Behandelter Abschnitt 15,35-41
Markus
Der Name des Markus ist uns durch das gleichlautende Evangelium bekannt, weniger aber seine Person. Wir wollen ihn deshalb etwas besser kennen lernen.
Das Elternhaus (Apg 12,12). Über die materiellen Verhältnisse seines Elternhauses schweigt die Schrift, hingegen erlaubt sie uns einen Einblick in die Gesinnung jenes Hauses. Diesbezüglich lesen wir dreierlei:
Es war eine Gebetsstätte. Hier wurde persönlich und in Gemeinschaft mit andern viel gebetet. Solche Heime sind gewöhnlich Segensstätten, und nicht selten gingen aus ihnen bedeutende Gottesmänner hervor. Wir denken an Mose (Heb 11,23). Durch Glauben an Gott und viel Gebet wurde den Eltern der Knabe erhalten. Ja, der Einfluss der gottseligen Eltern des Mose war so stark, dass selbst alle ägyptische Weisheit ihn im späteren Leben nicht auszulöschen vermochte. Denken wir ferner an die Mutter des Samuel, diese ernste und treue Beterin. Welch ein Mächtiger in Israel ist aus dieser Gebetsstätte hervorgegangen! (l. Sam. 1.) Auch bei Timotheus war der Einfluss von Mutter und Großmutter von großer Tragweite (2Tim 1,5).
Es war eine Gaststätte. Im Elternhaus des Markus
wurden die Gläubigen zu jeder Tages- und Nachtstunde aufgenommen. Als
Petrus aus dem Gefängnis befreit wurde, ging er mitten in der Nacht in
das Heim des Markus, wohl wissend, dass er dort Aufnahme finden werde
(Apg 12). Gastfreundschaft üben ist ein großes Vorrecht, es ist als
nähmen wir den Herrn selbst auf (Mt 10,40; Heb 13,2). Gott
vergisst die Beobachter dieses Gebotes nicht (Röm 12,13;
Es war eine Versammlungsstätte. Einer jener Orte, wie wir sie zu wiederholten Malen in der Apostelgeschichte finden (Apg 2,46; 5,42). Hier versammelten sich viele zum Gebet (Apg 12,12). Ja, in diesem Heim wurde so ernstlich und erhörlich gebetet, dass Gott einen Engel zu Petrus ins Gefängnis sandte, um ihn zu befreien. Hier achtete man nicht auf das Wüten des Herodes, noch auf das Schnauben des Synedriums (Kap. 12, 1-3). Petrus scheint auch sonst sehr vertraut in jenem Hause gewesen zu sein, denn er nennt Markus seinen Sohn (1Pet 5,13). Daraus zu schließen, hat Petrus den Markus zum Herrn geführt und so entstand ein besonders inniges Freundschaftsband zwischen den beiden.
Markus auf der Missionsreise (Apg 12,25; 13,5). Ohne jeden Zweifel hatte der Jüngling Markus treu dem Herrn gedient, und ebenso treu in der örtlichen Gemeinde mitgeholfen, sonst hätten Paulus und Barnabas ihn kaum als Diener mitgenommen. Der Dienst für den Herrn fängt immer daheim an.
Nun lesen wir in der Apostelgeschichte wie überaus groß und mannigfaltig die Schwierigkeiten der Diener Gottes auf ihren Missionsreisen waren. Markus der die Apostel als Diener bis nach Pamphylien begleitete, machte dort k e h r t , und ging wieder heim nach Jerusalem (Kap. 13, 13; Lk 9,62). Heute würde man sagen: er ist davongelaufen. Paulus und Barnabas setzten ihre Reise fort und kehrten, nachdem sie die Arbeit vollendet hatten, wieder nach Antiochien zurück, wo sie ehemals der göttlichen Gnade zum Werke befohlen worden waren. Dort erzählten sie, wie viel der Herr durch sie gewirkt habe, sagten aber kein Wort von Markus (Kap. 14, 26) (Wir lernen hier zu schweigen, wenn wir nichts Rühmliches über andere zu sagen haben.). In Kap. 13, 2, lesen wir, dass der H e i 1 i g e G e i s t Paulus und Barnabas gerufen hatte, dagegen wird nichts von einer göttlichen Berufung des Markus gesagt. Er war offenbar der Gerufene der beiden Apostel. Die Schwierigkeiten werden nicht ausbleiben, wenn man sich die Mitarbeiter selbst wählt. Die Sache war gut gemeint, doch wollen wir daran denken: wenn man dem Schmetterling beim Hervorgehen aus der Puppe hilft, laufen die Flügel Gefahr, verletzt zu werden. Markus war wohl zu früh ins Werk gegangen.
