Nun ist es als der Gott Christi, der uns so segnet; nicht als Vater, sondern als Gott. In Vers 5 ist es als Vater, weil wir dort lesen: und uns zuvor bestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens (1,5).
Der Stil und der Charakter entsprechen eindeutig dem Charakter des Vaters. Hier fließt die besondere Beziehung zu Ihm mit ein. Er hat uns zur Sohnschaft zuvor bestimmt – nicht bloß auserwählt, sondern – zuvor bestimmt. Diese Sprache wurde in Vers 4 nicht verwendet. Er sagt nicht, dass Er uns dazu zuvor bestimmt hat, heilig und untadelig vor Ihm in Liebe zu sein. Er sagt auch nicht, dass Er uns nach dem Wohlgefallen seines Willens an diesen wunderbaren Platz berufen hat. Und der Grund dafür ist ganz offensichtlich. Wenn wir von dem Wohlgefallen seines Willens hören, haben wir eine Sprache, die zu souveräner besonderer Liebe passt – zu der, die Er an den Tag legt, um seine eigene Gunst zu offenbaren. Aber wenn wir von „heilig und untadelig“ hören, dann ist es Gott, der uns dazu auserwählt hat: Es konnte nicht anders sein. Wenn Gott irgendjemanden in seine Nähe bringen will, und zwar so nahe, dass er in seiner Gegenwart im Himmel ist, wenn er überhaupt in Christus auserwählt ist, dann muss er irgendwie heilig und tadellos vor Ihm in Liebe sein. Und alles ist Wirklichkeit durch seine Gnade.
Der eine Segen kommt aus dem notwendigen Charakter Gottes als Gott; der andere fließt aus der besonderen Beziehung, in die Er zu uns durch unseren Herrn Jesus tritt. Uns auszuerwählen ist ein notwendiger Teil, denn es ist offensichtlich, dass es niemanden außer Gott gab, der auserwählen konnte. Das geschah vor Grundlegung der Welt, als Gott allein war. Der Mensch hatte weder eine Stimme noch eine Wahl in dieser Angelegenheit. Es war allein Gott, der aus sich selbst heraus handelte. Es war eine Sache der eigenen Wahl Gottes, dass Er andere im Himmel haben wollte, außer Ihm selbst. Aber wenn sie in seiner Nähe und vor Ihm sein sollten, wie konnten sie dann Sünde auf sich haben? Unmöglich. Wie könnte Gott Menschen, sogar im entferntesten Teil seiner Herrschaft, dulden, die Sünde auf sich hätten? Und wie viel weniger könnte es im Himmel sein, dem Thron seiner Majestät. Es kommt der Tag, an dem alles Böse in den Feuersee verbannt werden wird. Wie könnte Er dann Sünde bei denen dulden, die in den engsten Kreis seiner Gegenwart gebracht werden sollten? Es war die positive Notwendigkeit seines Charakters und seiner Natur, dass, wenn Er irgendjemand bei sich im Himmel haben will, sie dort „heilig und tadellos“ vor Ihm sein müssen. Aber das ist bei weitem nicht alles: Es muss „in Liebe“ sein, denn nichts könnte elender sein, als dass sie nicht in seine eigenen Zuneigungen eintreten könnten. Nur an dem gesegnetsten Platz der Geschöpfe zu sein, ohne Makel, ohne etwas, das die Gegenwart Gottes besudeln könnte, wäre nicht genug. Der Mensch wurde geschaffen, um ein Herz zu haben, um Zuneigung zu haben; und es könnte keine Glückseligkeit in Geschöpfen geben, die wissen, was Zuneigung ist, wenn es nicht das gäbe, wohin die Zuneigung sich wenden könnte. Wenn Gott solche Wesen in seine Gegenwart gebracht hat, und zwar notwendigerweise ohne irgendeine Form von Sünde, muss es auch in Liebe sein. Er wird ihnen eine Natur geben, die nicht nur fähig ist, ohne Vorwurf und Furcht vor Ihm zu sein, sondern die auch seiner eigenen Liebe entspricht. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1Joh 4,19). In Christus allein wird diese Liebe erkannt; aber Johannes spricht so von Gott und Christus, dass es sehr schwierig ist, zu entscheiden, wer von beiden gemeint ist. Er verwendet „Ihn“ also nicht unterschiedslos, sondern wechselt von einem zum anderen. Dies ergibt sich aus ihrer Einheit: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30), was nur Johannes sagt.
