Eure Lindigkeit lasset kund werden (Phil 4,5)
Je größer beim Gläubigen die Freude am Herrn ist, desto mehr wird die Umgebung das erfahren. Es ist so, wie schon David gesungen hat: "Viele werden es sehen". (Ps 40,3). Beim Psalmisten hat es nie an der Lindigkeit gefehlt, er ließ sie Freund und Feind erfahren.
I. Ein beachtenswertes Gebot. „Eure Lindigkeit lasset kund werden.“ Es genügt nicht nur, dass wir uns des Herrn, Seiner Vergebung und Seines Friedens freuen, sondern die Früchte dieser reichen Segnungen sollen sich auch auf andere übertragen. Beachten wir einiges, was die Schrift darüber sagt.
Gläubige sind nicht allein gerettet, um selig zu werden, sie sind
auch geschaffen zu guten Werken. Untätig zu sein als Christ, hieße eine
göttliche Bestimmung auf Erden versäumen (Eph 2,10). Denken wir an den
Herrn selbst; wie reich war doch Sein Leben an guten Werken (
Der Endzweck des Ganzen ist die Verherrlichung des Herrn (Mt 5,16; Joh 15,8; 1Pet 2,12). Wie wurde z. B. der Herr durch die guten Werke der Dorkas verherrlicht. Wahrlich, sie hatte ihre Lindigkeit vielen kund werden lassen und so wurde sie sehr vermisst, als sie plötzlich heimging (Apg 9,36). Ihre guten Werke und die darauffolgende Auferstehung aus den Toten wurden in weiter Umgebung bekannt, und viele wurden dadurch veranlasst, den Herrn zu suchen.
II. An wem sollen wir das Gebot der Lindigkeit erfüllen?
An allen Menschen! Doch wer ist damit gemeint? In erster Linie die Glaubensgenossen (Gal 6,10). Paulus befiehlt, dass wir zu allermeist den Glaubensgenossen Gutes tun sollen. Das ist vor allem andern das Missionswerk; denn wir sollen derer gedenken, die für den Namen des Herrn ausgegangen sind, um Seinen Namen zu predigen. Wir sind verpflichtet, ihnen zu dienen (3Joh 8). Gläubige, die das nicht regelmäßig tun, versäumen viel, ja, sie laden sogar Schuld auf sich. Unsre Geschwister, die da und dort in der Mission stehen, dienen an unsrer Stelle. Wir alle sollen Gottes Zeugen sein, wir können aber nicht alle in ferne Länder gehen, so sind wir schuldig, der Botschafter Christi zu gedenken. Da sind ferner viele Bedürftige unter den Gläubigen, und welch eine Wohltat ist es, ihnen unsere Lindigkeit zu erzeigen. Sagt nicht der Herr: „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist, durstig und ihr habt mich getränkt, krank und ihr habt mich besucht“, und meint dabei Seine geringsten Brüder (Mt 25,35 ff.). Versäumen wir auch nicht, unsere Lindigkeit andersdenkenden Gläubigen kund werden zu lassen. Das fördert die Gemeinschaft untereinander.
Die Menschen im allgemeinen. Gemeint sind also nicht nur die, die uns lieben und uns im Glauben nahe stehen. Denken wir an das schöne Beispiel vom barmherzigen Samariter, der einem verletzten Juden diente, der ihn nichts anging. Der Herr hat Sein Blut für alle vergossen und hat alle gleich lieb, und Gott wird der Erhalter aller Menschen genannt (1Tim 4,10). Auch uns werden die Gelegenheiten, allerlei Liebeserweisungen zu praktizieren, nie fehlen. Es gilt zu helfen, zu tragen, Sanftmut zu üben und Vergehungen zuzudecken (Kol 3,12).
Endlich auch die Feinde. Der Herr hat geboten, die Feinde zu lieben (Mt 5,44.45) und Er hat es auch selbst getan. Kaum hatten Ihn die Mörder ans Kreuz genagelt, da betete Er für sie. Und welche Wirkung die von Stephanus geübte Feindesliebe auf Paulus hatte, ist uns bekannt. Auch an anderen Stellen ermahnt uns die Schrift, den Feinden in Liebe zu begegnen (Röm 12,14,20,21; 1Pet 2,23). In 1Kor 4,12,13, gibt Paulus ein anschauliches Bild und eine treffliche Belehrung vom richtigen Verhalten der Gläubigen den verschiedenen Gegnern gegenüber.
