Behandelter Abschnitt Heb 1,3-4 welcher, die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens seiend und alle Dinge durch das Wort seiner Macht tragend, nachdem er [durch sich selbst] die Reinigung von den Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe; indem er um so viel besser geworden ist als die Engel, als er einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat (1,3.4).
Der Apostel beweist wie in Römer 9 an die heidnischen Gläubigen, so hier an die jüdischen, dass das Christentum den Messias in einer Größe offenbart, die die Vorstellung der einen oder die Tradition der anderen weit übersteigt. Er ist Sohn wie kein anderer. Er ist der Erbe des Universums; und das ist kein Wunder. Denn wie Er die Welten erschaffen hat, so erhält Er alle Dinge durch das Wort seiner Macht. Ja, der Mann, den sie durch die Hand gesetzloser Menschen gekreuzigt haben, der in Schwachheit gekreuzigt wurde! In dem Augenblick, in dem Er sein Haupt hinlegte und starb, trug Er die gesamte Schöpfung. Es wäre absurd, dies zu denken oder zu sagen, wenn Er nur ein Mensch gewesen wäre; aber Er war Gott, und die Auflösung des Bandes zwischen dem äußeren und dem inneren Menschen berührte in keiner Weise seine allmächtige Kraft.
Jesus ist also nicht nur der messianische Erbe der Völker wie in Psalm 2. Er ist der Erbe aller Dinge, da Er alles geschaffen hat (vgl. Joh 1,3). Alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist, wird in Christus zusammengefasst werden: Das ist das Wohlgefallen Gottes, das Er in Ihm gewollt hat (Eph 1,9.10). Dementsprechend ist Er auf den höchsten Platz erhoben, das Unterpfand für alles, was folgen wird; denn jetzt sehen wir Ihm noch nicht alles unterworfen, sondern wir sehen Ihn gekrönt mit Herrlichkeit und Ehre. Und wir wissen aus einer anderen Stelle, warum Er noch nicht in das unermessliche und herrliche Erbe eintritt. Er wartet auf die Berufung aller Miterben, die Er mit dem Erbe ausstatten wird, wenn Er es selbst antritt; denn wenn Kinder, dann Erben, Erben Gottes und Miterben Christi. Das sind die wunderbaren Ratschlüsse Gottes durch seinen Sohn und zu seiner Ehre, sowohl für eine Weile vor der Welt als auch danach für immer.
Er, der zum Erben des Universums bestimmt ist und auch völlig berechtigt ist, der Schöpfer der Welten zu sein, wird in Vers 3 noch deutlicher beschrieben: Er ist die Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes und der Abdruck seines Wesens, und Er trägt alle Dinge durch das Wort seiner Macht. Er ist im höchsten Sinn (da es an sich keinen anderen geben kann) eine göttliche Person, nicht weniger als der Vater und der Heilige Geist. Aber Er ist in besonderer Weise der, der Gott kundgemacht hat, wie in der Macht und der Vorsehung, so auch in der Güte und in der Gnade sogar gegenüber den Verlorenen (vgl. 2Kor 4,4 und Kol 1,15). Und das kommt in den folgenden Worten besonders zum Ausdruck: „nachdem er [durch sich selbst] die Reinigung von den Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe“, wobei wir feststellen können, dass das Partizip, auch wenn die ältesten Unziale und die guten Versionen und so weiter das „durch sich selbst“ weglassen, die bemerkenswerte Bedeutung hat, dass Er es für sich selbst getan hat. Er nahm seinen Platz in der Höhe ein, nachdem Er sein Werk zur Reinigung von den Sünden vollendet hatte. Dazu war Er nach dem Willen Gottes gekommen, und Er geht erst dann in die Höhe, um diesen Platz der Herrlichkeit einzunehmen, nachdem Er selbst das Werk vollbracht hat, durch das die Gläubigen gesegnet werden sollten.
Es ist zu beachten, dass Christus hier als die Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes bezeichnet wird. In unserem Brief ist es nicht der Vater (wie bei Johannes), sondern Gott. Beides ist wahr und jedes hat seine eigene Bedeutung. Und es ist kaum nötig zu sagen, dass das Wort „Person“, das in der Authorized Version aus der Genfer Fassung übernommen wurde, ein Fehler ist. Es ist „Substanz“ oder das innere Wesen, wie bei Wiclif, Tyndale, Cranmer und dem Rhemish aus der Vulgata. Die Lehre ist natürlich eine Hypostase und drei Personen, wie allgemein bekannt ist: Beide Wahrheiten werden in Jesaja 6 im Vergleich zu Johannes 12 und Apostelgeschichte 28, wie auch in vielen anderen Schriften, deutlich gemacht.
