Behandelter Abschnitt Apg 9,1-5
Saulus von Tarsus und seine Bekehrung
Große Bedeutung misst die Schrift der Bekehrung des Saulus von Tarsus zu. Lukas berichtet sie dreimal, nämlich hier, und in den Kapiteln 22 und 26. Was damals, um das Jahr 37, geschah, war höchst epochemachend in der Geschichte der Gemeinde.
Schon in den Kapiteln 7 und 8 begegneten wir Saulus, und zwar zuerst als einem, der in den Märtyrertod des Stephanus einwilligte und dann auch selbst hart zugriff. Trotz des unleugbaren lebendigen Zeugnisses von der Auferstehung Christi und trotz des letzten unwiderlegbaren Appells des Stephanus, schlug Saulus gegen den Stachel aus. Saul war längst tief getroffen, nun sollte er endgültig zu Boden geworfen werden.
Auf verkehrtem Wege. Die Verfolgung gegen die Jünger des Herrn hatte entsetzliche Formen angenommen und Saulus spielte eine grausame Hauptrolle. Sein verwüstendes Treiben gegen die Gemeinde zu Jerusalem schien vollendet zu sein, nachdem er dort in alle Häuser, auf der Suche nach Gläubigen, eingedrungen war (Kap. 8, 3). Mit einigen Gleichgesinnten entschloss er sich, nun sogar noch in ausländische Städte zu gehen und hier finden wir sie auf dem Wege nach Damaskus. Um leichte Arbeit zu haben, hatte sich Saulus mit Empfehlungsbriefen von den Hohenpriestern versehen. Mord und Drohung schnaubend, zog er tollkühn aus. Das war ein gewagtes, folgenschweres Unternehmen. Sein Ziel war, die Jünger in Damaskus auszurotten, wie das einst Haman mit den Juden in den Tagen des Ahasveros im Sinn hatte (Esther 3). Saul wird erfahren haben, dass viele Gläubige nach Damaskus geflohen seien und so jagte er ihnen nach. Die etwa sechs‑ bis siebentägige Reise lässt uns seinen Eifer und seine Ausdauer erkennen, und wir wundern uns nicht, wenn derselbe Mann später als Nachfolger Christi nie müde wurde. Auf seinem verkehrten Wege hielt Gott ihn plötzlich an. Gott offenbart sich dem Sünder sehr verschieden. Einige hält Er auf dem Wege an, andere in der Predigt des Wortes und wieder andere auf dem Krankenlager; aber Er erbarmt sich aller und sucht sie zu retten. Doch welchen Widerstand der von Satan verblendete Mensch Gott entgegenbringt, zeigt unser Text. Es ist der uralte Kampf gegen Gott, gegen Seinen geoffenbarten Willen (2. Mose 5,2), gegen Sein klares Wort (Apg 4,2).
Vor Damaskus. Damaskus ist eine der ältesten Städte der Welt; von dort stammte Abrahams treuer Knecht Elieser (1. Mose 15). Damaskus, die Hauptstadt Syriens, eine herrliche Stadt, wird also schon sehr früh in der Geschichte erwähnt. Mohammed nannte sie ein Paradies. Dort weidete eine Herde Christi, nach deren Blut der Wolf aus Benjamin dürstete. So sehen wir die heranziehende Schar der Verfolger mit Saulus an der Spitze. Der geplante Kampf gilt dem Herrn und Seinen Nachfolgern. Doch der Sieg ist sicher! Er ist auf seiten des Herrn und Seines Volkes und als Beute wurde ein Starker zum Raube gemacht. Saulus, der bald unter den Heiden wirken sollte, wurde vor einer heidnischen Stadt bekehrt.
Angehalten. Kurz vor Damaskus umstrahlte die Reisegesellschaft plötzlich ein helles Licht vom Himmel. Saulus sagte später über das Ereignis: „Wir fielen alle zu Boden.“ So ergeht es allen, die Gott anhält. Man denke an Jakob vor Pniel oder an Hagar in der Wüste. Licht umstrahlte Saulus und seine Reisegenossen. „Licht ist dein Kleid, das du anhast.“ Licht von oben hält noch heute den Sünder an und offenbart ihm seinen Finsterniszustand.
Eine Stimme wurde hörbar und fragte: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Das war eine anklagende Stimme. „Was habe ich dir getan und was haben dir meine Jünger getan, dass du sie so hart verfolgst. Saulus gib Antwort! Die Steine, die auf Stephanus fielen, trafen mich; und du halfest mit.“
Bei aller Frömmigkeit musste Saulus nun einsehen, dass er ein Feind Gottes war. Und das sind wir alle von Natur (Röm 5,10). Das war ein harter, aber heilsamer Schlag, der Saulus traf. Hier lernte er, dass Jesus und die Seinen eine Einheit sind wie Haupt und Glieder. Der Herr hat Sein Auge stets auf die Gemeinde gerichtet. Als man Ihn ans Kreuz schlug, beklagte Er sich nicht; als man aber die Seinen antastete, fühlte Er es und beklagte sich darüber vom Himmel her. Hüten wir uns also, Kinder Gottes anzutasten.
Herr, wer bist du? Die Frage beweist, dass Saulus den Herrn gar nicht kannte. Das war ein Erwachen, eine innere Revolution! Der Blick des verherrlichten, auferstandenen Christus und Seine ernsten, aber liebevollen Worte, saßen dem Saulus tief im Herzen. Die Worte: „Es wird dir schwer werden, wider den Stachel auszuschlagen“, deuten darauf hin, dass das Ende seines Widerstandes gekommen war und er nicht mehr entrinnen konnte. Der Herr selbst ist besorgt um den Sünder und denkt mit Schrecken an das Gericht, das auf ihn wartet, wenn er nicht umkehrt. Saulus, der die einhaltgebietende Stimme des Herrn vernahm, erfuhr Ihn alsbald als Retter aus Sünde und Schuld. Er, der nach Damaskus zog, um Gefangene Christi zu machen, wurde selbst als Sklave Jesu Christi nach Damaskus hineingeführt.
Suchende fragen stets, was sie tun sollen. Und so wie der Herr dem Saulus die Antwort durch Ananias gab, so gibt Er sie noch heute jedem Fragenden.
Ich bin Jesus. Wer den Herrn von Herzen sucht und Ihn erleben will, findet Ihn gar bald. Wer war denn Jesus bis dahin in den Augen des Saulust Ein gekreuzigter Jude, ein Übeltäter, einer, der den Tod verdient hatte. Nun aber vom Herrlichkeitsglanz des Auferstandenen umgeben, sieht er, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Es war kein Traum, denn die Begegnung ereignete sich mitten am Tage. Gott enthüllte dem Saulus Seinen Sohn und es erging ihm ähnlich wie einst Petrus, nur unter anderen Umständen (Mt 16,17).
Auch bestand kein Zweifel mehr darüber, dass Gott nach dieser Offenbarung besondere Wege mit Saulus vor hatte.
Der erste Auftrag. „Stehe auf! gehe nach Damaskus, dort wird man dir sagen, was du tun sollst!“ Als abhängiger Blinder wurde er weggeführt, ein Bild dessen, was er innerlich war, blind, hilflos, tief gedemütigt. Der Einzug in Damaskus war so ganz anders, als er sich's gedacht hatte. Der Herr kannte beide, den Verfolger und die Verfolgten. Alles weitere sollte nun in der Stille zu Damaskus geschehen.