Behandelter Abschnitt Ps 89,1-52
Die unvergleichliche Treue Gottes Psalm 89
Der Grundton des Psalmes ist die Treue und Güte Gottes, die der Poet rühmt. Sie zu preisen ist ein ideales Vornehmen. Achte, wie oft er es tun will:
Ewiglich, immerdar. Von Geschlecht zu Geschlecht. Ähnlich redet er in Psalm 34 2. Die Treue und Güte sind bleibend. Auf ewig wird Deine Güte gebaut werden (Elberfelder-Übers.) Die Gnade erscheint ihm hier wie ein Bau, der immer höher steigt. Die ersten Gnadenerweisungen, unsere Bekehrung, waren die Grundlage (Tit 3,5-7) Nun fügt der Baumeister beständig hinzu. Aus Seiner Gnadenfülle haben wir alle genommen eine Gnade nach der anderen. Ich lese eben für mich am Morgen das Buch der Richter und staune über die vielen neuen Gnadenerweisungen Gottes an Seinem untreuen Volk. Und die von heute sind die Garantie für morgen, denn Er selbst ist derselbe. Stunde um Stunde erweist sich Seine Gnade aufs neue. Wie frische Luft, die wir einatmen, sie hat kein Ende. Das hat Jeremia erfahren, während er auf den Trümmern Jerusalems saß und weinte, aber trostreich bezeugt er: „Die Güte des Herrn ist, dass wir nicht gar aus sind; Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und Seine Treue ist groß“ (Klgl 3,22.23).
Sein Vertrauen. Es war Ihm das Wort. Nur volle Überzeugung in die Schrift gibt Sicherheit, denn wer anders könnte sie uns verbürgen? (Mk 13,31). Er sagt, ich will sie besingen, alle sollen sein Lob hören, ja mehr, er will sie verkündigen mit seinem Munde. Er will andern bezeugen, was die Gnade an ihm gewirkt hat, sie sollen sehen und hören, was Gott an ihm getan hat. Dazu ist heute jedes Kind Gottes berufen. Damit auch andere sich ausstrecken nach den reichen Gütern Seines Hauses.
Der Grund, auf dem des Königs Verkündigung ruht. Auf dem Bunde „Einen Bund habe ich mit meinem Auserwählten gemacht, der bis in Ewigkeit gilt“. Wir lesen darüber in 2. Samuel 7,10. Dieser Bund gab dem König ganze Zuversicht, denn er gilt in Ewigkeit, also weit über seine Tage hinaus, vielmehr auf die Zeit, da der Sohn Davids auf Erden herrschen wird, denn Jesus selbst ist und nennt sich „Davids Sohn und Davids Herr“. Und hier setzt der Schreiber ein „Sela“. Zu hören: „Bis in Ewigkeit will ich feststellen Deinen Samen und auf alle Geschlechter bauen Deinen Thron“, das musste David zur Anbetung bewegen. Einen höheren Grund in Gedanken an Christi Thron ein „Sela“ zu setzen, haben wir nach Offenbarung 1,6 alle. Wer diese Güte Gottes gegen uns erfassen kann, muss anbeten. Denn Er hat uns zu Königen und Priestern seinem Gott gemacht.
Die Unvergleichlichkeit Gottes (Verse 6‑8). Die Himmel werden Deine Wunder preisen. Wer sind die Preisenden? Die Schrift sagt es, die Himmel. Die Söhne des Höchsten, alle Erlösten, wie wir sie in Offenbarung 5 finden, alle Bluterkauften. In Psalm 103 lesen wir: „Lobet Ihn alle Helden“. In 2. Mose 33,2 erfahren wir etwas von ihrer Kraft oder denken wir an den Engel in 1. Chronik. 21, der 70 000 Mann aus dem Heere Davids durch die Pest schlug; oder an jenen Engel in den Tagen Hiskias, der sogar 185 000 Mann im Heer der Assyrer schlug (2Kön 19,35). Denke auch an Stellen, wie Psalm 34,7.8; Dan 6,22; Apg 5,19; 12,7-10; Off 18,1; 22,8). Paulus nennt sie die Engel Seiner Kraft (2Thes 1,7).
Er ist aber auch mächtig in der Gemeinde der Heiligen (5. Mose 33,2; Jud 14). Er ist mächtig in ihr, in Segnungen (Apg 2). Wie könnte es auch anders sein, da Er verheißen hat, in ihrer Mitte zu sein (Mt 18,20). Seine Gegenwart straft aber auch die Sünde, das lehren uns Stellen wie Apostelgeschichte 5,1-11; 8,18-25, da der Heilige Geist Heuchelei, Lüge, Geldliebe richtete und die Schuldigen aus der Versammlung der Heiligen hinausgetan wurden.
