Behandelter Abschnitt Apg 19,8-10
Paulus in Ephesus
Dadurch, dass die zwölf Johannesjünger den Heiligen Geist empfangen hatten, wurde ein guter Grund zu der Arbeit in Ephesus gelegt. Man stelle sich vor, was noch heute zwölf mit Heiligem Geiste erfüllte Gläubige in irgend einer Stadt erreichen könnten. Diese zwölf Jünger waren dem Apostel während seiner gesegneten und fruchtbaren Tätigkeit in Ephesus zweifellos sehr nützlich, zumal der Dienst zuerst während drei Monaten in der Synagoge, und hernach noch volle zwei Jahre in der Schule des Tyrannus und von Haus zu Haus geschah.
Drei Monate in der Synagoge. Wie üblich, ging der Apostel auch hier zuerst zu seinen Brüdern nach dem Fleisch, und machte ihnen das erste Angebot des Evangeliums. Wie sein Herr suchte er die zerstreuten Schafe vom Hause Israel auf. Die Zeit der Tätigkeit in der Synagoge war kurz, obwohl sie länger war als die in Antiochien, wo die Verfolgungen schon in der zweiten Woche einsetzten. Und in Thessalonich weilte Paulus nur drei Sabbate in der Synagoge (Kap. 13, 44-51; 17, 2 ff.).
Der Gesprächsgegenstand. Diesmal war er das Reich
Gottes und nicht das Reich der Himmel. Die Botschaft, dass das Reich der
Himmel nahe herbeigekommen sei, wurde nicht mehr verkündigt. Wohl meinte
Israel immer noch, das messianische Reich würde in Bälde aufgerichtet
werden, aber weil es sich des ewigen Lebens als unwürdig erwiesen hatte,
waren die Apostel zu den Nationen gegangen, wo sie freien Eingang
gefunden hatten. Paulus kannte Gottes Heilsplan. Er wusste, dass Gott
sich in der Jetztzeit Seine Gemeinde herausrufen und erst nach diesem
mit Israel wieder anknüpfen werde. Der Brief des Apostels Paulus an die
Römer, welcher besonders in den Kap. 9-11 Israels Zukunft behandelt und
etwa um das Jahr 60 n. Chr. geschrieben wurde, zeigt Pauli Erkenntnis in
diesen Fragen (Paulus weilte in Ephesus bis ins Jahr 59). Paulus wird
bei seinen Belehrungen in Ephesus zunächst auf das Hauptmerkmal im
Reiche Gottes hingewiesen haben: auf die neue Geburt. Genau so wie die
natürliche Geburt einen Menschen in irgend ein Reich hineinstellt, so
stellt die neue Geburt jeden Glaubenden in Gottes Reich hinein. Sie ist
unerlässlich, um in das Reich Gottes eingehen zu können; denn das Reich
Gottes ist inwendig im Gläubigen (Joh 3,3-5; Tit 3,5;
Die Art, wie Paulus diente. Er redete:
Freimütig 1 i c h . Obwohl er in den Synagogen so viel Opposition erlebt hatte, kannte er keine Scheu. Innerlich von der Unfehlbarkeit der ihm anvertrauten göttlichen Lehre völlig überzeugt, trat er auf wie einer, der Gewalt hat.
Belehrend. Jeden Augenblick benützte der Apostel dazu, die Leute über den Herrn zu belehren. Dabei bekundete er nicht nur scharfe Logik, sondern auch zarte Liebe. Sein ganzes Herz redete mit ‑ er überredete die Menschen (2Kor 5,11).
Überzeugend. Er überführte die Menschen anhand der Schrift und bewies aus ihr, dass Jesus der Christus sei, und widerlegte die Einwände der Zuhörer.
Der Erfolg des Dienstes. Wie überall, so war er auch in Ephesus „ein Geruch des Lebens zum Leben denen, die glaubten, und ein Geruch des Todes zum Tode denen, die verloren gehen“. Viele hatten sich zum Herrn bekehrt. Dasselbe erleben wir noch heute, wenn das Wort Gottes in göttlicher Vollmacht verkündigt wird.
Andere verhärteten ihr Herz. Als Paulus das erste Mal nach Ephesus kam (Kap. 18, 20), luden ihn die Juden ein, länger bei ihnen zu bleiben; sie waren damals wohl noch nicht vor die Entscheidung gestellt worden, den Herrn Jesum im Glauben anzunehmen. Nun aber waren viele zu Gegnern geworden und sprachen übel von dem Wege, den Paulus lehrte. Sie gingen nicht nur selber den Weg des Glaubens nicht, sondern hinderten die, welche ihn gehen wollten (Mt 23,13). Da der Apostel sich klar darüber war, dass sein Dienst in der Synagoge dem Ende entgegen gehe, schaute er sich nach einer besseren Gelegenheit um.
Er sonderte die Jünger ab. Paulus verließ die Synagoge und mit ihm diejenigen, die gläubig geworden waren. Hier handelte er ähnlich wie Petrus in Kap. 2, 40. Unmöglich konnte er die Jungbekehrten der Gefahr des Zurückkehrens in das tote Judentum aussetzen. Das Volk Gottes war stets ein abgesondertes Volk; abgesondert von groben Sünden, und wie das Wort hier zeigt, auch von der nur äußerlich religiösen Welt.
In der Schule des Tyrannus. Satan schließt und der Herr öffnet Türen. Die notwendige Absonderung führte zu einer besseren Gelegenheit, weiteren Kreisen das Wort zu predigen. In die Synagoge kamen nur Juden und Proselyten, in die Schule des Tyrannus durften jedoch alle kommen. Eine weite Türe war trotz vieler Gegner aufgetan (1Kor 16,8-9). Ob Tyrannus, der seinen Lehrsaal Paulus zur Verfügung gestellt hatte, sich bekehrte, wissen wir nicht. Wir lernen nur, dass Tyrannus vormittags unterrichtete, währenddem Paulus seine Zelte anfertigte und mit seinen eigenen Händen sein Brot verdiente (Kap. 20, 34; 18, 3). Nachmittags lehrte Paulus täglich während zwei Jahren. Und bis in die Nacht hinein tat er seinen Dienst von Haus zu Haus (Kap. 20, 20, 31). Da Ephesus die Hauptstadt der Provinz Asien und ein bedeutendes Handels‑ und Bildungszentrum war, kam mancher Fremde (der sonst die Göttin „Diana“ verehrt hätte) in Berührung mit den Gläubigen, so dass alle, die in Asien wohnten, mit dem Worte Gottes bekannt wurden.