Die Aufrechterhaltung des Universums durch Christus stellt seine göttliche Herrlichkeit auf eindrucksvolle Weise vor: „alle Dinge bestehen durch ihn“, wie der Apostel in Kolosser 1,17 bekräftigt. Sie wurden durch Ihn und für Ihn geschaffen, und sie bestehen durch Ihn. Dies ist umso bemerkenswerter, als Er sich aus tiefsten Gründen herabließ, wahrer Mensch zu werden. Denn die Menschwerdung bedeutet nicht, dass die Gottheit von der Menschheit überschwemmt wird, sondern dass diese in eine ewige Einheit mit sich selbst gebracht wird, wobei jede Natur in ihrer eigenen Vollkommenheit bleibt und nicht verwandelt wird, sondern zusammen die eine Person Christi bildet. Wie Er also alles ins Leben gerufen hat, so erhält Er auch das ganze Universum und wird es immer tun.
Es gibt noch ein anderes und tieferes Element seiner Herrlichkeit, nämlich dass Er in seiner eigenen Person die Reinigung von den Sünden bewirkt hat. Um zu erschaffen, bedurfte es nur seines Wortes; um zu erhalten, seines Willens; aber nicht so die Erlösung. Ein Befehl wäre in diesem Fall völlig unzureichend gewesen. Die Reinigung von den Sünden konnte nicht ohne Blutvergießen, ohne den Opfertod erfolgen, auf den das Alte Testament die Menschen von Anfang an vorbereitet hatte. Die irdischen Opfer konnten weder zur Ehre Gottes ausreichen, noch das Gewissen des Menschen reinigen, wie wir später ausführlich gelehrt werden. Aber sie waren von den Tagen Adams an ein wichtiges Zeugnis, auch wenn sie erst durch göttliche Eingebung unter Mose zu einem System von Vorbildern ausgearbeitet wurden, das sehr umfassend und lehrreich ist. Das von Christus war in der Tat „Ein Opfer von edlerem Namen, und reicherem Blut als sie.“
Christus allein gibt dem Opfer die volle Bedeutung und die wahre Würde, wie sie hier kurz dargestellt und mit der Herrlichkeit seiner Person verbunden wird. Sünde ist Rebellion gegen Gott; sie ist Gesetzlosigkeit. Daher ist Gott der, um den es immer geht, ob es sich nun um ein menschliches Unrecht handelt oder nicht. „Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt, und ich habe getan, was böse ist in deinen Augen“ (Ps 51,6); doch der, der so schrie, hatte sich sowohl des Blutes als auch der schlimmsten Verderbnis schuldig gemacht. Da Gottes Majestät und Charakter auf diese Weise in Frage gestellt werden, ist Er es, der es unternimmt, alles in seinem Sohn zu regeln. Aber hier konnte nichts anderes helfen als sein Tod, ja, der Tod am Kreuz, wo Gott selbst die Sünden auf den Kopf des makellosen Opfers legte (Jes 53), damit sie auf diese Weise getragen und fortgetragen werden konnten (3Mo 16). Anders kann es keine Vergebung der Sünden nach Gott geben. Es muss eine Reinigung von den Sünden geben, und es ist das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, das uns von aller Sünde reinigt (1Joh 1,7).
Kein Wunder, dass dieses größte Werk Gottes hier als Teil der göttlichen Herrlichkeit Christi behandelt wird. Er muss Mensch für die Menschen sein, er muss Gott sein, um für Gott zur Verfügung zu stehen. Er ist beides in einer Person. Und da die Rechtfertigung so vollkommen war, ist das Ergebnis für alle, die glauben, zuverlässig. Einmal dadurch gereinigt, haben die Anbeter kein Gewissen von Sünden mehr; und Er, der ein Opfer für die Sünden dargebracht hat, hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, in alle Ewigkeit, wie Hebräer 10,12 sagt, nicht nur für immer, sondern ununterbrochen durch die Wirksamkeit seines Opfers. Wie könnte es anders sein, wenn Gott im Sohn dieses Werk vollbracht hat? Und da dies im letzten Teil des Briefes ausführlich begründet und angewandt wird, haben wir hier die große Wahrheit, die zu Beginn klar ausgesprochen wird: eine Wahrheit, die „schwer zu verstehen“ ist, besonders für einen Juden, der an die Routine und Wiederholung des Opfers wie auch aller anderen levitischen Vorschriften gewöhnt war. Aber der Heilige Geist Gottes hält sie nicht zurück, sondern stellt sie in der Einleitung an die erste Stelle.
