Behandelter Abschnitt Off 2,12-17
Pergamus (Kap. 2, 12-17)
Pergamus heißt Hochburg. Hier sehen wir das absolute Gegenteil von Smyrna, das durch Gottes weise Erziehung viele Leiden, Armut, Verkennung und Lästerung von seiten unwahrer Juden (Religionsvertretern) zu erdulden hatte, aber auf diese Weise vor Einzug der Welt in die Gemeinde bewahrt blieb. Smyrna war geistlich genug gesinnt, um hinter all den Machenschaften die treibende Kraft Satans zu erkennen. Bei Pergamus war es anders. Diese Gemeinde genoss die Gunst der Welt und hatte folglich von dieser Seite her nichts Schmerzhaftes zu erdulden. Auch Pergamus hatte es (wie Smyrna) mit gewissen religiösen Leuten zu tun, aber anstatt Satan hinter den Kulissen zu erkennen, duldete die Gemeinde solche Elemente in ihrer Mitte, die an ihren verwerflichen Lehren und Grundsätzen festhielten.
Die richterliche Gestalt des Herrn. Hier sehen wir
den Absender des Schreibens mit dem zweischneidigen Schwert, ähnlich wie
in Kap. 1, 16 und 19, 15. Pergamus richtete sich nicht selbst (
Der Thron Satans (Vers 13). Wo ist Satans Thron? Milton sagt, in der Hölle. Nun, das stimmt gewiss nicht. In der Hölle wird Satan erst nach dem Tausendjährigen Reich sein (Off 20,1-10), und dort wird er keinen Thron haben, vielmehr der Entwürdigste sein. Aber wo hat er denn heute seinen Thron, von wo aus regiert er? Einst, als erhabener Engel, genügte es ihm nicht mehr, u m den Thron Gottes zu sein, er nahm sich vor, einen Thron für sich ü b e r dem Throne Gottes zu errichten. Es gelang ihm nicht. Sein geplanter, ersehnter Thron wurde durch einen gewaltigen Sturz gleichsam zum bescheidenen Stuhl auf Erden, von wo aus er seither Gott die Faust ins Gesicht macht. Unablässig verwüstet er, was Gott gut und herrlich gemacht hat. Auch dem nach Gottes Ebenbild geschaffenen Menschen entriss er die ihm von Gott anvertraute Herrschaft über die Erde. Nun wähnte er sich Sieger und Alleinherrscher. Als aber die Zeit nach Gottes Ratschluss erfüllet war, sandte Gott Seinen Sohn zu unserer Erlösung (Gal 4,4). Der Sohn Gottes entriss Satan die Beute. Zwar ist er der Fürst dieser Erde genannt, aber König ist ein anderer (Ps 96,10). Der alte Gott behält den Thron (Ps 45,6). Satan hat wohl eine von Gott zugelassene, zeitlich beschränkte Machtperiode auf dieser Erde, ist jedoch im Prinzip schon längst besiegt auf Golgatha. Hier könnte man einen Vergleich ziehen zwischen Saul und David. David war längst der Gesalbte, während Saul immer noch die Herrschaft führte, ja, den Gesalbten Gottes sogar verfolgte; aber der Tag kam, da Saul gerichtet wurde und David den Thron bestieg. Desgleichen wird der wahre David, Jesus, der Herr, in Bälde die heute arg zerrüttete Herrschaft übernehmen (Lk 1,32).
Antipas. «Mein treuer Zeuge, sagt der Herr. Unter seiner zuverlässigen Führung steht eine kleine Überwinderschar, die inmitten größter Verwirrung und Lebensgefahr am Namen des Herrn festhält. Sie verleugnet den Glauben nicht! Antipas hatte buchstäblich die Bedeutung seines Namens «alle gegen einen erfahren, aber vom Zeugnis des Glaubens ließ er nicht ab. Unumwunden vertrat er die Sache des Herrn und zeugte gegen alle, die da wohnten, wo Satan wohnte und das Regiment führte. Er fürchtete die Wut des Feindes ebenso wenig wie Mose die des Pharao, der ein ausgesprochener Diener Satans war (Heb 11,12). Gott sei Dank gibt es auch in unsern Tagen noch Gläubige mit dem kompromisslosen Geist des Antipas, die ihr Leben nicht teuer erachten für sich selbst noch die Ehre oder gar ihr Brot bei den Menschen suchen.
