Behandelter Abschnitt Apg 9,19-25
Das erste Zeugnis
Das große Wunder war geschehen. Der Lästerer „Saulus“ war zum Anbeter „Paulus“ geworden, und schon jetzt hätte er sagen können, was er später den Ephesern schrieb: „Derhalben beuge ich meine Knie“ (Eph 3,14). Bald wurde allen offenbar, dass er mit demselben Eifer und derselben Hingabe, womit er zuvor Satan diente, nun Gott verherrlichte. Paulus hat erst selbst bewiesen, was er später andern zurief: „Wie ihr eure Glieder dargestellt habt zu Diensten der Unreinigkeit, also stellet sie jetzt dar zur Sklaverei der Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Röm 6,19). Paulus wusste, dass seine Sünden abgewaschen, und er bei Gott angenommen war. Er staunte über die Größe des göttlichen Erbarmens.
Saulus bei den Jüngern (Vers 19). Der erste Weg nach einer gründlichen Bekehrung zu Gott ist in der Regel der Gang in die Gemeinde Gottes, zu den Mitgläubigen. Das zeigt auch die Pfingstgeschichte. Die so gläubig geworden waren, blieben in der Gemeinschaft (Apg 2,42). Das war auch bei Saulus der Fall. Er ging zu den Jüngern, und ob ihnen Ananias die Nachricht von der Bekehrung des Saulus schon vorher gebracht hatte, oder ob Ananias ihn in die Gemeinde begleitete, weiß man nicht. In jedem Fall war die Freude unbeschreiblich. Einige mögen gedacht haben: ist wohl Saul ein Wolf in Schafskleidern? Bald merkten sie, dass der reißende Wolf aus Benjamin ein Hirte der Schafe geworden war. Er kam nicht in ihre Mitte wie beabsichtigt, schnaubend und morddrohend, sondern Liebe gebend, Leben und nicht Tod bringend. Tiefe Rührung muss alle Herzen erfasst haben und Dankeslieder werden zu Gott aufgestiegen sein über diese einzigartige Bekehrung. Es war allgemeine Freude über einen Sünder, der Buße tat.
Saulus aber erstarkte (Eph 3,16). Saulus hatte nach der Handauflegung den Heiligen Geist empfangen und war gekräftigt am inwendigen Menschen. Das neugeborne Kindlein in Christo nahm auffallend zu. Begierig nach der lauteren Milch, wuchs es durch dieselbe (1Pet 2,2). Das Wort macht stark. Der Sohn Gottes war ihm begegnet, er hatte Ihn gesehen (1Kor 15,8). Der Sohn Gottes war ihm geoffenbart worden (Gal 1,16), und dieser Sohn sollte durch Paulus verkündigt werden (Gal 2,20; Kol 1,28,29). Ständiges Wachstum vom Kindlein in Christo bis hin zum vollkommenen Mannesalter ist das Normale beim Gläubigen.
Das erste Zeugnis. Wie hätte Saulus schweigen können nach solch einem Erlebnis. Spannend werden die Mitgläubigen gelauscht haben, als er seine Bekehrung erzählte. Sie, die seine Todesopfer werden sollten, hörten als erste die freudige Nachricht. Bald darauf ging er in die Synagoge und predigte den Juden Christus. Sie werden nicht wenig aufgehorcht haben, als sie vernahmen, dass Saulus, der die Gläubigen zu verfolgen gekommen war, den Christus verkündigte. Es heißt: „Sie entsetzten sich.“ In den Synagogen, die teilweise Satans Schulen waren (Off 2,9) merkte man, dass sie einen ihrer Vorkämpfer verloren hatten, was sie sehr bedauert haben werden.
Sein Thema. Er bewies den Juden, dass der von Israel gekreuzigte Jesus der Messias sei (Jes 7,14; 9,6-7; Mt 1,18-23; Joh 1,1). Diesen Jesus, den er einst verfolgte, predigte er nun. Dazu sahen sie sein umgestaltetes Leben. Der Wolf war zum Lamm geworden. Nichts redet lauter als ein umgestaltetes Leben (Röm 1,16; Apg 19,8-20). Paulus sprach nicht von Visionen und Gesichten, obwohl er sie hatte, sondern er brachte ihnen „Christus“. Wann tat er das? Unverzüglich!
Während vielen Tagen (Vers 23). Gal 1,17 gibt wohl die rechte Antwort, was während dieser vielen Tage alles geschehen ist. Lukas sagt nichts darüber. In dieser Zeit von etwa drei Jahren verweilte Paulus in der Stille in Arabien. Alle von Gott gebrauchten Werkzeuge werden von Gott in der Stille erzogen.
Hier im Schatten des Sinai weilte einst auch der große Gesetzgeber „Mose“ und wurde während vierzig Jahren erzogen. „Elias“, der Reformator Israels, musste Jahre in der Stille verbringen und die zwölf „Apostel“ waren drei Jahre die Schüler des Herrn. Paulus ging also nicht zu Fleisch und Blut, um sich von den andern Aposteln beraten zu lassen. Gott selbst gab ihm sein Apostelamt (Gal 1,1) und machte ihm hier in der Stille seinen besonderen Dienst als Apostel der Nationen klar. Dieses Wichtigste im Dienst für Gott, die Stille, wird heute von so vielen übergangen, was Kraftlosigkeit zur Folge hat.
Zurück in Damaskus. Nach der Rückkehr hat Paulus gewiss mächtiger als zuvor gezeugt. In Arabien ist ihm die Schrift groß geworden. Jedes neue innere Erlebnis gibt dem Diener Gottes eine neue Bibel. Das kräftige Zeugnis des Apostels rief große Feindschaft hervor. Die Tatsache, dass der einstige Verfolger Christus verkündigte, war ein doppelter Schlag für die Juden. In der Synagoge erlebte Paulus ähnliches wie sein Herr (Lk 4,28-30). Weil sich Jesus als „Sohn Gottes“ ausgab, musste Er sterben (Joh 19,7), und weil Paulus nicht von diesem Jesus lassen wollte, war seine Tötung beschlossen.
Wunderbar gerettet (Vers 25; 2Kor 11,33). Die Jünger, die Saulus gefangen nehmen wollte, halfen ihm nun aus der bewachten Stadt. Hoch zu Ross wollte er in Damaskus einziehen und in einem Korbe verließ er es (Josua 2,15; 2Sam 19,12). Paulus fing an, etwas davon zu verspüren, wie viel er um Jesu willen leiden müsse. Alle Pläne der Gegner wurden vom Herrn, der die Gottseligen rettet, vereitelt.