Der Herr wird auch wiederum der Gott der Heerscharen genannt, der sich oft unter Seinem Volk geoffenbart hat (2Kön 6,15; 2Sam 5,24; 7,10). Den Herrn in Seinen vielseitigen Namen und deren Bedeutung zu kennen (Er hat sieben verschiedene wunderbare Namen im Alten Testament) führt zum Staunen und zur Anbetung.
Die Allmacht unseres Gottes. Wem ist Jahwe zu vergleichen in Seiner Macht und Herrlichkeit? In Seiner Weisheit (Eph 3,10), in Seiner Allmacht (1. Mose 17,1), in Seiner Liebe (Röm 5,8) in Seiner Größe, Pracht und Majestät (Ps 104), aber besonders in Seiner Gnade (2Kor 9, B. l1)? Ihm allein gebührt Ehre und Anbetung. Engel, die nicht gesündigt, noch die Erlösung erfahren haben, fallen vor Ihm mit bedeckten Häuptern nieder und beten an; wie viel mehr sollten wir, die der Herr aus der Sünde gerettet und in Seinem Blut gewaschen hat, beständig Ihn ehren. Seine Gegenwart ist überall, besonders aber in der Gemeinde Seiner Heiligen. Gottes Macht ist geoffenbart über die Meere. Israel hat nie Gottes Tat am Roten Meer vergessen. Auch Petrus hat sie erlebt (Mt 14,31; Lk 5). Und wiederum als alle Jünger in Not waren, erfuhren sie Seine Macht. (Mk 4,37-41). Er ist aber auch im Sturm und Blitz und redet damit zu den Menschenkindern. Gottes Macht über die Natur, ja alles, was Gott auf Erden getan hat, ist in der Bibel erwähnt. Rahab wird genannt, damit ist das stolze und mächtige Ägypten gemeint, dessen Untergang im Roten Meer Israel nie vergessen hat. Du hast einen gewaltigen Arm, stark ist Deine Hand, hoch Deine Rechte (Joh 10,28). Wie stark Sein Arm ist, sehen wir im Buch Josua, da Er alle Feinde vertilgte.
Behandelter Abschnitt Ps 89,1-18
Ein Loblied dem Herrn Psalm 89,1-18
Der Psalm ist sehr reichhaltig, zugleich voller Abwechslung. Der Psalmist beginnt mit Lob und Dank, besonders im Gedenken an frühere Tage, er denkt an den großen Vorzug Israels, an seine Erwählung. Er muss aber ebenso ernstlich klagen über ihr Abweichen vom Herrn und Seinem Wort. Ist das nicht genau so in unserer Zeit? Oft ist es beim einzelnen Gläubigen der Fall, weil er die erste Liebe verlassen hat, aber auch bei ganzen Gemeinden, die einst vergrößern mussten, wie jene Prophetenschüler in z. Könige 6 und nun viele leere Plätze haben.
Ein nachahmenswertes Vorhaben. Der Psalmist will zweierlei. Er will singen als Dank für die Gütigkeiten des Herrn, die Gott Seinem Volke so reichlich erwiesen hat in der Vergangenheit. Es ist gut, Rückblicke zu halten, dann danken wir (Ps 116). Seine Gnade ist es, die uns herausgerettet hat. Jeden Abend sollten wir im Rückblick auf den Tag ein Loblied anstimmen.
Er will erzählen von den Gütigkeiten des Herrn und Seine Wahrheit verkündigen, denn Er ist die Wahrheit (Joh 14,6). Sein Wort ist die Wahrheit. Verwirklichen wir, was der Psalmist sagt? Besingen wir den Herrn, ermuntern wir andere durch frohe Dankeslieder, und sind wir Zeugen Seiner Gnade und Wahrheit (Ps 40,3).
Wie lange und oft tat er es? Alle Tage, immerdar von Geschlecht zu Geschlecht. Die kommenden Generationen sollen das Heil erfahren. Beachtenswert ist sein Glaube nach Vers 2, da er sagt: „Auf ewig wird die Güte gebaut werden.“ Er vergleicht sie einem Bau, dem täglich bis zur Vollendung Steine hinzugefügt werden. Es ist offenbar ein prophetischer Blick, Er sieht Seinen Thron in weiter Ferne, auf dem der Sohn Davids sitzen wird.
