Behandelter Abschnitt Mt 22,8-10
Die Einladung zur königlichen Hochzeit.
In Röm 11,11 schreibt Paulus, daß durch den Fall Israels, durch ihr Verwerfen des Königs, den Nationen das Heil zuteil geworden ist. Der König, der Seinen Untertanen nur Liebe erwies und ihnen Seine reiche Fülle anbot, aber so schändlich von ihnen geschmäht und verachtet wurde, schickt nun Seine Knechte auf die Landstraßen, und gebietet einzuladen, wen sie finden. Das Gleichnis gibt viele wertvolle Belehrungen.
Israel lehnte endgültig Seinen Herrn ab, es wollte nicht, daß dieser über sie herrsche, ja, tötete Ihn und verwarf das nochmalige Gnadenangebot der Reiches an Pfingsten (Apg 2,22; 4,1-3; 7,54-59). Israels Ablehnung erkennen wir an der Tatsache, daß die Apostel später zu den Nationen gingen (Apg 13,46). Wie sehr in der Folgezeit die Apostel an Israel wirkten, zeigt die Apostelgeschichte. Die gewaltigen Predigten, die einmal 3000 und ein anderes Mal 5000 Männer zur Buße brachten, hätten das ganze Volk zur Umkehr bringen sollen. Dazu tat Gott mächtige Zeichen durch die Apostel, aber anstatt ihren König anzunehmen, tötete Israel Gottes Gesandte. Seither ist keine Einladung mehr an Israel als Volk ergangen. Wohl aber sind zu allen Zeiten einzelne gerettet und einverleibt worden mit denen aus den Völkern (Eph 2; Kol 3,11; Gal 3,28).
Die neue Mission.
Der König befahl: „Gehet auf die Landstraßen.“ Dieser Befehl gilt noch heute und wird weiter ausgeführt werden durch Seine Knechte, bis der Herr wiederkommen wird, um Seine Gemeinde heimzuholen. Die Bemühung der Knechte war nicht umsonst. Sie brachten allerlei Leute herein, böse und gute. Im hochzeitlichen Kleid sind alle herrlich, da sieht man keinen Unterschied mehr, da sind Prinz und Bettler ganz gleich. Seit jenem ersten Rufen durch die Knechte (die Apostel) bis zum heutigen Tag kommen immer wieder neue Gäste hinzu, und bald wird das Haus voll sein (Vers 10). Wenn das Haus voll sein, d. h. wenn die Vollzahl aus den Völkern eingegangen sein wird, dann wird der Herr kommen (Röm 11,25). Dies aber sollte alle zu eifrigen Verkündigern des Evangeliums machen. Da sollten alle, wie jene Knechte, an die Hecken und Zäune gehen und einladen. Sind wir alle solch eifrige Knechte und Mägde? Der Befehl „auszugehen und einzuladen“ gilt heute genau so, wie er den Boten damals galt. Möchten wir doch alle durch treues Einladen bald das Haus füllen und somit die Ankunft des Herrn beschleunigen (2Pet 3,12).
II. Das hochzeitliche Kleid.
Die Einladung zu dieser Hochzeit war eine Seite, und das Erscheinen
eine andere. Alle Geladenen waren willkommen, aber alle unterstanden
derselben Festordnung. Sie mußten das hochzeitliche Kleid anhaben, wenn
sie nicht von der Freude ausgeschlossen sein wollten. Die Diener legten
allen dieses Kleid vor und baten, dasselbe anzuziehen (Joh 3,3).
Menschen, die so von der Landstraße zusammengelesen waren, hätten gewiß
sonst nicht in diesen Hochzeitssaal gepaßt. Feierkleider zu geben, war
eine alte Sitte (1. Mose 45,22; Ri 14,12). Unsere Gerechtigkeit
gleicht einem unflätigen Kleid. Vor Ihm gelten nur Seine Kleider (Off 7,9; Jes 61,10). Jeder, der nicht von der Freude, der Herrlichkeit
ausgeschlossen sein will, muß im Kleide der göttlichen Gerechtigkeit
erscheinen. Unmöglich hätte der verlorene Sohn in seinem
Schweinehirtenkittel zum Festmahl gepaßt, er mußte erst das beste Kleid
erhalten (Lk 15). Der Sünder ist von Natur nicht nur unrein, sondern
nackt (Off 16,15; Dan 12,2). Darum muß er, ob gut oder böse, jenes
geistliche Kleid, das Wiedergeburt genannt wird, anziehen (Tit 3,5).
Heiligkeit wird in der Schrift mit einem Gewand verglichen (Hiob 29,14;
Ps 45,15; Off 3,18); denn ohne diese Heiligkeit, die Absonderung
von Welt und Sünde, wird niemand den Herrn sehen (Heb 12,14;
III. Das Material dieses Gewandes.
Ohne Zweifel waren des Königs Gewänder sehr schön (Ps 45,13). Es waren köstliche Kleider. Wir wissen aus der Schrift, daß das erste Kleid, das Gott dem entblößten Menschen machte, sehr teuer war, es kostete das erste Leben (1. Mose 3,21). Jene Bekleidung Adams ist nur ein Hinweis auf das eine wertvolle Kleid, auf die Gerechtigkeit Gottes, die durch Christi Blut erworben wurde. Sein Leben, Sein Blut sind das wertvolle Material dieses hochzeitlichen Kleides. Und es ist ein Verbrechen, und eine große Beleidigung für den König, im eigenen Gewand zu erscheinen, und Sein kostbares Kleid zu verschmähen.
IV. Das Anziehen des Kleides.
Es genügt nicht, das angebotene Kleid nur entgegenzunehmen, es muß auch angezogen werden. Ziehet den Herrn Jesum an, sagt Paulus in Röm 13,14. Das ist das Umgestaltetwerden in des Herrn Bild. Ein bloßes Bekenntnis genügt niemals, obgleich viele es meinen (Tit 1,16). Das Anziehen des angebotenen Kleides der Gerechtigkeit Gottes setzt das Ausziehen des eigenen, des alten Kleides, voraus (Kol 3,8-12). Viele lassen sich einladen und kommen auch, wer aber dieses Kleid nicht anzieht, geht bestimmt aller Vorrechte und Freuden des Hochzeitsfestes verlustig. Josef trug einen Rock von vielen Farben, der das Auge aller auf ihn lenkte (1. Mose 37). Der Herr selbst trug ein Kleid ohne Naht, vor dem Kreuze aber wurde es Ihm ausgezogen; gehe dorthin, nimm und ziehe es an und wandle in diesem Kleide ohne Naht, ohne Makel. Ja, so und nicht anders sollen Gotteskinder täglich wandeln, im Kleide des Herrn; dann ehren sie so recht den König (Gal 6,22; Pred 9,8).