Behandelter Abschnitt Mt 22,11-14
Der Gast ohne Hochzeitskleid. Mt 22,11-14.
Dieses, wie manches andere Schriftwort, zeigt wieder einmal so recht klar, daß es im Leben nicht allein aufs Hören, Erkenntnis und Bekenntnis ankommt, sondern auf das gemachte Erlebnis mit Christo. Man denke an Schriftworte wie Mt 7,21-23, oder an die Gleichnisse der Pfunde, und der 10 Jungfrauen (Mt 25), so merkt man bald, daß mehr erforderlich ist. Angenommen, wir erhielten heute eine Einladung zu einem königlichen Mahl, das eine Woche später stattfinden sollte, - was würde uns wohl beschäftigen vom Tage der Einladung bis zum Festtage? Würden du und ich nicht andere fragen, die schon teilgenommen haben, was da für Zeremonienkleider erforderlich seien? Und gäbe es ein Buch darüber, dann würden wir's gewiß sofort lesen. Wir haben ein Buch, das die Palastetikette genau beschreibt und uns wissen läßt, was wir an jenem Tage benötigen. Was würdest du tun, wenn du wüßtest, daß du in einer Woche vor den König, Jesus, gerufen würdest -? Ich glaube, du würdest zum Buch greifen, um alles Erforderliche zu erfahren. Da rate ich dir, an einem der Tage die Psalm 32 und 51 zu lesen, an einem andern Tag Jes 53. Nachher aber auch hinzugehen, um dich mit deinem Bruder zu versöhnen (Mt 5,24). Ein solches Sichselbstpüfen, wie die Schrift sagt, ist sehr nötig. Die Diener des Gleichnisses hatten bestimmt alles getan, was sie konnten. Das Haus war voll geworden, auch hatten sie allen die königlichen Kleider angeboten, und damit war ihre Aufgabe an den Gästen erfüllt.
I. Das Erscheinen des Königs.
Der König kam, um die erschienenen, von den Knechten eigeladenen Gäste zu bewillkommnen. Aller Augen waren auf den gütigen Herrn gerichtet. Alle freuten sich und jubelten Ihm zu. Doch da erblickte das Flammenauge des Königs einen Menschen ohne das hochzeitliche Kleid (Off 1,14; 2,18). Was weder die Diener noch die andern Teilnehmer sahen, entdeckte sofort der König. Der sich selbstbetrogene Gast meinte wohl, daß es mit dem Kommen zum Feste allein getan sei. Auch ihm wurden die Kleider angeboten, aber sein eigenes erschien ihm gut genug, und so verschmähte er das des Königs. Nun sah er den tiefen Schaden und sein Zukurzkommen. Aber es war zu spät! Weil sich dieser Mensch nicht selbst geprüft und gerichtet hatte, mußte es der König tun, und ihn vom Hochzeitssaal entfernen. Wir wissen alle, daß Christi Kommen nahe ist, darum prüfe sich ein jeder, damit niemand zu denen gehöre, die dann hinausgetan werden müssen.
II. Der entdeckte Heuchler.
Gottesknechte können leider auch betrogen werden, aber der Herr kennt die Seinen. Er weiß, wer gewaschen ist und das Kleid der Gerechtigkeit trägt. Alle Gäste erkannten den großen Ernst, als der, der Herz und Nieren prüft, vor ihnen stand. Vielleicht hoffte der Mensch, dem das Hochzeitskleid fehlte, in der Menge verschwinden zu können? Viele begehren wohl die Genüsse der zukünftigen Welt, wollen aber das befleckte Kleid nicht hergeben. Der Gast war entdeckt, wie einst Gehasi (2Kön 5). Bedenken wir, daß auch für uns der Tag kommt, da alles bloß und aufgedeckt sein wird (1Kor 3,14-15; Heb 4,13).
III. Eine ernste Frage.
Der König fragte: "Freund, wie bist du hereingekommen?" Ja, er war hereingekommen, aber nicht gesetzmäßig (Joh 10,1, 9). Die Tatsache, daß er kein hochzeitliches Kleid anhatte, sprach weder für seine Unschuld, noch für seine Unwissenheit; denn es war ihm angeboten worden, - wie den andern auch. Es war Eigenliebe, Gleichgültigkeit, Stolz. Er mag gedacht haben, daß sein Kleid so gut wie das des Königs sei. Er stellt diejenigen dar, die in eigener Gerechtigkeit leben (Röm 10,3). Denken wir darum an das Wort in Amos 4,12: "Schicke dich an und begegne deinem Gott", - daß dich nicht an jenem Tage eine ähnliche Frage, wie die im Gleichnis, verurteile.
IV. Das Verhör.
Dieser Mensch war geladen worden, hörte den Ruf und war auch gefolgt; er hatte also allerlei getan und sicher nicht daran gedacht, daß ihm so etwas auf der Hochzeit passieren würde. Überführt stand er vor dem König und allen andern, ja, er war sprachlos! Keiner kann sich mehr für ihn verwenden. Die Knechte, die ihn so mit Liebe umgaben, können nichts mehr für ihn tun. Wir hören auch keine Bitte von ihm, er weiß, daß er die Gnade versäumt hat wie ein Esau. Was wirst du sagen an jenem Tage?
V. Das Urteil (Vers 13).
Wer des Königs Kleid verschmäht, der wird auch nie Sein Abendmahl
schmecken. Der König hat ihn zu einem warnenden Beispiel gemacht. Alle
Anwesenden kannten die heiße Liebe des Königs, sahen nun aber auch
Seinen großen Ernst. Israel, das geladen worden ist, hat bereits diesen
König zum Teil in Seiner Strenge erfahren, indem Er die Mörder umbrachte
und ihre Stadt anzündete. Hier ist es dieser Mensch, der Seinen ganzen
Ernst erfährt. Der Mann ohne Hochzeitskleid stellt eine Klasse von
Menschen dar, die da glaubt, durch eigene Werke selig werden zu können.
Wer nicht den Herrn Jesum angezogen hat, wird trotz seines Bekenntnisses
keinen Teil an den Freuden der Erlösten haben. "Werfet ihn hinaus", so
lautete das Urteil. Heulen und Zähneknirschen waren fortan sein Teil;
statt der Teilnahme am Mahle. Leser, frage dich ernstlich, wie dereinst
das Urteil über dich sein wird. Sehr ernst redet Gottes Wort von
denjenigen, die das Evangelium abweisen (2. Tess. 1, 8, 9;