Behandelter Abschnitt Apg 16,6-8
Geistesleitung
Die Voraussetzung zur Geistesleitung ist: im Besitz des Heiligen Geistes zu sein und diesen erhält der Mensch bei der Wiedergeburt. Wer nun den Heiligen Geist empfangen hat, Ihn aber immer wieder betrübt und dämpft, kann unmöglich die kostbare Erfahrung machen, von Ihm geleitet zu werden (Ps 32,8).
Viele reden zwar von Geistesleitung, aber nur wenige kennen sie aus der praktischen Erfahrung. Unser Text dagegen ist ein passendes Bild davon, wie der Geist Gottes die Gläubigen leitet und ihnen ihren Dienst und den Ort der Tätigkeit anweist. Versuchen wir hier etwas zu lernen.
Wie leitet der Heilige Geist? Sehr verschieden! In unserm Text:
Durch Hindernisse. Paulus und seine Mitarbeiter sahen nichts als verschlossene Wege vor sich. Diese Tatsache trieb sie dazu, immer wieder einen anderen Ort für ihre Wirksamkeit zu erflehen. Oft gehören verschlossene Türen zur göttlichen Leitung, um Gottes Kinder hernach einen andern von Ihm vorgesehenen Weg zu führen.
Durch Gesichte. Das erlebte gerade Paulus. Als kein Weg offen war, nahm der Apostel zweifellos seine Zuflucht zum Gebet. Und in der Nacht ließ sich Gott erbitten und zeigte ihm den weiteren Weg durch ein Gesicht. Ein mazedonischer Mann bat den Apostel um Hilfe. Es erwies sich nicht als trügerisch, denn bald merkte der Apostel, dass Gott ihn zu neuer Tätigkeit geführt hatte.
Durch die Schrift. In Kapitel 15 haben wir ein praktisches Beispiel. Dort drohte zwischen den aus Juden‑ und Heidenchristen bestehenden Gemeinden ein Riss zu entstehen. Jakobus griff zur Schrift und überzeugte die Zuhörer. Man darf wohl sagen, dass heute der Heilige Geist meistens durch die Schrift leitet.
Durch Verfolgungen. Wir denken an die Zerstreuten, die überall hingingen und das Wort predigten. Ohne Verfolgung wären sie kaum an jene Orte gekommen, aber der Heilige Geist leitete sie nun auf diesem Wege fruchtbar zu werden. Wir erinnern vor allem an die Härten und Leiden, die Paulus auf Reisen und in Gefangenschaften durchmachte und wie der Heilige Geist diese Erfahrungen zum Segen für andere benützte.
Wahre Gottesdiener lassen sieh vom Geiste Gottes leiten. Die Apostel sind uns hierfür das beste Beispiel. Sie waren erstens vom Heiligen Geiste in den Dienst gerufen (Kap. 13, 2), zweitens von Ihm ausgesandt (13, 4), und drittens legen die Kapitel 14 und 15 Zeugnis davon ab, dass der Heilige Geist sie reichlich gebraucht hat. Nun aber lesen wir hier, dass dieselben Männer vom Heiligen Geiste oder vom Geiste Jesu Christi v e r h i n d e r t wurden, an beabsichtigte Orte zu gehen. Fragen wir uns: Warum hinderte sie der Heilige Geist? Müssen wir da nicht auf die sehr bedauerliche Trennung zwischen Paulus und Barnabas in Kap. 15, 38-39 zurückgreifen? Sie, die vom Heiligen Geiste berufen, abgesondert, ausgesandt und gemeinsam viel im Segen gearbeitet hatten, gingen nun einer Uneinigkeit wegen voneinander. Paulus wie auch Barnabas wählten sich ein jeder seinen eigenen Mitarbeiter und gingen so an die Arbeit. Bei ihrem beidseitigen Ausreisen lesen wir nichts von jenen früheren Worten des Heiligen Geistes: „Sondert mir ab!“ Wir vermissen auch den Ernst von Kapitel 13, wo gemeinsam gebetet und gefastet wurde. Als ob nichts passiert sei, zog jede Partei für sich ins Arbeitsfeld. Nach nicht langer Zeit sollte Paulus starke innere Hemmungen zu spüren bekommen, nämlich dass der Herr nicht mehr mit ihm war, wie früher. Die ungerechtfertigte Trennung musste erst geregelt werden. Ohne Zweifel ist es bei Paulus und Barnabas nicht ohne tiefe innere Beugung abgegangen. Nur auf diesem Wege kann die Leitung durch den Heiligen Geist wieder hergestellt werden. Wie furchtbar und bedauerlich sind doch Trennungen, besonders wenn sie zwischen so erfahrenen und berufenen Werkzeugen vorkommen. Hier haben wir den ersten der zahllosen Risse in der Geschichte der Gemeinde. Und denken wir noch einen Augenblick an die Auswirkungen dieser Trennung.