III. Warum sollen wir Lindigkeit üben?
Weil der Herr nahe ist. Dieser Ausdruck kann auf verschiedene Weise verstanden werden:
Nahe, weil Er nach Seiner Verheißung alle Tage bei den Seinen ist (Mt 28,20). Sie sind Seiner ständigen Nähe und Gegenwart sicher. Er hat zudem öfters gesagt: „Ich will dich nicht verlassen noch versäumen“ (Heb 13,5).
Nahe, weil Er gesagt hat: „Ich komme bald“. Das erfüllt uns mit Freude, bewegt uns zur Lindigkeit, bewirkt Vertrauen und treibt ins Gebet.
Nahe, weil Er in Seinen Kindern durch den Heiligen Geist wohnt: „Durch Seinen in euch wohnenden Geist“.
Auch in jeder Prüfung lässt Er sie Seine Nähe erfahren. Man denke an jene drei Männer im Feuerofen. Von Josef heißt es im Gefängnis: „Aber der Herr war mit Josef". Paulus konnte in jenen schweren Stürmen der Romreise sage: „Der Herr stand mir bei“. Und wie wunderbar Petrus die Nähe des Herrn und die Rettung aus dem Gefängnis erfuhr, beschreibt Lukas in Apg 12.
Nahe den Betern und denen, die zerbrochenen Herzens sind. Er ist auch in der Mitte derer, die sich in Seinem Namen versammeln. Sagt Er doch: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“(Mt 18,20).
Der Herr ist nahe (Phil 4,5)
Da der Apostel hier von unserm Verhalten zur Umwelt redet und nachher auch vom Nichtsorgen spricht, so mag er wohl mit dem Ausdruck „der Herr ist nahe“, vornehmlich an die Gegenwart Gottes im Leben des einzelnen Gläubigen gedacht haben. Die Schrift hat ja diesbezüglich viele herrliche Verheißungen (1. Mose 39,2, 3,21; 2. Mose 3,2; Jos 1,5; Ps 46,7, 11; Jes 41,10; Mt 28,20; Joh 14,18 ff.; Heb 13,5-6). Aber ebenso nahe liegt die Annahme, dass der Apostel an das Kommen Christi gedacht hat, weil er wiederholte Male vom Tage Christi spricht und gerade in Kap. 3 von der Umgestaltung oder Erlösung unseres Leibes und von unserm Bürgertum im Himmel schreibt. In jedem Fall ist dem Volke Gottes klar, dass der Herr nahe ist. Immer lauter erschallt der Ruf: „Siehe Er kommt“. Zudem sind die Zeichen der Zeit recht auffallend, und jeder denkende Schriftforscher wird ständig daran erinnert, dass der Herr nahe ist. Was berechtigt uns zu dieser Annahme?
I. Die Judenfrage.
In Mt 24,32 sagt der Herr im Gleichnis vom Feigenbaum: „Wenn sein Zweig saftig geworden ist und Blätter treibt, so wisset, dass der Sommer nahe ist“. Der Feigenbaum ist ein Bild Israels, desgleichen der Weinstock und der Olivenbaum. Die Juden, die seit der Verwerfung Christi unter dem Fluch leben (denn der Herr verfluchte den Feigenbaum), sind zur Strafe aus ihrem Lande, in alle Länder der Erde vertrieben worden. Zeitweise gingen sie durch harte Züchtigungen, doch viel schwerer wird das Ende, die große Trübsal, sein. Jener wohlverdienten Zucht geht das Judenvolk entgegen. Die ernste Bedrängung der Juden in der Jetztzeit, die auch das Judenvolk in Amerika erfassen wird, und das mit vollem Recht, ist einer der schlagendsten Beweise für die Richtigkeit der Prophetie (3. Mose 26,14-26). Die Not bricht mit Macht über die Juden herein. Der Herr wird ihnen Jäger senden, die sie aus den Ländern vertreiben werden. Palästina wird wiederum ihre Heimstätte werden. Alle diese Dinge spielen sich vor unsern Augen ab. Da aber das Ausschlagen des Feigenbaumes in Beziehung zum Kommen des Herrn in Herrlichkeit steht, also zur Aufrichtung des Millenniums, und nicht in Beziehung zur Entrückung, so dürfen wir mit Fug und Recht glauben, dass der Herr nahe ist.
