Behandelter Abschnitt Jak 4,13-15
Dann wendet sich der Brief an den ungläubigen Geist und die rücksichtslose Rede, die allzu oft von der Welt kopiert werden von denen, die wissen und empfinden sollten, wie alle Dinge von Gottes Willen abhängen.
Wohlan nun, ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt gehen und dort ein Jahr zubringen und Handel treiben und Gewinn machen (die ihr nicht wisst, was der morgige Tag bringen wird; [denn] was ist euer Leben? Ein Dampf ist es ja, der für eine kurze Zeit sichtbar ist und dann verschwindet); statt dass ihr sagt: Wenn der Herr will und wir leben, so werden wir auch dieses oder jenes tun (4,13–15).
Es ist klar, dass die Leichtfertigkeit des Gefühls tiefer geht als die Worte und dass sie die Bereitschaft des menschlichen Geistes verrät, Gott aus dem gewöhnlichen Kreislauf des Lebens auszuschließen, besonders in den Angelegenheiten des Geschäfts. Ihn aber einzubeziehen und sich mit Redlichkeit auf seinen Willen zu beziehen, würde den größten Teil jedes Tages umfassen. Christus, ja auch das Christentum, zeigt, dass, wie es nichts gibt, was zu groß für uns ist, um es von Gott zu empfangen, so gibt es auch nichts, was zu klein für Gott ist, um uns darin zu leiten. Sein Wille umfasst alles, was bescheiden ist, alles, was herrlich ist. Christus ist nicht nur der Zeuge, sondern die Fülle in beidem. Wer war jemals so demütig? Wer ist jetzt so hoch erhöht? Und Er ist das Leben jedes Christen, der deshalb aufgefordert wird, so zu wandeln, wie Er es tat. Aber da versagen wir, wie Christus es nie getan hat, an dem nichts wunderbarer ist als sein unerschütterlicher Gehorsam; Er ist in der Tat der einzige Mensch, der ohne Ausnahme immer das tat, was seinem Vater wohlgefiel.
Es ist also unsere Pflicht, wie es auch unser Vorrecht ist, den Willen unseres Gottes und Vaters Tag für Tag und auch während jedes Tages zu befragen. In unserem Gebet und in seinem Wort finden wir die Mittel dazu; oder, wie unser Herr selbst es treffend ausgedrückt hat: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch geschehen“ (Joh 15,7). Denn Er beginnt mit unserem beständigen Vertrauen auf Ihn, und Er endet mit der Gewissheit, dass wir das bekommen, worum wir bitten; denn so bittet man nur, was dem Willen Gottes entspricht.
Nachdem wir eine so gesegnete Wirklichkeit wie den Wandel Christi auf der Erde kennengelernt haben, der uns ein Beispiel dafür hinterlassen hat, dass wir seinen Fußstapfen folgen sollen, ist es dann nicht ein großer Verlust und ein Unrecht, wenn ein Christ so wandelt wie die Heiden, die Gott nicht kennen? Man kann verstehen, dass Elia die abtrünnigen Juden verhöhnt, die dem Baal folgten, und besonders die Priester des Baal, die vergeblich diesen Dämon anriefen, um mit Feuer zu antworten. „Ruft mit lauter Stimme, denn er ist ja ein Gott, denn er ist in Gedanken, oder er ist beiseite gegangen, oder er ist auf der Reise; vielleicht schläft er und wird aufwachen!“ (1Kön 18,27). Wer aber an Christus glaubt, der weiß, dass Er in der reichsten Liebe tätig ist, um jetzt und in Ewigkeit zu segnen, Gott, der sich auch als sein Vater und unser Vater, sein Gott und unser Gott offenbart. Sollen wir Ihm dann nicht jede Schwierigkeit und jeden Wunsch vorlegen? Sollen wir nicht auf seine Gnade mit unserer Ergebenheit antworten? Sind nicht auch wir durch den Geist zum Gehorsam geheiligt, und zwar nicht zum Gehorsam eines Juden unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade, ja ausdrücklich zu einem Gehorsam wie dem seinen, von Söhnen beim Vater? Als Kinder des Gehorsams steht es uns nicht zu, uns in unserer Unwissenheit nach unseren früheren Begierden zu bilden; sondern wie der, der uns berufen hat, heilig ist, so möge es auch mit uns sein in allen Lebenslagen. Nun ist die Hauptquelle dieses praktischen Kurses das Streben, in seinem Willen zu wandeln.
Aber das christliche Bekenntnis, und vielleicht besonders unter den Israeliten, war schnell in Weltlichkeit und Naturalismus abgeglitten, wie wir es in diesen Versen eindringlich beschrieben hören. Das ist nicht nur eines Kindes Gottes unwürdig, sondern es ist Gottlosigkeit in der Praxis. Wer und was ist ein gottesfürchtiger Mensch, der von seinen Plänen für heute oder morgen spricht, ohne an Ihn zu denken? Wer und was ist er, dass er verlässt, wo er ist, und in diese Stadt hier geht, um dort ein Jahr zu verbringen? Und wie? Um Handel zu treiben und Gewinn zu machen! „Die ihr nicht wisst“, sagt unser Brief, „was der morgige Tag bringen wird“ (V. 14a). Wie einfach und doch vernichtend! „Denn was ist euer Leben? Ein Dampf ist es ja, der für eine kurze Zeit sichtbar ist und dann verschwindet“ (V. 14b). Natürlich ist hier nicht mehr gemeint als unsere irdische Existenz, unser Leben in der Welt. Stattdessen sollten wir sagen: „Wenn der Herr will und wir leben, so werden wir auch dieses oder jenes tun“ (V. 15). Unmöglich, der Kraft dieses Appells zu widerstehen. Unser Leben hier auf der Erde fällt genauso unter den Willen des Herrn, wie unser Tun von diesem oder jenem. Wie unglücklich sind wir, Ihn zu ignorieren! Wie glücklich, seinen Willen zu kennen und ihn zu tun!