Behandelter Abschnitt Off 2,8-11
Smyrna (Kap. 2, 8-11)
Das zweite Sendschreiben ist an den Engel (Diener) der Gemeinde zu Smyrna geschrieben. Smyrna heißt: Myrrhe, Bitterkeit. Myrrhe war ein köstlicher Balsam, doch, um den lieblichen Wohlgeruch zu erhalten, musste die Myrrhe erst zermalmt werden. Wie vielsagend ist diese Bedeutung im Hinblick auf das Schreiben an die Leidensgemeinde zu Smyrna. Und was jener Gemeinde angetan wurde, ist heute vielfach die Erfahrung einzelner Gotteskinder. Wie nötig sind oft Leiden! Ephesus hatte die erste Liebe verlassen, und um uns davor zu bewahren, lässt Gott Leiden zu. Smyrna lernte das wahre Gesicht der Welt durch grausame Verfolgungen kennen, aber die durchgemachten Leiden hatten eine so tiefgehende Wirkung, dass der Herr an Smyrna nichts zu rügen hatte. Der liebliche Duft der Gemeinde zu Smyrna wurde also buchstäblich durch Zermalmen hervorgerufen. Wenn nun Leiden eine so köstliche Frucht bewirken, wollen wir dann noch weiter über Leiden klagen?
Der Herr vor Smyrna. Hier offenbart Er sich in einer andern Gestalt als vor Ephesus. Vor Smyrna nennt Er sich:
Der Erste, durch den und für den alles Bestehende ist.
Der Letzte, der unveränderlich derselbe bleibt. Der Tote, der aber den Tod verschlungen hat in Sieg.
Der Lebendige, auferweckt von den Toten und zur Herrlichkeit erhoben. Mit diesen Worten will der Herr der geprüften Gemeinde sagen, dass Er als der Erste und Letzte, der Tote und Lebendige durch noch viel tiefere Leidenswege ging und deshalb voll innigen Mitgefühls ist. Durch Leiden ist der Sohn vollendet worden (Heb 2,10). Bei Smyrna lernen wir, dass Gott Seine Kinder durch Trübsale dahin bringt, dass sie ohne Tadel erfunden werden. Und wie Er als der Lebendige zur Herrlichkeit erhoben wurde (l. Petr. 1, 21), so werden auch die Seinen nach kurzem Leiden vollkommen gemacht durch Jesus Christus, Seine Herrlichkeit teilen (1Pet 5,10). Welch ein Trost für alle Leidenden.
Der beste Tröster (Vers 9). «Ich kenne deine Drangsal.» Es gibt kein Leid, keinen Schmerz, keine Not, um die Er nicht wüsste. Er hat das alles durchgekostet (Heb». 5, 7). Er sieht auch unsre Tränen (2Tim 1,4; Joh 11,35), wischt sie ab und tröstet uns (2Kor 1,3). Gläubige sind auf Leiden und Verfolgungen gefasst (2Tim 3,12). Der Herr machte Seine Nachfolger noch immer gleich von Anfang an darauf aufmerksam (Mt 10,35-39).
Die Drangsale in Smyrna beweisen, dass jene Gläubigen in der Furcht des Herrn wandelten und gottselig lebten. Der Herr bezweckt, wenn Er Trübsale zulässt, nichts anderes als Läuterung der Seinen (Heb 12,6). Durch Leiden will Er Sein Ebenbild in uns gestalten und uns tadellos vor den Vater stellen (Eph 5,27). Vergessen wir aber nie, dass der Herr im Feuerofen und im Löwengraben bei den Seinen ist und Wache hält.
Göttlicher Reichtum. Der Herr kannte beides: die Drangsale und die Armut, die, wie einst bei den Hebräern, durch die argen Verfolgungen verursacht worden waren (Heb 10,34). Der Herr, ehemals selbst der Ärmste auf Erden, sagt zu Smyrna: «Du bist aber reich» (Mt 8,20). Die Reichtümer des Volkes Gottes sind allerdings anderer Art als die der Welt. Gläubige sind:
Reich in Gott (Lk 12,21).
Reich im Glauben (Jak 2,5).
Reich in guten Werken (1Tim 6,18).
Reich an kommender Herrlichkeit (Eph 3,16) und haben dereinst reichlichen Eingang in das ewige Reich (2Pet 1,11).
Die Synagoge Satans. Zu den harten Verfolgungen von seiten des heidnischen Rom gesellen sich noch diejenigen, verursacht durch die Juden. Da war neben der Gemeinde Gottes noch eine ,jüdische Synagoge, eine Schule Satans, sagt der Herr. Namenjuden gleich den heutigen Namenchristen ‑, faule, gottferne, blindwütige Eiferer leerer, toter Formen, die sich auf Kosten der verfolgten Gläubigen bei ihren Gleichgesinnten in Gunst zu setzen trachten. Der Gläubige klammert sich aber an Gottes Zusage (Ps 94,22-23) und wird nicht zuschanden.
Ein harter Ausblick. In Vers 9 redet der Herr von gegenwärtiger Trübsal und in Vers 10 von noch k ü n f t i g e n Drangsalen, fügt jedoch anschließend hinzu, dass dieselben auf 10 Tage befristet sein werden (Gewisse Ausleger wollen hierin zehn verschiedene Verfolgungen von den Tagen Neros bis ums Jahr 310 n. Ch. sehen, doch dies erscheint uns sehr gesucht.). Ferner weist der Herr auf Satan als auf den Urheber der Leiden hin (Vers 10). Er war es schon bei Hiob (Hiob 2,3) und seither wählte er sich seine bereitwilligen Handlanger unter Kaisern, Königen und Statthaltern, vor allem aber war die Weltkirche mit ihren einflussreichen Oberhäuptern seine ergebene Dienerin. Mitten in die Leiden hinein spricht nun der Herr Sein schlichtes, zuverlässiges Trostwort: «Fürchte dich nicht!» Im Blick auf des Herrn Ausharren in allen Leiden wird jeder, der um Seiner Sache willen verfolgt wird, ermuntert (Heb 12,2).
Ein wichtiger Befehl. «Sei getreu bis in den Tod.» Will dies nicht heißen: Jesus bekennen bis ans Ende, wie die vielen, die ihre Glaubenstreue mit dem Tode besiegelt und den Herrn nicht verleugnet haben! Wollte der Herr hier nicht auch zugleich sagen: schaue nicht auf deine Armut noch auf die Verfolgung; richte den Blick vielmehr auf die Belohnung, auf die herrliche Krone, die für dich bereit ist!
Ein reicher Trost. Zweierlei verheißt der Herr den Überwindern:
Die Krone des Lebens. Noch sind die Treuen die Geschmähten, bald aber die Gekrönten. Ihr gekröntes Haupt stempelt sie durch alle Ewigkeiten hindurch zu Siegeshelden, und sie werden als Überwinder Satans geehrt.
Befreiung vom zweiten Tode. Die Schrift redet von einem dreifachen Tode. Vom leiblichen Tode, den wir täglich sehen. Vom geistlichen Tode (Eph 2,1; Röm 8,6) und vom zweiten Tode, dem Feuersee (Off 20,6.10.14.15 und 21,8). Letzterer ist für die Überwinder bedeutungslos, da er für sie nicht in Frage kommt.