Auf Paulus selbst. Groß muss der Schmerz für alle Beteiligten gewesen sein, als zwei so gesegnete Werkzeuge in Erbitterung auseinander gingen. Der Gedanke an die gemeinsame Berufung zum Dienst und an die gesegnete Arbeit hat Paulus gewiss sehr beunruhigt.
Auf die Gläubigen. Auch die Gemeinde zu Antiochien war zweifelsohne sehr betrübt über diese Sache. Und was wird wohl Paulus auf seiner zweiten Missionsreise den jungen Gläubigen da und dort, die er früher zur Einigkeit und Liebe ermuntert hatte, geantwortet haben, wenn es hieß: Wo ist Barnabas? Warum ist er nicht mitgekommen?
Auf den Heiligen Geist. Die Verbindung war gleich einem durchschnittenen Kabel, das plötzlich keinen Strom mehr hat. Der Heilige Geist war durch diese Sünde betrübt. Worte wie: „Nachdem sie vom Heiligen Geiste verhindert worden waren“ oder: „Der Heilige Geist erlaubte es ihnen nicht“ weisen doch zu deutlich auf diese Unterbrechung hin. Ein neuer Mitarbeiter ist in Zeiten von Trennungen noch schnell gefunden, aber damit ist es nicht gemacht. Die Gemeinschaft des Geistes ist dadurch nicht wieder hergestellt. Wiederherstellung ist nur durch aufrichtige Beugung und Wiedergutmachung möglich.
Ins rechte Geleise. Unser Wort macht uns nicht allein auf das Umherirren der Apostel aufmerksam, sondern auch auf ihr Sichzurechtfinden, das in der Nacht des Gesichtes geschah (Vers 9). Paulus, der sich bestimmt nicht wenig über diesen Vorfall gebeugt hatte, erfährt neue Gnade. Und wie jener umherirrende Jakob einen Ausweg im Gesicht der Himmelsleiter fand, so fand ihn Paulus durch das Gesicht des mazedonischen Mannes, der ihm zurief: „Komm herüber und hilf uns!“
Man könnte die Frage aufwerfen: Ist es denn nicht gleich, wo wir arbeiten? Warum konnten die Apostel z. B. in Phrygien, Mysien und Bithynien das Wort nicht verkündigen? Steht das nicht im Widerspruch zu Markus 16,16; Lk 24,46-48 und Apg 1,8? Die Orte in Vers 6-7 werden später wieder genannt (Kap. 18, 19 und 1Pet 1,1), aber für den Augenblick hatte Gott andere Orte für Paulus bestimmt.
Die Bedingung göttlicher Leitung. Sie besteht im sofortigen Gehorsam an den geoffenbarten Willen Gottes. Nachdem Paulus das Gesicht erhalten hatte, machte er sich mit seinen Mitarbeitern unverzüglich auf den Weg nach Mazedonien (Vers 10). Manche erflehen vom Herrn Licht auf ihrem Wege und nachdem sie es erhalten haben, folgen sie demselben doch nicht. Göttlich Geleitete gehen ohne weiteres an die Arbeit, ganz gleich, ob ihnen das Arbeitsfeld menschlich gesprochen zusagt oder nicht.
Noch ein Punkt sei hier erwähnt. Ab und zu hört man den Ausspruch: „Der Geist hat mir gesagt oder gezeigt!“ Gewöhnlich ist dies eine leere Phrase, um den selbstgewählten Weg gehen zu können. Eines ist sicher: Der Heilige Geist leitet nie im Widerspruch zur Schrift. Gerade weil der Heilige Geist der Schreiber des Wortes ist, kann Er sich unmöglich widersprechen.