Behandelter Abschnitt 1Pet 4,17-19
Nun wendet er sich der moralischen Seite zu, nach einer ernsten
Ermahnung vor den Gefahren für einen Christen inmitten der schlimmsten
Beispiele. Gewiss, wenn Gott richtet, dann aus gutem Grund; und Er muss
nach seinem heiligen Wesen richten, und zwar das, was damit unvereinbar
ist und sich stolz und widerspenstig gegen Ihn erhebt. Schon haben die
Menschen geschlafen, und der Feind hat Unkraut gesät, und das Böse
konnte nicht ausgerissen werden bis zur Vollendung des Zeitalters, wenn
der Sohn des Menschen das Gericht mit Macht und Herrlichkeit in die Hand
nimmt. Der Heilige Geist wurde für die gute Botschaft, den Gläubigen,
der Versammlung gesandt, aber nicht, um dem Verderben Abhilfe zu
schaffen. Dies ist dem Herrn vorbehalten, der bei seinem Erscheinen
Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge bringen wird (Apg 3), wie die
Propheten verkündigt haben und Gott durch sie seit Anbeginn der Zeit.
Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange bei dem Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen! Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Daher sollen auch die, die nach dem Willen Gottes leiden, einem treuen Schöpfer ihre Seelen anbefehlen im Gutestun (4,17–19).
So war es auch bei dem schrecklichen Gericht, das Jerusalem und die Juden heimsuchte, wie es Hesekiel beschreibt. Der Herr sagte gleichsam: Fangt bei meinem Heiligtum an, wo der Mensch Unvollkommenheit annahm, und das ist das eitle Vertrauen in die Tradition angesichts der deutlichsten Gegenbeweise in den Evangelien, den Briefen und der Offenbarung. Die Herrlichkeit des Herrn weigerte sich, weiter in seinem Haus zu wohnen, das durch Götzendienst und noch größere Abscheulichkeiten verunreinigt war, von denen die letzte jene östliche Haltung war, die seit jeher den Götzendiener, niemals aber die beiden Anbeter unseres Gottes und Vaters kennzeichnet. Zweifellos war das Heil immer von Gott und in souveräner Gnade; und dies wird im Christentum deutlicher und unbestreitbarer, als es jemals gewesen ist. Aber Gott machte von Anfang an von seinem Recht Gebrauch, jede Abweichung von Ihm zu richten; und niemand sollte so bereit und so gründlich im Bekennen seiner Sünden sein wie die, die zugeben, dass alles, was sie genießen und dessen sie sich rühmen, aus seiner Gnade hervorkommt. Die Bosheit der Christenheit wie auch Israels besteht darin, für ihren schuldigsten und abtrünnigsten Zustand die Immunität zu beanspruchen, die dem Rat der Gnade zukommt. Nie war Juda hochmütiger in seinen Ansprüchen und lauter in seinem Gefühl der Sicherheit als am Vorabend des schonungslosen Gerichts. Und jetzt ist es mit der Christenheit noch schuldiger geworden.
Hier versagen sogar echte Jünger auf traurige Weise. Der Parteigeist verblendet; denn was ist die Christenheit anderes als eine versprengte Gruppe von Parteien? Wie ein anderer Apostel lehrte, gab es schon damals Spaltungen; und es muss Parteiungen oder Sekten geben, wie es wirklich heißt, die unvermeidlichen Auserwählten, wenn sie nicht durch Selbstgericht korrigiert werden; und diese sehen wir jetzt überall und unverblümt. Diejenigen, die das Haupt am höchsten tragen, können es kaum leugnen. Ihre eigene Vereinigung ist natürlich die wahre, wenn auch in ihren Augen nicht ganz makellos; aber sie müssen von solchen auf der Erde wissen, die mehr als sie dem Wort und dem Geist Gottes unterworfen, dem Namen Christi ergeben und von der Welt getrennt sind. Dies könnte ihr Gewissen durchbohren und sie durch die Gnade dazu bringen, das überwältigende Verderben zu entdecken, das sich hinter dem hochmütigsten Vorurteil verbirgt. Aber die Finsternis, die alle befällt, die sich der verhängnisvollen Annahme der Unvollkommenheit des christlichen Bekenntnisses hingeben, verhindert den Eintritt des göttlichen Lichtes in ihnen in dieser Hinsicht.
Dabei hatte der Herr in Matthäus 13 hinreichend davor gewarnt, dass das Reich der Himmel, das Er aufrichten würde, durch die List des Feindes zugrundegehen würde, wie das irdische Reich der Alten, das Israel anvertraut war, zusammengebrochen war. Nur das Gericht bei der Erscheinung des Sohnes der Menschen konnte das Feld hier auf der Erde vom Unkraut befreien, aber der Weizen, der in die himmlische Kornkammer aufgenommen würde, würde wie die Sonne in einer höheren Sphäre leuchten.
Das Zeugnis des Paulus wurde angeführt; hier haben wir das des Petrus vor uns. Judas prophetische Vision ist ebenso deutlich und aussagekräftig wie kurz: „Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams hingegeben, und in dem Widerspruch Korahs sind sie umgekommen“ (Jud 11). Johannes dringt tiefer als alle anderen ein, wenn er es „die letzte Stunde“ nennt, in der viele Antichristen kommen, die Herolde des Antichrists (1Joh 2).