Hier haben wir Gottes Auserwählung für uns persönlich. Denn es geht nicht nur um ein Volk, als ob es irgendeine vage Sache wäre, eine bestimmte Anzahl von Nischen im Himmel, die mit so vielen Personen aufgefüllt werden sollen. Eine solche Vorstellung gibt es in der Bibel nicht. Es sind Personen, die Er auserwählt. Es kann keine solche Liebe geben, ohne dass eine Person deutlich vor ihr steht. Und wenn es schon unter den Menschen wahr ist, dass die Liebe kein unbestimmtes Gefühl ist – was eher eine Einbildung ist –, so ist es erst recht bei Gott wahr. Er liebt uns individuell. Daher hat Er uns in Christus vor Grundlegung der Welt auserwählt, um zu zeigen, wie sehr es eine Wahl ist, die unabhängig von unserem Charakter und unseren Wegen ist. Und wenn das so ist, muss sie immer in einer Weise zu Gott zurückfließen, die Ihm entspricht. Und das tut sie auch. Wenn es diese Auserwählung Gottes in Christus vor Grundlegung der Welt gibt, wird Er Heilige in einer Weise vor sich haben, wie nur Gott es kann. Er wird niemals etwas haben, was seiner Liebe und Gegenwart unwürdig ist. Daher heißt es dann, „dass wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe“. Das ist nicht nur Heiligkeit oder Schuldlosigkeit oder Liebe – irgendeines oder alles zum Teil. Es bezieht sich also nicht auf das, was wir gewesen sind. Wenn wir einen Menschen genau betrachten, können wir schwerwiegende Fehler an ihm finden. Sogar ein Christ ist sehr weit davon entfernt, das zu sein, was Gott geziemt. Er schämt sich seiner selbst und trauert darüber, wie wenig sein Herz auf die Gunst reagiert, die Gott ihm erwiesen hat. Und würde dies seiner Gegenwart entsprechen? Wird Gott mit dem zufrieden sein, woran sogar ein Christ etwas auszusetzen hat? Unmöglich. Der Vers sieht hier nicht einfach den Menschen, sondern das, was Er aus uns in Christus, seinem Sohn, macht.
In einem Gläubigen gibt es nun das, was in der Tat sehr unheilig ist, im Gegensatz zu Gott und seinem geliebten Sohn: Stolz, Eitelkeit, Torheit, alle Arten von bösen Wegen und Gedanken, die niemals von Christus ausgehen und keinerlei Ähnlichkeit mit Ihm haben. Aber trotz alledem, sind sie nicht Heilige? Gott bewahre uns, dass wir denken, dass sie es nicht sind. Und gerade das ist der Grundgedanke Gottes. Er hat uns in Christus auserwählt, dass wir heilig und untadelig vor Ihm sein sollen in Liebe. Wie kann das sein? Die Antwort ist, weil Gott uns hier in dem ansieht, was Er uns in Christus gibt, und nichts weniger. Alles wird in diesem Vers ignoriert, außer der neuen Natur, die aus seiner Gnade zu seinen Auserwählten fließt. Er hat uns auserwählt, so zu sein, und Er wird uns so vollkommen bei sich haben und nichts anderes, wenn die Zeit kommt, dass wir in seiner Gegenwart sind. Aber auch jetzt ist es im Wesen der Sache wahr, insofern wir in Christus sind und sein Leben in uns haben. Kann ich irgendeinen Fehler an Christus finden? Wenn Christus tadellos ist in der Liebe, im Wesen Gottes selbst, so ist Er ja gerade das Leben jedes Christen, mag ein Mensch unter den Menschen heißen, wie er will.