II. Die Völkerwelt.
Der Herr hat nicht allein vom Ausschlagen des Feigenbaums gesprochen, sondern vom Sprossen aller Bäume (Lk 21,29), also auch von den Völkern. In nie da gewesener Weise ist Großes unter den Völkern geschehen! Noch Größeres wird folgen. Das brausende Völkermeer schäumt buchstäblich; Bedrängnis und Ratlosigkeit der Völker sind offenbar. Der Reiter auf weißem Pferde in Off 6 wird bald erscheinen und seinen großen Siegeslauf antreten. Die Zeichen der Zeit deuten, wie ehedem der Stern von Bethlehem, auf das Wiederkommen des Herrn hin. Wahrlich, der Herr ist nahe! Und wenn wir heute so deutliche Zeichen der Zeit für das zweite Kommen Christi vor unsern Augen sich erfüllen sehen, wie nahe muss dann Sein Kommen für die Gemeinde sein?
III. Der Zustand der Christenheit.
Als der Herr in dieser Welt geboren wurde, bedeckte Dunkel das Erdreich und Finsternis die Völker. Israel, Sein Volk, erstarrte in toten Formen. Die Schriftgelehrten vermochten wohl den Weisen Auskunft zu geben, dass Jesus in Bethlehem geboren werde, sie selbst aber bewegten keinen Fuß, Ihn zu sehen (Mt 2). Der Herr hat gesagt: „Wird wohl der Sohn des Menschen, wenn Er kommen wird, Glauben finden auf Erden?“ (Lk 18,8). So, wie es damals beim ersten Kommen Christi, bei Seiner Geburt war, da Israel Ihn nicht erkannte noch annahm, so wird es bei Seiner Wiederkunft sein. Aber wie damals ein kleiner Überrest wartender Gotteskinder nach Ihm ausschaute, so wird es auch sein, wenn der Herr kommen wird, um Sein Volk heimzuholen. Laodizäa kennzeichnet unsere Zeit. Aber der Herr sagt von Laodizäa, das unter anderem das Ende der Christenheit darstellt: „Ich werde dich ausspeien aus meinem Munde“ (Off 3). Wie damals alles nur am bloßen Schein, an der Form der Gottseligkeit hing, so ist es auch heute. Man hat nur den Namen, dass man lebt, sonst aber ist man tot. Unglaube und Aberglaube nehmen überhand. Bekennen nicht heute die Evangelisten einmütig, dass Bekehrungen leider zu den Seltenheiten gehören. Alles sind Zeichen des Endes! Paulus schreibt in 2Thes 2, dass vor der Ankunft des Antichristen zuerst der Abfall kommen müsse und dass seiner eigentlichen Entwicklung die Gemeinde noch im Wege stehe. Furchtbar macht sich der Abfall schon jetzt geltend, und er zeigt uns, wie nahe der Herr ist.
IV. Das zunehmende Sektenwesen.
In 2Thes 2,11 sind für die Endzeit kräftige Irrtümer geweissagt, in die diejenigen, die der Wahrheit nicht gehorchen, hineinkommen werden. Wie gewaltige Lawinen wachsen diese Irrtümer an, und alles Bekämpfen ist nutzlos. In manchen Fällen sind diese Lehren so verfänglich, dass sie von Unwissenden als Wirkungen des Heiligen Geistes geglaubt werden. In der Person des falschen Propheten werden diese Lehren dereinst ihren Höhepunkt erreicht haben. Alle sogenannten Christen werden sich dann unter eine Leitung stellen, bis sie unter dem Gerichte der großen Hure ihr wohlverdientes Gericht empfangen werden (Off 17 und 18). Der falsche Prophet wird nicht offenbar, solange die Gemeinde auf Erden ist, sondern erst nach ihrer Entrückung. Indessen hat nichts so gute Aussicht auf Erfolg, wie das Sektenwesen; das zeigen verderbliche, unbiblische Lehren wie z. B. die der Neuapostolischen Gemeinden, der sogenannten Christlichen Wissenschaft, der Theosophie, Anthroposophie u. a.
V. Der sittliche Zerfall der Menschheit.
In 2Tim 3,1-5 schildert der inspirierte Apostel den moralischen Zustand der Menschen, wie er in den letzten Tagen sein wird. Der Herr Jesus vergleicht die Zeit des Endes mit den Tagen Noahs, da man sich mit kaum etwas anderem beschäftigte, als mit Gutleben und der Wollust dienen. Mit Riesenschritten geht die Welt dieser Zeit entgegen. Wahrlich, das Ende steht vor der Tür und der Herr kommt bald. In diese geistliche Not rufen wir wie einst ein Noah: „Gehe in die Arche!“ Lass dich retten vor dem kommenden Zorn Gottes!