rühmten sie die Götter und schrieben ihnen die Heilung zu, indem sie sagten: „Die Götter sind den Menschen gleich geworden und sind zu uns herabgekommen.“ Und sie nannten den Barnabas „Zeus“, den Paulus aber „Hermes“, weil er das Wort führte. Vor der Stadt stand der große Tempel des Jupiter. Sie meinten in ihrem Aberglauben, Jupiter habe seine Boten zu ihnen geschickt, sie besonders zu segnen, und deshalb brachten die Götzenpriester Kränze und Stiere, um den Aposteln zu opfern. Diese heidnischen Anschauungen korrigierten die Apostel mit aller Entschiedenheit. Es scheint, dass die Leute sehr oberflächliche Beurteiler waren, sonst hätten sie wissen müssen, dass das Wunder im Namen Jesu, und nicht durch ihre Götter geschehen war.
Apostolische Demut. Sie war bei den Aposteln immer zu finden und wohl mit ein Grund der immerwährenden Segnungen. Ja, man wäre geneigt zu sagen: jede neue Segnung war Ursache zu weiterer Demut bei den Aposteln. Gott will Seine Ehre keinem andern geben. Die übergroße Bescheidenheit des Apostels Paulus geht besonders aus 2Kor 11 hervor, als die fleischlichgesinnten Korinther ihn dazu zwangen einmal aufzuzählen: was Gott in ihm und durch ihn gewirkt hatte. Die Apostel handelten hier im absoluten Gegensatz zu Herodes, der allzu gern göttliche Verehrung annahm (Apg 12). Als Ausdruck ihrer Entschiedenheit, jede Huldigung abzulehnen, zerrissen die Apostel ihre Kleider (2Kön 18,87; 19,1). Paulus benützte nun die Gelegenheit ihnen zu beweisen, dass ihre Götter gar nichts seien (1Sam 12,21; Jer 14,22). Gleichzeitig ließ er die Volksmenge wissen, dass sie mit der Absicht nach Lystra kamen, sie von diesen nichtigen Götzen zu dem lebendigen Gott zu bekehren (1Thes 1,9). Anschließend führte ihnen der Apostel den wahren Gott, den Schöpfer vor Augen (1. Mose 1,1; Neh 9,6; Ps 102,25; Dan 6,26).
Da es Satan nicht gelang die Apostel durch die harten Verfolgungen zum Schweigen zu bringen, versuchte er, sie durch Ehrungen zum Hochmut zu verleiten. Es sei noch hervorgehoben, dass die Apostel die Ehrung auch nicht unter dem Vorwand annahmen, dadurch leichteren und vermehrteren Eingang beim Volke zu finden. Kompromisse und dergleichen kannten sie nicht.