Behandelter Abschnitt Heb 11,23-26
Nun folgt eine neue Reihe von Beispielen für die Kraft des Glaubens, ungeachtet der Feinde, der Gefahren und der Schwierigkeiten; Mose hat einen Platz, der so sehr von seiner Kraft geprägt ist wie Abraham von seinem Ausharren.
Durch Glauben wurde Mose, als er geboren war, drei Monate von seinen Eltern verborgen, weil sie sahen, dass das Kind schön war; und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht. Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharaos zu heißen, und wählte lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung (11,23–26).
Patriotismus und familiäre Zuneigung konnten in einem fremden Land kaum eine Rolle spielen; aber wie dem auch sei, alle wurden durch den grausamen Erlass des ägyptischen Königs herausgefordert und mit Füßen getreten; und kein Empfinden, obwohl durch Unterdrückung und Sklaverei betäubt, konnte einem Volk fehlen, das berufen und geführt und bewahrt wurde, wie die Nachkommen Abrahams in Kanaan und aus Kanaan heraus. Aber den Verheißungen, die ihren Vätern gemacht worden waren, lag ein noch tieferes Prinzip zugrunde, das mit diesen großen familiären Erwartungen eine Hoffnung verband, die noch älter, geheimnisvoller und wunderbarer war. Von Beginn der sündigen und traurigen Geschichte des Menschen an leuchtete die Offenbarung des Nachkommens des Frau wie ein Stern am verfinsterten Himmel, das sichere Unterpfand für die einstige Vernichtung der Schlange; und der Segen, der nicht nur für ihr eigenes Geschlecht, sondern für alle Familien der Erde in einem ihrer Geschlechter lag, konnte zwar schlummern, aber nicht vergessen werden, nein, nicht einmal am Tag der Drangsal. Und war nicht das Wort des Herrn zu dem ersten und größten ihrer Väter gekommen und hatte ihm gesagt, dass seine Nachkommen in einem Land, das nicht das ihre war, vierhundert Jahre lang in Knechtschaft und Bedrängnis leben würden, dass aber die Nation, die sie unterdrückte, Gegenstand des göttlichen Gerichts sein würde, worauf das auserwählte Volk mit großer Habe ausziehen würde? Sollte nicht die vierte Generation die Rückkehr nach Kanaan erleben?
Der Glaube stützt sich immer auf das Wort Gottes; und durch das, was er von alters her gesprochen hatte, ergänzt durch die sterbenden, aber inspirierten Worte Jakobs und Josephs, wirkte der Glaube in den Eltern Moses. Auch die außergewöhnliche Schönheit des Kindes war kein eitles Zeichen für das Herz der Mutter. Beide empfanden viel mehr als ihre eigenen natürlichen Zuneigungen der Elternliebe oder das Entsetzen, das der unbarmherzige Befehl hervorrief. Sie warteten auf den Erlöser des Volkes aus Ägypten; sie warteten auf den Erlöser von Satan, ohne zu wissen, wann. Könnte nicht gerade dieser Säugling der Führer aus Ägypten nach Kanaan in der vierten Generation sein? Sicher ist, dass sie an das Eingreifen Gottes für sein Volk und an das Gericht über seine Feinde glaubten und in ihrem Glauben handelten, indem sie ihr Kind drei Monate lang verbragen. Es war keine Kleinigkeit, den Kleinen trotz des Edikts des skrupellosen Monarchen so lange zu verstecken, und das offenbar in der Nähe seines Palastes. Als die Mutter ihren Sohn nicht mehr verstecken konnte, nahm sie für ihn ein Kästchen aus Schilfrohr, bestrich es mit Erzharz und Pech und legte es mit dem Kind in das Schilf am Ufer des Flusses, wie uns 2. Mose 2 berichtet. Wie Gott die Tochter des Pharao und die kleine Mirjam und die Mutter für die Pflege des Kindes benutzte, ist aus derselben Quelle bekannt. Stephanus konnte hinzufügen, dass er in aller Weisheit der Ägypter unterwiesen wurde und mächtig war in seinen Worten und Werken. Niemals gab es einen Fall, der durch die Vorsehung deutlicher wurde.
