Behandelter Abschnitt 1Pet 4,12-14
Als Nächstes wendet sich der Apostel ausdrücklich den schwersten Leiden zu, die sie zu ertragen berufen waren, nicht als eine Frage von Recht oder Unrecht, die jeder rechtschaffene Bruder auf sich nehmen kann und muss, sondern um des Namens Christi willen, der in noch größerem Maß den Glauben anzieht.
Geliebte, lasst euch durch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes; sondern insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, freut euch, damit ihr auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit mit Frohlocken euch freut. Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig seid ihr! Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch (4,12–14). „Glückselig der Mann, der die Prüfung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die er denen verheißen hat, die ihn lieben“ (Jak 1,12). Die Gefahr besteht, in Versuchung zu geraten, wie auch der Apostel nur zu traurig wusste, als er im Vertrauen auf seine eigene Liebe die Warnung des Herrn vergaß und Ihn dreimal verleugnete. Aber die Gnade begann ihn wiederherzustellen, als der Herr seinem armen Diener seine mahnenden Worte erneut zurief, und Er hörte nicht auf, bis er vor seinen Brüdern so wieder eingesetzt werden konnte, dass seine Schafe und Lämmer seiner Obhut anvertraut wurden. Und das war noch nicht alles. Denn das Erlösungswerk Christi hat ihn, wie jeden Anbeter, so vollständig gereinigt (Heb 10,2), dass er die Männer Israels freimütig anklagen konnte, weil sie den Heiligen und Gerechten verleugnet hatten. Einmal geläutert, hatte er kein Gewissen von Sünden mehr: Diese und alle anderen Sünden waren für immer ausgelöscht. Das ist das Vorrecht des Christen bei der Einweihung zum Dienst.
Wer wäre also besser geeignet als dieser Apostel der Beschneidung, die Herzen seiner Brüder zu stärken, wenn das Feuer unter ihnen zu ihrer Prüfung geschieht? Sie sollten es nicht als etwas Fremdes, sondern als eine Ehre Gottes betrachten, zumal sie, was der Apostel nicht hatte, als er erprobt wurde, den Heiligen Geist hatten, der in ihnen wohnte, als die Frucht des vollbrachten Werkes Christi. Hatte der Herr nicht zu seinen Jüngern gesagt: „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden um meinetwillen. Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren“ (Mt 5,11.12)?
Der Apostel hatte sie bereits früher ermahnt, es als Gnade und Ehre zu ertragen, wenn man aus Gewissensgründen Gott gegenüber Schmerz erträgt und zu Unrecht leidet: „Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharrt, indem ihr sündigt und geschlagen werdet? Aber wenn ihr ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist wohlgefällig bei Gott“ (2,20). Auch hier weist er auf das Leiden Christi für uns hin, als das große Vorbild, dem wir folgen sollen. Kürzer, aber mit besonderer Schärfe führt er weiter aus, dass es besser sei, nach Gottes Willen für Gutes tun zu leiden, als für Böses tun, mit dem vor Augen, der ein für alle Mal für die Sünden gelitten hat, wie Er es allein konnte (vgl. 3,17.18). Hier geht er über das Leiden um der Gerechtigkeit willen und als Wohltäter hinaus und erinnert sie in Anbetracht der bevorstehenden feurigen Verfolgung daran, dass sie sich freuen sollen, weil sie an den Leiden Christi teilhaben oder Gemeinschaft mit Ihm haben, damit auch sie sich bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit mit Frohlocken freuen können. Der Geist wendet erneut an, was der Herr am Anfang auf dem Berg dargelegt hat, nämlich dass es in seinen Augen unübertrefflich ist (und wer ist ein solcher Richter?), um seinetwillen geschmäht und verfolgt zu werden mit allem Bösen, das lügnerisch gegen sie gesagt wird. „Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel“ (Mt 5,10); aber in den nächsten Versen 11 und 12 erhebt er sich und spricht persönlich und nicht mehr wie bisher abstrakt von „euch“, die um seinetwillen leiden. Diese sollten sich freuen und frohlocken, denn ihr Lohn war groß in den Himmeln.
Auch hier ist es seinem Diener gegeben, hinzuzufügen: „Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig seid ihr! Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch“ (V. 14). Christus war nicht hier, sondern in der Herrlichkeit Gottes; und von dort kam der Geist, gesandt vom Vater in seinem Namen und von Ihm selbst, um bei ihnen zu bleiben und in ihnen zu sein (Joh 14 und 15). Wie passend und tröstlich ist diese Erinnerung! Er war das Siegel ihrer vollbrachten Erlösung und das Vorzeichen der ihnen bevorstehenden Herrlichkeit. Er ist der Geist Gottes, der mehr und besser ist als die Herrlichkeit. Das war der Geist, der auf ihnen ruhte, sowohl zur Kraft zum Ausharren als auch zur Freude, jetzt und in Ewigkeit. Zweifellos gilt das allgemein für alle Söhne Gottes, denn Er ist der Geist der Sohnschaft, den die Gläubigen seit der Erlösung empfangen (Gal 4,4; Eph 1,13.14); aber hier wird es mit Nachdruck gesagt, um die, die für den Namen Christi leiden, zu unterstützen. Der letzte Teil des Verses ist ganz richtig und wird an anderer Stelle im Wesentlichen gesagt; aber da die Worte von den besten MSS und den meisten alten Versionen ausgelassen werden und wie eine Zufügung aussehen, werden sie hier als von zweifelhafter Autorität eingeklammert. Es gibt auch einen Zusatz zum Geist der Herrlichkeit und Gottes, „und der Kraft“ in A P, mehr als 30 Kursiven, einigen alten Versionen und so weiter, sogar erweitert; aber die vatikanische MS. und andere gute Zeugen widersprechen; und in der Tat scheint es noch weniger mit dem Zusammenhang übereinzustimmen.
Der Apostel hatte die Leiden der Gläubigen als Gemeinschaft mit den Leiden Christi beschrieben. Sie konnten nicht an seiner Gnade teilhaben, ohne an dem teilzuhaben, was dies für Ihn in einer bösen Welt bedeutete, in der Gott von einem schlechten Gewissen und einem ungläubigen Herzen ebenso sehr gehasst wie gefürchtet wird. Sie sollten daher Verfolgung nicht als etwas Fremdes ansehen, sondern als etwas, das zu erwarten ist, wo die Sünde durchdringt und vorherrscht, wo Finsternis für Licht und Licht für Finsternis gehalten wird, wo Gutes böse und Böses gut genannt wird, wo Süßes für bitter und Bitteres für süß gehalten wird (Jes 5). Wenn die Grundpfeiler umgerissen sind (Ps 11), was kann der Anteil der Gerechten anderes sein als die Ablehnung, die ihr Herr hatte? Der Jünger ist nicht größer als sein Lehrer und der Knecht nicht größer als sein Herr. Ein jeder wird, wenn er vollendet ist, wie sein Herr sein. Es war ein heiliges Vorrecht, das mit Dank und Jubel angenommen werden sollte. Es war ein Vorwurf in seinem Namen, der Geist der Herrlichkeit und Gottes ruhte auf ihnen, damit ihr Seufzen einen göttlichen und selbstlosen Charakter habe und sie selbst mit aller Kraft gestärkt würden nach der Macht seiner Herrlichkeit bis zu allem Ausharren mit Freude.