Zweierlei veranlasst den Sänger zum Dank: a) dass der Herr ihn auserwählt hat. Hier geht er zurück in sein Vaterhaus, als Samuel kam und ihn aus der Mitte seiner Brüder herausnahm, als der Jüngste und Kleinste. Wie viel mehr sollten wir für das unaussprechliche unserer Erwählung danken (Eph 1,3), die uns unfasslich ist. b) dass Gott einen Bund mit ihm gemacht und ihn mit einem Schwur auf immer bestätigt hat. Doch damit beschäftigen wir uns einige Verse später. Der Psalmist setzt hier ein Sela, er denkt nach über die genannten Vorzüge und betete an. Und wer über diese Gnadenerweisungen Gottes nachdenkt, muss stille stehen und anbeten.
Wer kann mit Jahwe verglichen werden? Wer ist Ihm gleich? Der Poet redet von den Himmeln, die Ihn preisen. Wer ist dort, um Ihn zu preisen? Gewiss die Engel, die himmlischen Heerscharen: Lobet Ihn, ihr Seine Engel! Ein liebliches Bild bietet uns Offenbarung 5, wo wir die Erlösten um den Thron in Dank und Anbetung sehen. Wer könnte mit Ihm verglichen werden? Man lese Epheser 3,10, wo Seine gar mannigfaltige Weisheit erwähnt wird. In 1. Mose 17,1 hören wir von Seiner Allmacht, die alle Feinde überragt. In Römer 5,8-10 wird Seine unfassliche Liebe zu uns geschildert, die wir Seine Feinde waren, und in Psalm 104,4, Seine Größe, Macht und Majestät; ferner Seine Herablassungen zu den Ärmsten, 2. Korinther 8,9. Derselbe Herr will oder möchte sich gewaltig offenbaren in der Versammlung Seiner Heiligen. Was erwarten wir in unseren Zusammenkünften? Oder ist es nur Gewohnheit, die uns zusammenführt? Der Gläubige, der Ihm vertraut, geht mit einem Frieden davon, der allen Verstand übersteigt (Phil 4,7), ja er freut sich mit unaussprechlicher Freude (1Pet 1,8). Man denke an Zusammenkünfte wie Apostelgeschichte 4,31, oder Kapitel 10, 44. Erneut beten wir wie zuvor: „Beleb o Herr, Dein Werk; gib neuen Gnadenschein.“ Haben wir wirklich ein Auge und Ohr für Seine Gegenwart? In 3. Mose 10,3 sagt der Herr durch Mose: „In denen, die sich mir nahen, will ich geheiligt sein, und von dem ganzen Volke will ich verherrlicht werden.“ Wer Seine Herrlichkeit spürt, schweigt wie Aaron und betet an (Heb 12,28). Und was führt uns zum Loben und Preisen? Dass der unvergleichlich große Gott in unserer Mitte weilt. Wer ist Ihm gleich? fragt der Prophet (Jes 40,18.25.26; 2. Mose 15,11). Einer versuchte höher als Gott zu sein, der aber tief hinabgestoßen worden ist (Jes 14,13).
Noch vieles nennt der Psalmist, um Seine Macht und Größe zu zeigen, um Ihn würdig anzubeten und zu preisen. Er wird der Gott Zebaoth genannt mit Seinen siegreichen Heeren. Er beherrscht auch das Ungestüm der Meere. Wir denken dabei an die Stillung des Sturmes in Markus 4, da Er zum bewegten Meer sagt: „Schweig und verstumme.“ Alles staunt über Seine Macht und fragt, was ist das für ein Mann, dem Wind und Meer gehorchen?
Rahab wird genannt, damit ist Ägypten gemeint. Bei irgend welchen Rückblicken der großen Taten Gottes dachte das Volk an jenes große Ereignis in 2. Mose 14.
Sein sind die Himmel und Sein die Erde und ihre Fülle. Ihm gehören alle Schätze, die auf und unter der Erde sind. Sein ist das Vieh auf tausend Bergen. Ihm gehören die höchsten Orte wie Tabor und Hermon, das Meer und alles was darinnen ist. Vergessen wir dabei nicht, dass Ihm auch das gehört, was uns vorübergehend anvertraut ist!
Ferner wird Sein starker Arm genannt, der auch uns hält und nichts und niemand vermag uns aus Seiner Hand zu reißen. Gerechtigkeit und Gericht ist Seines Thrones Grundfeste. Güte und Wahrheit gehen vor Seinem Angesichte her. Welch ein Gott! Und du und ich dürfen sagen: Er ist mein Gott und mein Vater.