Behandelter Abschnitt Gal 4,21-25
Die Bedeutung ist, dass er mit ihnen so umgehen wollte, wie er fand, dass ihr Zustand es erforderte. Es könnte eine Wirkung erzielt werden, und er würde sanft zu ihnen sprechen; oder sie könnten leichtfertig, stolz und hart sein, und dann muss er streng handeln: Er würde seine Stimme ändern, wie er zu den Korinthern sagt: „Was wollt ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen oder in Liebe und im Geist der Sanftmut?“ (1Kor 4,21). Hier war der Apostel verwirrt, was sie betraf.
Sagt mir, ihr, die ihr unter Gesetz sein wollt, hört ihr das Gesetz nicht? Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd und einen von der Freien; aber der von der Magd war nach dem Fleisch geboren, der aber von der Freien durch Verheißung, was einen bildlichen Sinn hat; denn diese sind zwei Bündnisse: eins vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, welches Hagar ist. Denn Hagar ist der Berg Sinai in Arabien, entspricht aber dem jetzigen Jerusalem, denn sie ist mit ihren Kindern in Knechtschaft (4,21‒25).
Er verwendet das Wort „Gesetz“ in diesem Vers in zwei verschiedenen Bedeutungen. Ihr, die ihr unter dem Prinzip des Gesetzes sein wollt, hört ihr nicht, was die Bücher des Gesetzes sagen? Das heißt, die frühen Schriften der Bibel. „Gesetz“ wird manchmal im Blick auf das Wort Gottes im Allgemeinen gesagt, wie es damals offenbart wurde, wie in Psalm 19,8: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig und macht weise den Einfältigen.“ Wenn aber von dem gesprochen wird, unter dem der Christ nicht steht, ist es das Prinzip, dass das Gewissen unter bestimmte Verpflichtungen gestellt wird, um eine Stellung bei Gott zu erlangen. Das ist der Irrtum, den der Apostel Paulus hier aufdeckt.
Der eine Sohn ist von der Magd, der andere von der Freien. Da sehen wir den Zusammenhang zwischen Fleisch und Gesetz, Verheißung und Gnade. Der Geist hat mit der Verheißung zu tun, das Gesetz mit dem Fleisch. Dies veranschaulicht er anhand des ersten Buches Mose.
Der Heilige Geist hat sich besondere Mühe gegeben, Tatsachen im Alten Testament festzuhalten, die wir nie für anwendbar gehalten hätten, um gesegnete Wahrheiten im Neuen Testament darzulegen. Wer hätte den Unterschied zwischen Gesetz und Verheißung in Hagar und Ismael, die mit Sara und Isaak streiten, erkennen können? Der Geist Gottes sah es nicht nur, sondern beabsichtigte, dass die Aufzeichnung der Umstände die schöne Vorahnung der beiden Bündnisse sein sollte; des Gesetzes, das nur ein Sohn des Fleisches hat, und des Bundes der Verheißung, der im Gegensatz dazu zu gegebener Zeit den Sohn des Geistes hervorbringt. Der Apostel überlässt uns nicht unserer eigenen Vorstellungskraft. Er zeigt, dass Hagar dem heutigen Jerusalem entspricht – der Stadt der Schriftgelehrten und Pharisäer, dem armen, stolzen, elenden Jerusalem, das keine Freiheit gegenüber Gott hatte und unter der römischen Knechtschaft und der noch bittereren Sklaverei der Sünde seufzte. Der Apostel wendet dies auf das an, was damals unter den Galatern vor sich ging. Sie sollen sich davor hüten, quasi die Söhne Hagars zu werden. Hatten sie nicht den Ruf, eifrig für das Gesetz zu sein? Und doch verstanden sie seine Stimme nicht: „die Gesetzeslehrer sein wollen und nicht verstehen, weder was sie sagen noch was sie fest behaupten“ (1Tim 1,7). Sie wollten Lehrer des Gesetzes sein und verstanden nicht, was sie sagten und wovon sie redeten. Das Gesetz war durch und durch gegen sie. Es zeigte deutlich, dass Gott die Verheißung nicht an die bloßen Nachkommen des Buchstabens, sondern an die Sohnes des Geistes knüpfte.