Behandelter Abschnitt Apg 16,1-5
Timotheus
Paulus war nun zusammen mit Silas auf seinem einstigen Missionsfeld in voller Tätigkeit. Seit dem letzten Aufenthalt in Lystra, wo Paulus gesteinigt worden war, stellten sie zu ihrer nicht geringen Freude ein seltenes Wachstum jener jungen Gläubigen fest.
Diesmal begegnete Paulus in Lystra einem Jüngling, namens Timotheus, der offenbar eine Frucht der ersten Missionsreise der Apostel war; denn Paulus nennt ihn sein echtes Kind i m G 1 a u b e n . Dieser Jüngling hatte ein sehr gutes Zeugnis in der Gemeinde. Paulus entschloss sich daher, ihn als Diener mitzunehmen. Dieser Timotheus, obgleich an Jahren viel jünger als Paulus, wurde nun der beste Freund und stete Begleiter des Apostels. Auch später zog er wiederholte Male mit ihm. Während der Zeit ihres getrennten Dienstes schrieb Paulus zwei Briefe an ihn, die bekannten Timotheusbriefe. Und in acht andern paulinischen Briefen gedenkt der Apostel dieses treuen Mitarbeiters (1Kor 4,17; 16,10; 2Kor 1,1, 19; Phil 1,1; 2,19; Kol 1,1; 1Thes 1,1; 2Thes 1,1; Philemon 1; Heb 13,23). Timotheus arbeitete mit Paulus in Ephesus, teilte mit ihm seine erste Gefangenschaft in Rom und begleitete ihn auf seiner Reise nach Jerusalem. In seiner letzten Gefangenschaft sehnte sich Paulus sehr nach ihm. Dies Lässt uns einen Blick tun in die innige Gemeinschaft, die diese zwei Männer miteinander verband. Doch verweilen wir noch etwas bei Timotheus.
Seine Jugendzeit. Wir beachten:
Sein Elternhaus. Timotheus entstammte einer Mischehe. Sein Vater war Grieche; Eunike, die Mutter, war eine fromme Jüdin. Auch seine Großmutter, Lois, war eine gottesfürchtige Frau (2Tim 1,5). Mutter und Großmutter übten auf Timotheus einen bleibenden Einfluss aus, wie einst die Mutter Jochebed auf Mose, und Hanna auf Samuel. Es ist auch anzunehmen, Paulus habe bei seinem ersten Aufenthalt in Lystra das Elternhaus des Timotheus besucht, da er später so genau darauf Bezug nahm.
Seine Erziehung. Sie war vorbildlich und in der Hauptsache Mutter und Großmutter zuzuschreiben. Beide machten Timotheus von Kindheit an mit dem Worte Gottes vertraut; sie benützten also die Schrift als Grundlage der Erziehung (2Tim 3,15). So genoss Timotheus schon sehr frühe die lautere Milch des Wortes. Die wertvollste und dankbarste Kunst ist die, den Kindern die Schrift lieb zu machen. Sie heiligt und macht den Glaubenden zu jedem guten Werk geschickt. Auch ist sie voll Kraft und Leben, und weist den Weg zur Seligkeit (Röm 1,16; Heb 4,12). Kein Wunder, war Timotheus im späteren Leben ein so geschätzter Lehrer in den Gemeinden. Hier ist ein weites Tätigkeitsgebiet für Frauen. Die Kinderstube ist die Kanzel der Frau. Sie soll an ihrem Platze Lehrerin des Guten sein (Tit 3).
Seine Bekehrung. Die beste religiöse Erziehung bietet keinen Ersatz für die Bekehrung. Auch Timotheus musste sich trotz seiner Kenntnis der Schrift bekehren, d. h. eine innere Wandlung durchmachen, genau so wie jeder andere Mensch. Den Ansporn zu seiner Sinnesänderung gab offenbar die Wortverkündigung des Apostels anlässlich seines ersten Besuches in Lystra.
Paulus war der geistliche Vater des Timotheus. Er nannte ihn sein geliebtes und treues Kind im Glauben (l. Kor. 4, 17; Phil 2,22; 2Tim 1,2). Und in der Tat, der Apostel nahm sich seiner in großer Liebe an (2Tim 1,2-6).
Seine hervorragenden Eigenschaften. Einzig schön sind die Charakterzüge dieses Jünglings. Er liebte Gottes Wort und forschte fleißig in demselben (2Tim 3,15-17). Die Schrift machte jenen selbstlosen Diener aus ihm, dem Paulus das Lob anerkannte, unter all seinen vielen Bekannten keinen so selbstlosen Gleichgesinnten zu haben wie Timotheus (Phil 2,19-22). Er lebte für die Sache Jesu Christi (Phil 2,21); war ein freudiger Bekenner (1Tim 6,12) ; andern zum Vorbild (1Tim 4,12) ; ein guter Streiter Jesu Christi (2Tim 2,3-5) ; ein treuer Arbeiter im Werk (2Tim 2,6) und führte ein durchaus ehrbares und ernstes Glaubensleben (2Tim 1,5).
Sein Dienst. Timotheus hatte ein gutes Zeugnis, was viel wertvoller ist im Dienste des Herrn, als hohe Begabung, die leider nur zu oft bevorzugt wird. Er wurde von Paulus nicht deshalb gewählt, weil er ein guter Redner war, sondern weil er die geistlichen Fähigkeiten besaß, den Gemeinden nach Gottes Gedanken zu dienen. Zudem war Timotheus von Gott gerufen (1Tim 4,14). Zu seiner Berufung gesellte sich der Vorzug, dass er als Halbjude Eingang bei Juden und Griechen fand. Sein Dienst war dementsprechend vielseitig; doch diente er vornehmlich als Evangelist (2Tim 4,5). Paulus konnte ihn überall hinsenden und in Phil 2,22 erwähnt der Apostel seine Bewährung. Er war in kurzer Zeit ein Vater in Christo geworden, deren es so wenige gibt.
Wichtige Mitteilungen. Die Verse 4-5 heben noch einen sehr wichtigen Dienst der Apostel hervor, und zwar einen doppelten. Erstens teilten sie die Beschlüsse des Apostelkonzils zu Jerusalem den einzelnen Gemeinden mit, und zweitens beugten sie auf diese Weise der Irrlehre vor. Die Gläubigen müssen belehrt werden e h e die Irrlehrer kommen. Auf diese Weise ist die Gefahr für die Gläubigen, in die Irre geführt zu werden, weniger groß, wenn nicht gar beseitigt. Die Apostel befestigten die Gemeinden und ermunterten sie, im Glauben auszuharren. Durch den selbstlosen, treuen Dienst der Apostel wurden viele zu den Gemeinden hinzugetan.