Es war kaum nötig zu sagen, dass Christus „durch sich selbst“ die Reinigung von den Sünden bewirkte. Denn Er allein hat für die Sünden gelitten – Er allein ist für uns geopfert worden. Der Vater hatte seinen Willen, indem Er Ihn zu diesem Zweck gab; und der Heilige Geist bezeugt die vollständige Wirksamkeit, wie Er zuvor in Vorbildern und Vorhersagen und Verheißungen dargelegt hat. Aber es war allein Christus, der für die Sünde litt, und das hat Er bis zum Äußersten getan. „Doch er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Und wir, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt; doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Ungerechtigkeiten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg; und der Herr hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit. … Doch dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen. Wenn seine Seele das Schuldopfer gestellt haben wird, so wird er Samen sehen, er wird seine Tage verlängern; und das Wohlgefallen des Herrn wird in seiner Hand gedeihen. … Darum werde ich ihm Anteil geben an den Vielen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen: dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist; er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan“ (Jes 53,4‒6.10.12).
Und dies ist die Grundlage dessen, was der Apostel an anderer Stelle die „Gerechtigkeit Gottes“ nennt, jene Gerechtigkeit, die nicht vom Menschen stammt, die das Gesetz suchte, die aber auch nicht in den Sündern gefunden wurde, sondern von Gott, der kraft des Sühnungsopfers Christi alle, die glauben, vollkommen segnen, und alle Menschen, so wie sie sind, frei anrufen und anflehen kann. Die Reinigung von den Sünden, die durch eine göttliche Person bewirkt wird, ist nicht begrenzt und kann nicht versagen; aber sie kann notwendigerweise an niemandem wirksam werden, der das Evangelium hört, es sei denn, dass er es glaubt: Gott würde in die Entehrung des Sohnes einwilligen, wenn er den Unglauben der Menschen auf die leichte Schulter nähme. Außerdem hat das im Glauben empfangene Wort eine sittlich reinigende Kraft, da alle Gläubigen aus Wasser und Geist geboren sind. Aber hier ist es das Werk, das nicht im Menschen, sondern vor Gott wirksam ist, das den Apostel beschäftigt; und das ist die Reinigung von den Sünden durch Christus, bevor er sich zur Rechten Gottes setzte.
Welch ein Zeugnis ist dieser sein Platz für die Vollkommenheit und Vollständigkeit des Werkes, das er vollbrachte! Als der Herr unsere Sünden auf Christus legte, wurde Er für uns zur Sünde gemacht und von Gott so behandelt, wie es erforderlich war. Denn was wussten die Menschen, ja sogar die Gläubigen, damals von dieser unendlichen Aufgabe? Gott kennzeichnete sie in der Tat durch eine Finsternis, für die es in der Natur keine Erklärung gibt, und Christus bekannte sie in seinem Schrei, der auf alle anderen außer Ihm selbst zutrifft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Ps 22,2). Dies war die notwendige Begleiterscheinung des Sündentragens: die absolute Verlassenheit durch Gott. Obwohl Er sein Gott war, wurde Christus zur Sünde gemacht, und das war keine Einbildung, sondern wirklich, wenn überhaupt etwas; kein Verschweigen der kleinsten Sünde, kein Weglassen der größten. Es war Christus, der das Gericht für die Sünde trug, der einzig gerechte Weg zur Reinigung von den Sünden. Und das Werk wurde in solcher Vollkommenheit ausgeführt und vollendet, dass der einzig angemessene Platz für den, der alles getragen hatte, zur Rechten der Majestät in der Höhe war. Der Thron Davids wird an einem anderen Tag eingenommen werden, wenn der Segen für die Erde über Israel anbricht. Und wenn der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle Engel mit ihm, dann wird Er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen, und vor Ihm werden alle Völker versammelt sein (Mt 25,31). Aber hier ist ein Platz, der unvergleichlich erhabener ist und in der Tat keinem anderen als einer göttlichen Person zusteht und möglich ist, und doch wird er auch als der Ort dargestellt, der für den geeignet ist, der gerade die Reinigung von den Sünden bewirkt hat. Hier hat Er gelitten und gewirkt; daraufhin hat Er sich niedergesetzt, das Werk vollendet und damit angenommen. Gibt es etwas Herrlicheres für den gedemütigten Messias? Was gibt es für den Gläubigen Segensreicheres in seiner Frucht? Als Opfer für Gott gab Er sich selbst für uns hin.