Behandelter Abschnitt Apg 28,16-22
Im eigenen gemieteten Hause
Zu der Zeit, da Paulus in Rom eintraf, regierte bereits Kaiser Nero, dessen Hände schon damals vom Blute der Heiligen trieften, obwohl er erst 25 Jahre alt war. Rom war die damalige Welthauptstadt und zählte etwa zwei Millionen Einwohner, von denen die Hälfte Sklaven waren. Auch wohnten etwa siebenhundert Senatoren in der Stadt. Hier weilte nun Paulus zwei Jahre als Gefangener des Kaisers.
Unter einem neuen Befehlshaber. Zuerst stand Paulus durch Lysias unter obrigkeitlicher Gewalt; hernach in Cäsarea durch Felix und Festus. Nach zweijähriger Haft in Cäsarea wurde Paulus dem Hauptmann Julius zur Bewachung übergeben, der ihn dann auch nach Rom brachte. Er war dem Apostel sehr geneigt und gewährte ihm auf der Reise weitgehende Freiheit. Als nun Julius mit den Gefangenen in Rom ankam, übergab er diese dem Obersten der kaiserlichen Leibwache. Sicherlich hat er mit Achtung von der dem Apostel zukommenden Bedeutung gesprochen und erwähnt, zu wie viel Dank sie alle diesem einzigartigen Gefangenen verpflichtet seien. Auch die Unschuld des Apostels wird er betont haben. All diese Empfehlungen haben zweifelsohne dazu beigetragen, dass dem Apostel von Anfang an große Vergünstigungen eingeräumt wurden. Beim Lesen unseres Textes steht man keineswegs unter dem Eindruck, als sei Paulus ein Gefangener gewesen. So sorgt der treue Herr für Seine Diener und geht vor ihnen her.
Die erste Konferenz in Rom (Vers 17). Schon drei Tage nach seiner Ankunft in Rom beraumte der Apostel die erste Zusammenkunft mit den Häuptern der jüdischen Kolonie an. Selten gönnte er sich einen Ruhetag. Unermüdlich diente er seinem Gott, und zwar diesmal in seinem eigenen gemieteten Hause. Die Freunde in Rom hatten treulich für ihren geliebten Apostel gesorgt. Aquila und Priscilla werden ihr Äußerstes dazu beigetragen haben, den Apostel möglichst angenehm unterzubringen. Das gemietete Haus war allem Anschein nach groß genug, um viele aufnehmen zu können, da während dieser zweijährigen Gefangenschaft ununterbrochen an dieser Stätte für den Herrn gewirkt wurde.
So wie überall widmete Paulus sich zuerst den Juden und rief die Ältesten der Synagoge zusammen. Dies bestätigt aufs neue die große Liebe, die er zu seinem Volke hatte (Röm 10,1). Hier ist es aber das letzte Mal, dass den Juden die Botschaft des Evangeliums gebracht wurde. Außerdem vermutete Paulus, dass die Ältesten zu Jerusalem ihn bei den Ältesten in Rom verklagt hatten, was aber bis dahin nicht geschehen war.
Des Apostels Erklärung. Paulus sprach vor den Ältesten der Juden in gleicher Weise wie bei früheren Verantwortungen vor seinen Verklägern, dass er nämlich in aller Strenge nach den jüdischen Sitten gelebt, und in keiner Weise dem Judentum geschadet habe. Bestimmt hat Paulus viel mehr gesagt als die wenigen Worte, die Lukas kurz hervorhebt, wenn man bedenkt, dass die Zusammenkünfte oft stundenlang währten. Die Rede wird größtenteils eine Wiederholung von bereits früher Gesagtem gewesen sein. Die Kette, mit der der Apostel gebunden war, zeugte für alle Fälle von der schmählichen Hetze der Juden gegen ihn, und war eine stumme Anklage und Beschämung für sie. Die Juden waren es, die den Freispruch der Römer durch ihr hartnäckiges Verhalten vereitelt hatten.
Für Gotteskinder sind die Bande des großen Apostels aber eine Ermunterung, weil sie deutlich beweisen, dass der Gläubige in Leiden niemals zu verzagen braucht und besonders dann nicht, wenn sie um Christi willen sind.
Die Ursache der Gefangenschaft (Vers 20) war die Verkündigung der Auferstehung, die ebenso wohl Israels Hoffnung ist, wie das Erscheinen des Messias, den sie in der Person des Herrn Jesu gekreuzigt hatten. Er bewies den Juden überall aus den Schriften, dass Jesus Christus der Messias und wahrhaftig aus den Toten auferstanden sei. Dieser sei es, den er ihnen verkündige, darum sollten sie an Ihn glauben.
Für die von dem gebundenen Paulus verkündigte Hoffnung haben seither Scharen von Menschen, die an Jesus glaubten, in ähnlicher Weise leiden müssen. Die Ketten der Leiden und die Hoffnung der Herrlichkeit gingen all die Jahrhunderte Hand in Hand. Und so wird es bleiben bis der Herr kommt.
Die Antwort der Ältesten (Vers 21). Sie versicherten dem Apostel, keinerlei Nachricht über ihn erhalten zu haben. Da sie anderseits eine günstige Gelegenheit gekommen sahen, baten sie den Apostel, seine Meinung über die Sekte der Nazarener zu äußern. Er ließ sie nicht auf die Antwort warten! Das war eine Bitte nach seinem Wunsch und freudig verkündigte er ihnen das Evangelium von Jesus Christus. Dieses Zusammentreffen mit den Ältesten der Juden war Gleicherweise die Einleitung zu einer weit größeren Begegnung mit vielen andern Juden.
Die Ältesten wussten, dass dieser Sekte allenthalben widersprochen wurde, und dies interessierte sie. Sobald jemand sich zu Gott bekehrt, erfährt er Ablehnung und Widerspruch, sowohl in der Familie, als auch im weiteren Bekanntenkreis. Der Mensch, hochmütig von Natur, will nicht zugeben, dass er ein verlorener Sünder ist. So war es für die religiösen Juden unannehmbar, dass sie auf dem gleichen Wege gerettet werden sollten wie die Hurer und Zöllner. Und warum ist letzten Endes all der Widerspruch, all der Widerstand? Ist es nicht deshalb, weil der Mensch die Sünde mehr liebt als Gott? Die Gerechtigkeit aus Glauben, und die Rettung aus Gnaden sind zu demütigend für ihn. So lehnt er sich dagegen auf und verfolgt diejenigen, die dieses Glaubens sind.