Doch sogar das ist nicht alles. So gesegnet es auch ist, dem heiligen Charakter und Wesen Gottes zu entsprechen – und das ist es, was jeder Heilige in der Herrlichkeit sein wird, und was jeder Heilige als neue Schöpfung in Christus jetzt wirklich besitzt –, so ist das doch nicht genug. Wir mögen heilig und untadelig vor Ihm in Liebe sein, doch einfach als Diener. Seine Majestät, der König, mag sich mit Dienern umgeben, damit sie seinen Willen tun. Er mag den einen oder anderen in seine Gegenwart holen, und sie werden sich sehr geehrt fühlen, wenn sie so zu Dienern seines Wohlgefallens gemacht werden, obwohl natürlich keine familiäre Beziehung zwischen ihnen besteht. Aber nichts weniger als das wird in himmlischen Dingen ausreichen. Das ist das Wunder der Gnade Gottes. Sogleich im nächsten Vers haben wir die Tatsache, dass Gott nicht allein aus sich selbst heraus handelt, um uns an diesen wunderbaren Platz zu rufen – um die Entfaltung seiner eigenen moralischen Natur und seines Charakters zu sein. Gott ist heilig und untadelig, und Er ist Liebe in seinem eigenen Wesen. Das gehört jetzt zu unserem Leben und wird uns ganz und gar gehören, wenn wir bald durch die Kraft und Gnade unseres Herrn Jesus Christus in den Himmel gebracht werden. Wir werden aber nicht nur als Diener dort sein, sondern als Söhne – bewusst als Söhne; nicht einmal wie Engel als Diener seines Wohlgefallens, sondern als solche, die sich für alles interessieren, was Ihn interessiert. Wir werden nicht nur für Ihn empfinden, sondern mit Ihm. Wir werden ein gemeinsames Interesse mit Ihm haben – die gleiche Art von Empfindungen, wenn ich dieselbe Illustration verwenden darf, die Mitglieder der königlichen Familie mit der Krone haben.
Das ist es, was uns der Heilige Geist in Vers 5 vor Augen führt. Der Christ ist in Christus vor Gott gestellt und hat eine heilige und liebende Natur. Doch darüber hinaus wird eine positive Beziehung gebildet; und diese Beziehung, in die wir zu dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus gebracht werden, ist nichts Geringeres, als Söhne nach dem Vorbild des auferstandenen Sohnes Gottes zu sein. Als der ewige Sohn des Vaters könnte niemand einen solchen Platz bei Ihm einnehmen. Allein der Gedanke wäre für einen erneuerten Geist abstoßend. Doch Christus gefiel es, uns seine Brüder zu nennen, als Er von den Toten auferstand und nicht vorher. Und wir waren hier auf der Erde, dem Ort unserer Sünden, Diener Satans – so treten wir auch hier, wo wir durch den Glauben an Christus alles hinter uns lassen, was wir waren, in diese gesegnete und herrliche und innige Beziehung mit Gott ein. Er hat uns zur Sohnschaft zuvor bestimmt. Das Wort zuvor bestimmt ist ein spezielleres als „auserwählt“, das bedeutet, dass Gott uns aus der Welt auserwählt hat. Nur ein Ungläubiger könnte sich einbilden, dass einmal alle an einem solchen Ort sein sollten, oder dass Menschen, die ihr ganzes Leben lang in Lästerung gegen Gott gelebt haben, heilig und untadelig sein würden, wenn sie sterben. Gott hat eine Auswahl getroffen, und unsere Aufgabe ist es, Gott für seine große Liebe zu danken – nicht zu urteilen oder Fehler in seinen Wegen zu finden. „Wer bist du denn, o Mensch, der du das Wort nimmst gegen Gott?“ (Röm 9,20). Das ist die Antwort Gottes auf alle eitlen Gedanken und Überlegungen. Wenn Er aber entsprechend seinem Wesen und seiner Heiligkeit auserwählt hat, dann hat Er uns zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst zuvor bestimmt. So finden wir nun das besondere Vorrecht und die herrliche Beziehung von Söhnen vor Gott in seiner Gegenwart durch Jesus Christus. Er hätte es nicht tun müssen, aber es war „nach dem Wohlgefallen seines Willens“.