„Glückselig die Armen im Geist; denn ihrer ist das Reich der Himmel“ (V. 3). Wenn Er vom Reich der Himmel spricht, sagt Er sogleich, dass dies die Menschen sind, denen es gehört. Mit dem „Reich der Himmel“ meint Er nicht den Himmel. Er meint nie den Himmel, sondern bezeichnet damit immer die Erde, wie sie unter der Herrschaft des Himmels steht. Wir werden feststellen, dass viele Menschen die Gewohnheit haben, diese Dinge zu verwechseln. „Deren ist das Reich der Himmel“, denken sie, bedeutet:„denn ihrer ist der Himmel“. Der Herr bezieht sich jedoch nicht auf den Himmel, sondern auf die Herrschaft des Himmels über die Erde. Er bezieht sich auf die Zeit, wenn der Messias herrscht. Die Armen im Geist gehören zu diesem System, dessen Haupt Er ist. Er ist hier nicht das Haupt der Versammlung. Es könnte das Reich der Himmel und überhaupt keine Versammlung gegeben haben. Erst in Kapitel 16 dieses Evangeliums wird das Thema der Versammlung angeschnitten, und dann ist es eine Sache, die verheißen und ausdrücklich vom Reich der Himmel unterschieden wird. Es gibt in der ganzen Schrift keine einzige Stelle, wo das Reich der Himmel mit der Versammlung verwechselt wird, oder umgekehrt. „Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ Dies ist die primäre Grundlage, das umfassende Merkmal aller, die zu Jesus gehören.
Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden (5,4).
Das ist das zweite Merkmal. Hier finden wir mehr Lebensaktivität, mehr Gefühlstiefe, mehr Zutritt zum Zustand der Dinge um sich herum. „Arm im Geist“ zu sein, wäre wahr, wenn es keinen einzigen anderen Menschen auf der Welt gäbe. Dabei geht es um das, was jemand in sich selbst ist. Es geht um eine Frage zwischen ihm und Gott, die ihn arm im Geist sein lässt. Aber „Glückselig die Trauernden“ ist nicht bloß das, was wir bei uns selbst vorfinden, sondern hier geht es um den Kummer, den ein Heiliger schmeckt, wenn er sich in einer solchen Welt wie dieser wiederfindet, die so wenig fähig ist, die Herrlichkeit Gottes zu begreifen! Es gibt also diese heilige Trauer im zweiten Teil. Das ist das erste, was das Kind Gottes als die frühesten Gefühle der Heiligkeit erlebt. Zweitens erfährt es das Empfinden, was Gott gebührt – ein Empfinden, das sehr schwach sein mag, doch es versteht, was zur Ehre Gottes ist und wie wenig es das selbst oder andere beachten.
Es gibt keinen einzigen Seufzer, der zu Gott emporsteigt, den Er nicht schätzt und erhören wird: „... auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben, seufzen in uns selbst“ (Röm 8,23). Hier haben wir also das Seufzen oder die Trauer des gottesfürchtigen Kindes Gottes.
Aber im dritten Fall kommen wir zu dem, was viel tiefer und gedämpfter ist. Es ist ein Seelenzustand, der durch eine völligere Gemeinschaft mit Gott hervorgerufen wird, und es ist besonders die Art und Weise, in der Gott woanders den Glückseligen selbst beschreibt. Er war „sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29). Das war es, was der Herr sagte, nachdem Er im Geist geseufzt hatte, denn Er wusste, was es heißt, einen tieferen Kummer zu haben als den, von dem wir gesprochen haben, über den Zustand der Menschen und die Verwerfung Gottes, die Er hier auf der Erde erlebte. Er konnte nur „Wehe“ zu den Städten sagen, in denen Er so viele mächtige Werke getan hatte. Doch dann spricht Er über Kapernaum ein viel größeres Gericht aus, weil die mächtigsten aller Werke dort vergeblich getan wurden. Und was konnte Jesus anderes tun, als im Geist zu seufzen, als Er an eine solch völlige Schmähung Gottes und die Gleichgültigkeit gegenüber seiner eigenen Liebe dachte?