Seid um nichts besorgt! (Phil 4,6)
Das ist ein schönes Wort! Bibelworte, gerade wie diese, wollen mit
großer Vorsicht behandelt werden, sei es, dass es sich um ihre Auslegung
oder um ihre Anwendung handelt. Vor allem will der Apostel nicht sagen,
dass man um gar keine Dinge besorgt sein müsse und dürfe; denn er selbst
war täglich mit der Sorge um alle Gemeinden beschäftigt (
Sorgen erübrigen sich vollständig mit der Begründung: „Der Herr ist nahe“. Wer an Seine Gegenwart glaubt, sorgt bestimmt nicht. Dazu sagt Paulus: „In allen Dingen“ . also kleine oder große, eigene oder fremde Not sollen wir mit Danksagung vor Gott bringen.
I. Wer hat dieses wichtige Wort ausgesprochen?
Der Apostel Paulus. Also einer, der wirklich viel Ursache gehabt hätte, besorgt zu sein, da er der Gefangene Neros war. Paulus wusste jedoch genau, dass ihm der Herr selbst sein Los bestimmt hatte. Der, der von Not und Bedrängnis umgeben war, sagt: „Sorget nicht“. Aber nicht nur Paulus, auch andere haben gegen das Sorgen geredet (1Pet 5,7).
1. Der Vater. Der Herr sagt in Mt 6,8: „Euer Vater weiß, was ihr bedürfet“. Gott wird der Erhalter aller Menschen genannt. Sollte Er, der sich unser Vater nennt, Seine Kinder vernachlässigen? Was Er zusagt, das hält Er gewiss. Wie treulich Er sorgt, bezeugt Seine Versorgung des undankbaren Volkes Israel in der Wüste.
2. Der Sohn. Denken wir an des Herrn Wort in Mt 6,25-34. In jener Stelle braucht der Herr drei Beispiele gegen das Sorgen. Zuerst sagt Er: „Seht die Vögel an“. Sie säen nicht, sie haben keine Speicher, wo sie ihre Nahrung holen könnten, sie denken gar nicht an den kommenden Tag; der Vater nährt sie, das ist genug. Im zweiten Beispiel weist Er auf die Lilien hin. Nahrung und Kleidung sind meistens die Hauptsorgen der Menschen. Sollte Gott, der die Lilien so schön kleidet, nicht auch der Menschen gedenken? Wenn Er sogar schon für das himmlische Kleid gesorgt hat, sollte er dann nicht auch für das irdische sorgen? Und im dritten Beispiel redet der Herr von der Kindschaft der Gläubigen, sowie von ihrem Vater, der in den Himmeln ist (Mt 5,45). Er will damit sagen: denkt doch, wie ihr es mit euren Kindern habt; sorgt ihr nicht für sie? Wie viel mehr wird es der Vater im Himmel tun!
3. Der Heilige Geist. In fünf verschiedenen Stellen kommt der Ausdruck vor: „Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen“. Die Schrift ist durch den Heiligen Geist geschrieben und Er erinnert uns daran, dass Gott um uns besorgt ist. Gläubige können also für ihre irdischen Bedürfnisse völlig unbesorgt sein. Der Herr selbst sorgt für die Seinen. Allerdings möchten wir, wie jener große Staatsmann, sagen: „Einem Faulen hilft Gott nie“.
II. Was besagt dieses Wort?
Geradezu Köstliches! Wir sollen völlig unbesorgt sein in allen Lagen. Der, der den Ozean gemacht hat, schuf auch den Tautropfen. Also das Größte wie das Kleinste dürfen wir Seiner Fürsorge überlassen. Der Apostel sagt, dass wir in allen Dingen, seien es innere Nöte oder leibliche Bedürfnisse, zum Herrn kommen dürfen. Wir verunehren den Herrn, wenn wir sorgen. Martha betrübte Ihn, als sie so geschäftig war und besorgt, wie sie auch mit der vielen Arbeit allein fertig werde. - Wir sehen also, dass der Herr in jeder Beziehung um uns bekümmert ist. Maria hingegen war nicht ängstlich bekümmert, sie brachte ihr Anliegen vor den Herrn und hatte das gute Teil erwählt. Das kindliche Gebet, mit dem wir uns im nächsten Abschnitt beschäftigen wollen, ist das einzige Heilmittel für unser Sorgen. Alles Sorgen ist absolut nutzlos. Der Mensch von heute kann sehr viel, aber noch lange nicht alles. Zwar kann er beispielsweise ins Mikrophon sprechen, und in der Folge wird seine Stimme vermittelst eines Senders in der ganzen Welt gehört, aber er kann durch Sorgen seiner Länge nicht eine Handbreit hinzufügen, Weil wir letzten Endes doch nichts können, lassen wir kein „Sorgenfieber“ aufkommen, sondern wir vertrauen kindlich dem Herrn.
III. Was meint die Schrift mit dieser Ermahnung nicht?
Verbietet die Schrift etwa weise Fürsorge? Niemals! Im Gegenteil! Wir bestellen unsere Felder fleißig, legen Wintervorräte an usw., aber die beste Tugend kann zur größten Untugend werden. Vorsorge kann zur Ängstlichkeit, zur Übertreibung, ja selbst zum schändlichen Geiz führen. Doch keineswegs dürfen wir die Pflichten versäumen. Die Dinge, um die Wir in der Regel besorgt sind, das sind diejenigen, die von Motten und Rost gefressen werden. Darum wollen wir nicht um mehr besorgt sein als wir brauchen. Wesley hat einmal gesagt, er wisse nicht, was schlimmer sei, zu fluchen und schwören oder zu sorgen, weil letzteres die Liebe und die Fürsorge Gottes in Zweifel stellt. Sorgen wir also nicht; denn der Herr hat uns ein freimütiges Hinzutreten zum Gnadenthron geschenkt (Heb 10,19).
IV. Eine Sorge, die der Herr gebietet.
Diese müssen wir doch noch kurz streifen. „Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes.“ Oder wie Paulus schreibt: „Sucht was droben ist!“ Es ist, als wolle der Herr sagen: Verzehre doch deine Kräfte im Sammeln von himmlischen Schätzen. Lass das Reich Gottes und die Verkündigung des Evangeliums deine Hauptsorge sein. Wenn wir uns dieser Gottwohlgefälligen Besorgnis hingeben, machen wir die köstliche Erfahrung, dass uns alles andere zufällt.