Behandelter Abschnitt Apg 15,22-34
Die erste Epistel
So darf man wohl diesen Brief, welchen die Gemeinde zu Jerusalem an die Brüder heidnischer Abkunft in den Gemeinden zu Antiochien, Syrien und Cilicien schrieb, nennen. Er enthielt eine Nachricht, die große Entspannung brachte und die Herzen der Heiligen tröstete (Gereichen unsere Briefe den Empfängern auch zum Wohl?). Dieser erste Gemeindebrief verdient unsere volle Beachtung.
Die Absender des Briefes. Schreiber sind die Apostel, die Ältesten und die Brüder der Gemeinde zu Jerusalem. Nicht alle waren mit dem Wortlaut dieses Schreibens einverstanden, aber sie sahen sich zum mindesten genötigt, zu den vorangegangenen drei ergreifenden Reden zu schweigen. Denen aus der Sekte der Pharisäer war durch diese Mitteilung an die Gemeinden der Boden für ihre Unzufriedenheit entzogen. Wo immer sie nun hinkamen, waren die Gläubigen über Gesetz und Beschneidung aufgeklärt.
Die Überbringer des Schreibens. Es waren zunächst Paulus und Barnabas, die als Beauftragte der Gemeinden aus den Nationen nach Jerusalem gesandt waren und nun von der Konferenz wieder nach Antiochien zurückkehrten.
Die Apostel aber schickten noch einige ihrer angesehensten Männer, Silas und Judas, mit. Sie sollten, wenn der Brief vorgelesen wurde, den Inhalt noch nachdrücklicher bestätigen. Jede Fälschung oder einseitige Betonung war ausgeschlossen. Satans Plan, die Gemeinde durch falsche Lehren zu erschüttern, war misslungen.
Anrede und Gruß des Briefes. Beides ist ganz im Sinne und Geiste von Joh 17 gehalten. Wir sehen daraus die Einheit des Volkes Gottes. Gott hat aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand hinweggenommen. Vor Gott gibt es auch heute nur eine Gemeinde, obgleich sie in viele Lager gespalten ist. Wir alle sollen aber unbedingt zu dieser Einheit beitragen. Alle sind ja durch e i n e n Geist zu e i n e m Leibe getauft worden. Da ist allzumal e i n e r in Christo Jesu. Die Liebe Christi ist in aller Herzen ausgegossen und das Band des Friedens umschließt alle.
Der Inhalt des Briefes. Er ist zunächst ein Tadel an die unberufenen Gesetzeslehrer. Menschen, die nicht von Gott zum Dienst berufen sind, werden nie Helfer sein. Die Apostel nennen sie Zerstörer (Vers 24). Gemeinden können also durch Belehrung sowohl erbaut als auch zerstört werden. Falsche Lehrer suchen sich selbst, das ihrige, und nicht das, was Christi Jesu ist; sie verwirren die Einfältigen. Und was damals schon geschah ist heute zur vollen Blüte gelangt; ja mehr, zu bedauerlicher Frucht ausgeartet. Man unterscheidet nicht zwischen Gesetz und Gnade; Glaube und Werken, Heil und Belohnung Israel und der Gemeinde. Das vollgültige Opfer Christi ist nicht mehr Mittelpunkt der Belehrung und so tritt das Tun des Menschen in den Vordergrund, die Erlösung aber, obwohl oft genannt, doch in den Hintergrund.
Zugleich enthält der Brief eine warme Empfehlung zu Gunsten der Überbringer. Sie schreiben: „Unsern geliebten Barnabas und Paulus, Männer, die ihr Leben hingegeben haben für den Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ Wie dankbar wird also der Dienst für den Herrn anerkannt. Diese Worte mussten bei den Empfängern restlose Hochachtung für ihre dienenden Brüder bewirken. Auch wir wollen bemüht sein mit der Ausdrucksweise in unsern Briefen zu dienen und nicht zu zerreißen.
Nun folgen die wohlgemeinten Beschlüsse der Konferenz: „Es hat dem Heiligen Geiste und uns gut geschienen“ (Vers 28). Wenn man zusammenkommt, um zu tun was dem Heiligen Geiste gefällt, dann ist bald der rechte Entscheid gefällt und die Einheit verwirklicht. Wer aber sein eigenes Recht oder gar persönliche Ehre sucht, wird stets hindernd wirken. Leider kommt es auch vor, dass man mit einem fertigen Programm zu Konferenzen geht, den eigenen Willen herrisch diktiert und sich um keinen Heiligen Geist kümmert. Man sucht die Mehrheit zu erlangen. Die Mehrheit haben aber stets die, die dem Heiligen Geiste folgen; sie haben Gott auf ihrer Seite. Dass die Beschlüsse jener Konferenz göttlich gewirkt waren, beweist die Tatsache, dass die Gemeinden dadurch im Glauben fester gegründet und zahlreicher wurden (Apg 16,4-5). Merken wir uns, dass Gläubige aus den Nationen nie mit einem religiösen Gesetz belastet werden dürfen. Vier Dinge wurden den Heidenchristen zur Beobachtung empfohlen, die zwar auch im Gesetz enthalten sind, aber schon vor der Gesetzgebung durch Mose beobachtet wurden, folglich also zur Schöpferordnung gehören.
1. Enthaltung vom Götzenopfer. Jede Gemeinschaft mit Götzen ist gleich Auflehnung gegen den allein wahren Gott.
2. Enthaltung von Hurerei. Auch diese Angelegenheit hat Gott schon im Paradies geregelt, indem Er die Beziehung des Mannes zum Weibe genau festgelegt hat in der Ehe.
3. Enthaltung vom Erstickten. Sie sollten keine von sich selbst verendeten Tiere genießen.
4. Enthaltung vom Blutgenuss. Auch diese Anordnung hatte Gott längst getroffen (1. Mose 9). Hier wurde also nach biblischen Grundsätzen gehandelt, was eine Abstimmung überflüssig machte. Wenn wir nach der Schrift handeln, so gefällt das stets dem Heiligen Geiste.
Die Vorlesung des Briefes. Gewiss hatten die Gläubigen in Antiochien für das Gelingen der Konferenz in Jerusalem viel gebetet und nun durften sie die Erhörung erfahren. Die Freude des Wiedersehens mit den Brüdern war groß und der Wortlaut des mitgebrachten Schreibens tröstete und erfreute die Gemeinden aus den Nationen. Gegenseitige Rücksichtnahme werden die Brüder besonders empfohlen haben. Die aus den Juden sollten die Heidenchristen nie mehr mit Gesetz und Beschneidung belästigen, und umgekehrt sollten die aus den Nationen die Juden nicht durch ihre Freiheit reizen, das heißt kein Blut oder Ersticktes mehr essen, was sonst bei den Nationen üblich war. Der Apostel Paulus war ihnen auch hierin das beste Vorbild, er verzichtete auf alles, was den Schwachen im Glauben zum Anstoß hätte sein können.
Dieses erste Gemeindekonzil ist vorbildlich in der Behandlung aller Gemeindeschwierigkeiten. Auch der Zeitpunkt war sehr geschickt gewählt, nämlich vor Beginn der zweiten Missionsreise. Großen Schaden hätten sonst die falschen Lehrer während der Abwesenheit des Apostels in den Gemeinden angerichtet, so aber wurde ihre Wühlarbeit vereitelt. Der Herr macht alles wohl zur rechten Zeit und wach über Seiner Gemeinde. Ihm sei die Ehre!