Behandelter Abschnitt Apg 15,27-34
Silas
Beim Lesen der Apostelgeschichte stößt man fortwährend auf neue Namen und Gestalten. Mit obiger Stelle wird zum ersten Male Silas auch Silvanus genannt, erwähnt (1Thes 1,1). All das Schöne und Belehrende, das uns die Schrift über Silas sagt, wollen wir kurz betrachten. Er war:
Ein Mann des Vertrauens. Sein Name steht hier in Verbindung mit jenem Apostelkonzil zu Jerusalem, als er zusammen mit Judas nach Antiochien geschickt wurde, um Paulus und Barnabas zu begleiten. Es galt die Freiheit aus den Nationen wahren zu helfen. Dass aus einer Anzahl anderer Brüder gerade Silas zu diesem wichtigen Dienst beauftragt wurde, zeigt, dass die Gemeinde sehr großes Vertrauen in ihn hatte. Vertrauen ist keine Gabe, sondern etwas, das sich Menschen durch besondere Treue erwerben.
Eine Stütze der Gläubigen (Vers 32). Silas zusammen mit Judas ermunterten die Gemeinde zu Antiochien. Jene Gläubigen waren durch Formalisten stark gesetzlich beeinflusst worden und unter ein schweres Joch gekommen. Silas und Judas nahmen ihnen diese Lasten ab und zeigten ihnen in gleicher Weise, wie Paulus und Barnabas, die Freiheit in Christo. Kinder Gottes im Glauben zu befestigen, ist doch ein schöner Dienst! Es ist gleich jenem „weide meine Lämmer“ das der Herr dem Petrus zurief (Joh 21,15). Um andere befestigen zu können, müssen wir aber selbst stark sein und vor allem durch das eigene Beispiel vorangehen.
Ein Prophet (Vers 32). Bei der Betrachtung des Agabus kamen wir schon auf die neutestamentlichen Propheten zu sprechen. Silas, der zugleich ein hervorragender Lehrer war, wird besonderes Licht über die Prophetie besessen und diesbezüglich gedient haben. Und da das Alte Testament so viel von Gottes Absicht mit Israel und den Nationen redet, wird er Gottes Gedanken über sie ausgelegt haben.
Ein geschätzter Mitarbeiter (Vers 40). Nach der traurigen Trennung zwischen Paulus und Barnabas (des Markus wegen) wählte Paulus den Silas zu seinem Mitarbeiter. Die Ansprüche, die Paulus zur Mitarbeit stellte, waren hoch; das zeigt gerade sein Verhalten zu Markus. In Silas hat Paulus jedenfalls ein besonders fähiges Werkzeug erblickt. Silas unternahm die zweite Missionsreise mit Paulus und wurde also Teilhaber an der Gründung und Förderung der galatischen, macedonischen und kleinasiatischen Gemeinden. Auch an den Thessalonicherbriefen hat er seinen Anteil; denn in beiden wird sein Name erwähnt (1Thes 1,1; 2Thes 1,1). In 2Kor 1,19 ehrt ihn Paulus als Mitarbeiter. Später schied Silas aus dem Gefolge mit Paulus aus und arbeitete mit Petrus zusammen. Er überbrachte den ersten Petribrief jenen Gläubigen in der Zerstreuung (1Pet 5,12). Gewiss wird er unter diesen leidenden Gläubigen wieder mit seiner Gabe „andere zu ermuntern“ gedient haben.
Bewährt in Leiden. Der Glaube macht den Christen, und Leiden bewähren ihn. Wer dem Herrn dienen will, muss bereit sein, für Ihn zu leiden, ja mehr, sogar für Ihn zu sterben. Um dieses Herrn willen hatte Paulus sein Leben hingegeben (Vers 25-26). Die Missionsreisen zeigen, durch welche Härten die Apostel zu gehen hatten. Ihre Leiden waren bisweilen unbeschreiblich groß. Und obgleich Paulus in den Leiden des öfteren nur allein genannt wird, so haben seine Mitarbeiter sie bestimmt auch reichlich erfahren. Eine Bestätigung dafür bietet das Gefängnis zu Philippi (Apg 16,23). Dort wurden sowohl Silas als auch Paulus sehr entehrt, man riss ihnen die Kleider herunter, schlug sie blutend mit Ruten, warf sie schließlich in das Gefängnis und legte ihre Füße in den Stock. Paulus, auf den es die Juden besonders abgesehen hatten, musste öfters fliehen, während Silas zurückblieb, um die Jungbekehrten im Glauben zu befestigen. Dabei wird Silas manch Schweres erlebt haben; denn die Juden wussten, dass sich diese beiden Gottesmänner in der Lehre eins waren. Kinder Gottes sind manchmal geradezu zum Leiden berufen. So war es mit Paulus, von dem der Herr sagte: „ Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden soll um meines Namens willen.“ Leidende Gläubige bleiben im Gegensatz zu andern, bei denen alles so glatt abläuft, viel eher von Welt, Sünde, Fleisch und Gleichgültigkeit bewahrt. Bei letzteren ist die Gefahr der Verweltlichung groß.
Ein Beter (Apg 16,25). Er betete im Gefängnis und sang zusammen mit Paulus Loblieder um Mitternacht. Wie oft werden diese Gottesknechte gemeinsam gerungen, gefleht und auch gedankt haben! In Philippi war dafür ein besonderer Anlass. Gewiss hätte niemand den Aposteln (unter ihren speziellen Umständen) ein Klagelied übel genommen, allein sie rühmten Gott im Gebet und durch Gesang vor den Ohren der Mitgefangenen. Die Wirkung verherrlichte Gott. Er hörte auch zu und wandte ihre Gefangenschaft in Erquickung und Freiheit. Wollen wir hier etwas lernen?
Ein Bruder. Petrus nennt ihn sogar einen treuen Bruder (1Pet 5,12). Was ist doch das für ein lieblicher und schöner Name! Silas, ein Bruder unter Brüdern, trotzdem er ein Prophet und Lehrer war! Er weiß, dass es in der Familie Gottes keine Unterschiede gibt. Ein Vater hat sie wiedergeboren (1Pet 1,3). Alle irdischen Titel, nach welchen so viele trachten, enden mit dem Tode, nicht so der Brudertitel.