Aber der Glaube hat in Mose selbst gewirkt, und zwar in einer Weise, die für uns, die wir in einer Welt des Scheins und der Unwirklichkeit auf der Hut sein müssen, lehrreich ist. „Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharaos zu heißen“ (V. 24). Wenn die Vorsehung ihn in ihr Haus brachte, so führte ihn der Glaube wieder hinaus. Es lag sicher nicht an der mangelnden Fähigkeit, den Vorteil seiner Stellung zu schätzen. Wäre es wiederum nur darum gegangen, Israel durch Einflussnahme zu entlasten oder gar durch eine geschickte Ausnutzung der Umstände die friedliche Übersiedlung nach Kanaan zu erreichen, so hätte niemand eine bessere Gelegenheit gehabt oder besser geeignet sein können, das Ereignis auf diplomatischem oder anderem Weg zu vollenden. Aber das hätte dem Lob Moses gedient, nicht der Ehre Gottes, die der Glaube immer und zu Recht anstrebt. Deshalb wandte sich Mose von allen natürlichen und weltlichen Vorteilen ab, damit Gott für sein Volk und gegen seinen und ihren Feind handeln konnte.
Auch hier wird uns kurz, aber deutlich gezeigt, wie es war: „und wählte lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben“ (V. 25). Es ist ein unsterblicher Anspruch, bis das Reich Gottes kommt, und seit der Verwerfung Christi und der innigen gegenseitigen Beziehung der Glieder seines Leibes sogar noch dringlicher. Aber von Mose wird hier erklärt, dass er durch den Glauben in ihre Gesinnung eingetreten ist. Er erkannte, was das Volk Gottes für Gott ist, und die Verantwortung, die mit diesem Vorrecht verbunden ist, da er selbst einer von ihnen war. Sie waren auf dem niedrigsten Stand, erniedrigt, unterdrückt, gehasst, gefürchtet und verfolgt. Er war der Mensch, der dem Königtum am nächsten stand und der von seinem Geist, seinem Verhalten und seinen Möglichkeiten her in der Lage, alles zu genießen, was damals in der Welt und von der Welt war. Aber er betrachtete die Sorgen, die Schande und die Leiden Israels im Licht der Erwählung Gottes und der Absichten seiner Güte für eine Zeit der Macht und der Herrlichkeit; und er sah die Vergnügungen, den Stolz und den Prunk in demselben Licht, das Tod und Gericht auf alles schrieb, was Gott fremd und seinem Wesen, seinem Willen und seinem Plan feindlich war. Das ist der Glaube, und es war der Glaube Moses, und dadurch sah er die Tatsachen zur rechten Zeit deutlich. Denn als er zu seinen Brüdern hinausging und ihre Lasten sah, sah er einen Ägypter, der einen von ihnen schlug, und er schlug ihn, weil er annahm, dass seine Brüder verstanden, dass Gott ihnen durch seine Hand Befreiung schenken würde. Damit war er zu voreilig, denn fleischlicher Eifer vermischte sich mit seinem Glauben, und er und sie mussten es erst durch Erfahrung lernen, bevor die Befreiung kam. Der folgende Tag lehrte ihn eine ernste Lektion, als er zwei, die sich stritten, versöhnen wollte: Vergeblich appellierte er an sie als Brüder, während der, der seinem Nächsten Unrecht tat, Mose wie üblich als noch unerträglicher wegstieß! Und doch machte Gott den verstoßenen Friedensstifter zum Herrscher, Richter und Befreier.
Hier ist es jedoch der Glaube, der angezeigt wird, da er nicht nur die großartigsten Vereinigungen der Welt ablehnte, sondern, was noch schwieriger ist, da das Volk Gottes in seinem eigenen Geist und seiner Art so unwürdig war, sich dafür entschied, das Unglück mit ihnen zu teilen, anstatt sich vorübergehend an der Sünde zu erfreuen, wenn es nicht nur als Stellung vor einem Gericht ganz ungefragt und als Pflicht zur Dankbarkeit gegenüber einer Wohltäterin beschönigt würde, sondern auch mit kluger Rücksicht auf die Interessen seiner Brüder, sowie mit der Einrede der Vorsehung, die selten gehört wird, wenn man vor Gericht steht, und selten fehlt, wenn man Fleisch und Blut schmeichelt. Wann werden die Gläubigen lernen, dass Gott jetzt das Herz prüft und oft die stärksten Verlockungen zulässt, um nicht nur das Gewissen, sondern das durch den Glauben gereinigte Herz zu prüfen? „Wenn nun dein Auge einfältig ist“, sagte der Heiland, „so wird dein ganzer Leib licht sein“; und „niemand kann zwei Herren dienen“ (Mt 6,22.24). Wir müssen zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit suchen, indem wir (wie Mose) „die Schmach des Christus für größeren Reichtum ... als die Schätze Ägyptens“ halten (V. 26). Es ist die Rechnung des Glaubens, die das Ende gewiss macht und so den schmalen Weg angenehm und sicher macht. „Denn er schaute auf die Belohnung“.