Wieder wurden Paulus und Barnabas von den Ältesten in Antiochien dazu bestimmt, wegen Meinungsverschiedenheiten über die Beschneidung nach Jerusalem zu gehen. Möglicherweise haben sie bei dieser Gelegenheit den davongelaufenen Markus getroffen.
Schwierigkeiten (Kap. 15, 36 ff.). Von ihrer Reise nach Jerusalem wieder in Antiochien zurückgekehrt, schlug Paulus vor, eine zweite, gleiche Missionsreise zu unternehmen. Hier setzten nun die persönlichen Schwierigkeiten ein. Barnabas machte die Anregung, den Markus wieder mitzunehmen; Paulus war jedoch entschieden dagegen, weil Markus sie vormals in Pamphylien verlassen hatte. (Wir nehmen an, Markus hatte sich unterdessen seines früheren Versagens wegen gebeugt, und in der örtlichen Gemeinde Beweise neuer Treue erbracht.)
Barnabas mag zu viel Rücksicht auf die verwandtschaftlichen Beziehungen genommen haben, weil Markus sein Neffe war (Kol 4,10). Bei Verwandten legen wir in den meisten Fällen einen andern Maßstab an, als bei Fremden.
Paulus war vielleicht zu hart gegen Markus, was Barnabas empfand.
Und Markus, welcher der Zankapfel war, hatte nicht die Gnade zurückzutreten. Also fehlten alle, und unter diesen Umständen trennten sich zwei bis dahin so engverbundene, gesegnete Werkzeuge. Barnabas blieb bei seinem Vorhaben und nahm den Markus mit -, Paulus wählte den Silas.
Markus der Nützliche (2Tim 4,11). Es gibt nur wenige Gläubige von der Art des Paulus oder Petrus, hingegen ist Markus ziemlich vertreten. Aber wie aus dem Jakob ein Israel, ein Fürst Gottes wurde, so wurde auch Markus ein brauchbarer Diener Gottes. Der Herr facht immer wieder den glimmenden Docht an und bedient sich des geknickten Rohres (Mt 12,20). Verurteilen wir also keinen, außer uns selbst. Worin bestand die spätere Nützlichkeit des Markus?
I m D i e n s t . Markus wird nun ebenso treu wie Timotheus und andere am Wort mitgedient haben. Paulus wies ihn später nicht mehr zurück, sondern ehrte ihn als einen treuen Knecht (2Tim 4,11). Auch Paulus hatte gelernt. Welch eine Ermunterung, für uns alle! Wenn wir versagen, uns aber gründlich beugen, so deckt der Herr nicht nur zu, Er stellt auch wieder her und vertraut Seinem gebeugten Diener neue Dienste an.
Als Griffel des Heiligen Geistes. Welch eine große Aufgabe hat Gott dem Markus anvertraut! Er durfte ein Evangelium von Jesu Christo schreiben (Mk 1,1). Er hat es in großer Demut getan, denn sein Name wird nirgends im Evangelium erwähnt (Dasselbe ist übrigens auch in den beiden Schriften des Lukas der Fall.). Nicht der Schreiber, sondern der Herr, über den er schrieb, sollte hervortreten (Joh 3,30).