Der Irrtum Bileams. Nicht allein Weltförmigkeit, sondern auch Irrlehren waren in Pergamus daheim. In 4. Mose 22-25 haben wir die Geschichte des Bileam, jenes gedungenen Propheten. Bileam gab Balak, dem Moabiterkönig, den Rat, das Volk Israel zu seinen Götzenfesten einzuladen, um Israel auf diese Weise zu gewinnen. Solche Verbindungen hatte Gott Seinem Volke aber strengstens verboten, und mit erhobenem Finger warnt uns' Gottes Wort (1Joh 5,21). Gottes Volk soll ein von der Welt abgesondertes Volk sein. Freundschaft mit der Welt nennt die Bibel «Ehebruch» (Jak 4,4). In Pergamus verband man sich mit der Welt, machte sich ihrer Sünden teilhaftig und war Gott ein Gräuel. Nicht umsonst forderte der Herr Pergamus zur Buße auf (Vers 16).
Die Lehre der Nikolaiten. Schon in der Gemeinde zu Ephesus begegneten wir den Nikolaiten, d. h. den Volksbeherrschern (Vers 6). Dort wurden ihre W e r k e hervorgehoben, hier aber geht es um ihre grundsätzlich falsche L e h r e . Ephesus hasste ihre Werke; Pergamus aber duldete Lehrer und Lehre. Die Nikolaiten waren jene Leute, die den Unterschied zwischen Geistlichen und Laien predigten und den sogenannten Geistlichenstand einführten, den Gott hasst (Vers 6). Wohl sind Unterschiede von Gaben, aber es ist ein Herr (Mt 23,10). Hohe geistliche Würdenämter, ja, das Papsttum selbst waren das schließliche Resultat des Aufgebens des allgemeinen Priestertums. Wissenschaftlich gebildete Theologen, die den Heiligen Geist nicht haben, gelten nach der Schrift nicht als Diener am Worte Gottes.
Das göttliche Ultimatum (Vers 16). «Tue nun Buße; wenn aber nicht, so komme ich dir bald und werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwerte meines Mundes.» Diese Kampfansage gilt allen, die sich der Welt, d. h. dem bloßen Scheinchristentum zugewandt haben. Wer der Bitte «Buße zu tun» nicht Folge leistet, fällt dem lebendigen, gerechten Gott in die Hände zum Gericht.
Große Verheißungen. Auch in Pergamus rechnete der Herr mit Überwindern; mit solchen, die am ungefälschten Wort des Herrn festhielten. Ihnen und allen, die Buße taten und umkehrten, wurde als Belohnung zuteil:
Das verborgene Manna. Das Manna war Israels Speise während der Wüstenwanderung, und zum Andenken an Gottes Wundertaten wurde etwas Manna im Allerheiligsten, im goldenen Krug verborgen, für Israels Nachkommen aufbewahrt. Unser Manna ist Christus. Er ist das Brot des Lebens (Joh 6,35.51). Selbst wenn wir hier unten, geistlich gesprochen, durch eine Wüste wandern, so sättigen und erfreuen wir uns dennoch am wahren Manna; denn unser Leben ist verborgen mit Christus in Gott (Kol 3,3). Der religiöse Weltmensch weiß nichts von diesem geborgenen Verborgensein. Christus ist ihm eine unbekannte Speise und mundet ihm nicht.
Der weiße Stein. Erträgt das Gepräge eines besonderen Geheimnisses und ist das Sinnbild großer Anerkennung, Auszeichnung und Ehrung. Er ist gleichsam das sichtbare Zeichen eines Geheimbundes zwischen dem Herrn und dem Träger desselben.
Der neue Name. Zu wiederholten Malen hat Gott den Seinen neue Namen gegeben. Wir erinnern nur an Abraham, Sara, Jakob und Petrus. Und gleich wie der Vater dem Sohne einen Namen gegeben hat, der über alle Namen ist (Phil 2,9), so gibt der Herr auch hier Seinen Getreuen einen Ehrennamen zum Lohne. Wahrlich, es lohnt sich, als Abgesonderter und Verachteter durch diese Welt zu gehen, wenn wir nach dem Vorbild des Mose den Ausgang unserer Pilgerschaft im Auge behalten (Heb 11,26). Darum lasst uns fröhlich den Namen des Herrn bekennen. Verleugnen bringt nur Tränen ein wie bei Petrus (Lk 22,62) und bedeutet eine große Lohneinbuße. (Mt 10,32).