Aber wo wird dies von den Gläubigen im Allgemeinen empfunden und mit Trauer vor Gott und mit Scham vor den Menschen bekannt? Wenn sie so weit gehen, gegen dieses oder jenes Übel zu protestieren, sind sie mit ihrem Teil zufrieden, auch wenn sie sich in Wirklichkeit an dem beteiligen, was sie als bedauerlich bezeichnen oder leider wegzuerklären suchen.
Sie sollen den Weg der Gottesfürchtigen in Israel beherzigen, obwohl der Christ sicherlich noch weitergehen muss und durch weitaus mehr Licht tiefgründiger urteilen muss. Von Mose bis Samuel, wie viel gibt es zu lernen angesichts des Volkes, das gegen Gott kämpfte. Von Jeremia und Daniel, von Esra und Nehemia, wie viel Schmerz über das Versagen des Überrests, wie viel Last der Sünden Israels, des Volkes, der Priester und der Könige! Soll die Versammlung kein solches Verantwortungsgefühl haben? Soll der Christ, weil er das ewige Leben hat und gerechtfertigt ist, keinen Schmerz empfinden wegen der schönen Herde Christi, die bedrängt und zerstreut wurde, und wegen der Unbesonnenheit, der Hitze und des Eigenwillens, die dies oft verursacht haben?
Zweifellos bietet die Schrift dem Glauben und der Treue einen reinen Weg außerhalb der gemeinschaftlichen wie auch der individuellen Verunreinigung. Aber wenn es nicht einen Geist der Trauer und des Zerbrechens gibt, der der Zuflucht zu ihr vorausgeht und der immer aufrechterhalten wird, wird eine harte und kalte Selbstgerechtigkeit eintreten, der sichere Beweis des Versagens, der nur Sünde zur Sünde hinzufügt und der noch schlimmeres Übel voraussagt. Wenn wir zur Versammlung, dem Leib Christi, gehören, ist es herzlos, wenn wir nur das Unrecht, das wir persönlich begangen haben, spüren würden. Das wahre Prinzip ist, dass, wenn ein Glied leidet, alle Glieder mit ihm leiden; und von diesem Leiden sind die Geistlichen zutiefst betroffen. Aber dem Selbstzufriedenen ist das völlig gleichgültig. Er hat seine Partei und ist damit zufrieden. In Christus sehen wir die Vollkommenheit seiner Liebe in dieser Hinsicht wie in allen anderen. Er trug auf seinem Geist die Last jedes Leids, das Er durch seine Macht linderte: wie viel mehr fühlte Er all den unwürdigen Egoismus, der seine Geliebten behinderte und bedrückte! Wir sind durch die Gnade berechtigt und verpflichtet, diese göttliche Zuneigung mit Ihm zu teilen. Der Glaube, der die Sünde ablehnt, wirkt durch die Liebe, um die Gläubigen, die sich Ihm hingeben, zu warnen, aber auch, um für sie Fürsprache zu halten. Christus möchte, dass wir einander die Füße waschen; aber welche Demut und Liebe brauchen wir, es in der rechten Weise zu tun!
Wenn nun das Gericht beim Haus Gottes beginnt, wie es geschieht und geschehen soll (vgl. Amos 3,2), „was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen!“ (V. 17). Dies ist der einzige Gehorsam, zu dem der aufgerufen ist, dem nicht vergeben ist. Welch ein Beweis für blinde Bosheit, dass ein Sünder sich weigert! Denn das Evangelium Gottes ist die gute Botschaft vom vollständigen Erlass der Sünden durch das Blut Jesu. Doch welche Tausende und Millionen nehmen lieber das Höllenfeuer in Kauf, als an Ihn zu glauben. Was wird ihr Ende sein?
Kein Wunder, dass der Apostel von den Gerechten spricht, die nur mit Not gerettet werden. Ja, die Hindernisse sind zahlreich und unermesslich; und es gibt nichts Gutes in ihnen, das heißt, in allen natürlich, während selbst als Gläubige, welche Schwachheit und Ausgesetztheit! „Wer kann dann errettet werden“ (Mt 19,25), sagten die Jünger, als sie von der besonderen Schwierigkeit für die Reichen hörten, die, wie sie meinten, einen solchen Vorteil gegenüber allen anderen hatten. Aber Jesus sah sie mit seiner unerschütterlichen Liebe an und antwortete: „Bei Menschen ist dies unmöglich“; aber (seinem Namen sei Dank!) „bei Gott aber sind alle Dinge möglich“ (Mt 19,26). Die Errettung ist von Gott, wie auch das Evangelium von Ihm ist, das es jedem verkündet, der glaubt, ob arm oder reich. Umso entsetzlicher wird aber ist das Los derer sein, die nicht nur sein Gesetz übertreten, sondern auch sein Evangelium verachten oder vernachlässigen. „Wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?“
Gott ist nicht nur derjenige, der die Toten auferweckt, wie es uns bereits in Christus zur Erlösung unserer Seelen gezeigt wurde; Er hört nicht auf, sich denen, die nach dem Willen Gottes leiden, zuzuwenden: „Daher sollen auch die, die nach dem Willen Gottes leiden, einem treuen Schöpfer ihre Seelen anbefehlen im Gutestun“ (V. 19). Er ist seinen Geschöpfen zugetan; wie viel mehr seinen Kindern, die für eine kleine Weile zu Unrecht leiden.