Behandelter Abschnitt Apg 2,5-13
Zweck und Wirkung
Der Ausgießung des heiligen Geistes
Großartiges, ja, noch nicht Dagewesenes war geschehen! Schlichte, einfache Zöllner und Fischer waren die Behausung Gottes im Geiste geworden. Der Tempel zu Jerusalem, in welchem sie sich versammelten, sollte laut des Herrn Wort bald zerstört werden( Mt 24), weil Israel den Herrn des Tempels hinausgestoßen hatte. Gott aber baute sich indessen einen neuen Tempel, nicht aus totem Material, wie der zu Jerusalem es war, sondern aus lebendigen Steinen (Petr. 2, 5). In diesem neuen Tempel offenbarte sich Gott damals und heute noch. Der Herr wohnt nicht in Kathedralen und großartigen Gebäuden, sondern da, wo sich zwei oder drei in Seinem Namen versammeln (Mt 18,20). Die Gläubigen an Pfingsten hatten alle die verheißene T a u f e m i t H e i 1 i g e m G e i s t e empfangen. Diese Taufe, mit ihren Begleiterscheinungen wiederholte sich jedoch nicht hingegen wurden die Gläubigen, die früher mit Heiligem Geist getauft worden waren, immer wieder neu mit Heiligem Geiste erfüllt (Kapitel 4, 31).
Wozu war der Heilige Geist gesandt? In den Versen 1-4 ist von der Ausgießung als solcher und wie sie vor sich ging, die Rede. Nun taucht die Frage auf, wozu der Heilige Geist gekommen sei. Vergessen wir nicht, der Heilige Geist ist nicht etwa ein bloßer Einfluss, nein, Er ist unendlich viel mehr, Er ist Gott selbst. Seine Mission ist eine vielseitige. Er kam:
Um Christus zu verklären, zu verherrlichen (Joh 16,14). Er spricht nicht von sich selbst, sondern von Jesus und verherrlichte Ihn.
Um die Gemeinde, den Tempel Gottes zu bauen und zu vollenden. Täglich fügt Er diesem Gebäude neue Bausteine hinzu. Nach Vollendung des Baues wird der Heilige Geist mit der Gemeinde entrückt werden und mit ihr gen Himmel fahren.
Um der Gemeinde, dem Leib Christi, Gaben zu geben (1Kor 12-14). Etliche der Gemeinde waren bereits besonders ausgerüstet worden (Vers 1‑4) ; denn Er hat etliche gesetzt zu Aposteln, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern (Eph 4,11 f).
Die erste Wirkung der Geistesausgießung. Die Kunde der Ausgießung verbreitete sich, wegen der damit verbundenen auffallenden Zeichen, sehr schnell; zumal diese einfachen, ungeschulten Männer in fremden Sprachen redeten. Sie waren ja Galiläer, keine Handelsjuden, die auf Reisen allerlei Sprachen gelernt hätten. Die mit Heiligem Geist Getauften waren nichts anderes als das Mundstück des Heiligen Geistes, der sie zum Zeugnis brauchte und sich durch sie verherrlichte. Die Sprachen waren eine Art Begleiterscheinung, wie der Engelchor bei Christi Geburt.
Das erste Zeugnis nach Pfingsten. Es war nicht die Rede des Petrus, die in den folgenden Versen aufgezeichnet ist; denn er hielt seine Rede erst nachdem das Zeugnis der Geisterfüllten in fremden Sprachen großes Aufsehen erregt hatte.
Dieses erste Zeugnis wurde in wenigstens 16 Sprachen abgelegt (Lies die Verse 9-11.). Aus verschiedenen Ländern waren Juden zum Feste gekommen, und diese hörten in ihren eigenen Sprachen das Wort Gottes. Diese Tatsache war ein so großes Wunder, dass es alle zum Staunen brachte und zum Nachdenken nötigte.
Fragen tauchten bei allen auf. Der Inhalt des ersten Zeugnisses wird in einem einzigen Satze zusammengefasst: „Die großen Taten Gottes“ (Vers 11). Gleich wie Israel durch seine Feste (man denke nur an das Passahfest) die Rettung und Befreiung des einst geknechteten Volkes Gottes aus Ägypten feierte, so haben diese Geisterfüllten die großen Gottestaten in der Dahingabe Seines Sohnes zur Sühnung der Sünden hervorgehoben. Sie zeugten sowohl vom Opfertode Jesu Christi, durch welchen jedem Bußfertigen Vergebung und Frieden zugesichert sind, als auch von der siegreichen Auferstehung des Herrn. Ihr eigenes „Ich“ tritt völlig in den Hintergrund; ihr Ruhm war das große Heil.
Die erstaunte Volksmenge. Zu Jerusalem waren gottesfürchtige Männer, die zuhörten (Lk 2,25; Apg 8,2; 10,2). Durch die Zeugnisse und das Lob Gottes, aus dem Munde der hundertundzwanzig köpfigen Jüngerschar waren sie tief erfasst und befanden sich wie in einem Strom der Erkenntnis der Liebe Gottes. Wahrscheinlich haben sie bei diesem Erlebnis an alt‑ und neutestamentliche Verheißungen gedacht. Sie hatten, wie viele in unseren Tagen, oft Pfingsten gefeiert, ohne vom Heiligen Geiste berührt worden zu sein. Plötzlich aber sahen diese gottesfürchtigen Juden geisterfüllte Jesusnachfolger vor sich und sie werden daher ihre eigene Leere um so mehr empfunden haben.
Unter der Volksmenge befanden sich aber auch völlig Gleichgültige, ja, selbst Spötter, die diese Geisterfüllten für Betrunkene hielten und sagten: „Sie sind voll süßen Weines.“ Das zeigt nebenbei, wie Gottesknechte gleich von Anfang an verlacht und verdächtigt wurden und durch alle Zeiten hindurch mussten alle, die dem Herrn dienten, bereit sein, Spott und Hohn zu tragen. Es sei schon hier bemerkt, wie sanft Petrus ihrer verächtlichen Rede begegnete; er fühlte sich nicht gekränkt. Geisterfüllte sind nicht beleidigt, wenn sie des Wortes Gottes wegen zu dulden haben, sie sind ja mit Christo gestorben (Spr 12,16). Petrus zeigte vielmehr durch sein ganzes Verhalten die Umgestaltung seines Wesens durch den Heiligen Geist.
Jene junge Gemeinde brachte die Welt zum Nachsinnen und Überlegen. So soll es sein! Die Gemeinde soll mit ihrer Frömmigkeit und Tätigkeit die Aufmerksamkeit der Welt auf sich lenken. Und Gott hat noch immer dafür gesorgt, dass jeder Verdacht der Betrunkenheit durch süßen Wein vereitelt wurde. Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes; es ist ihm eine Torheit (1Kor 2,14).
Die erstaunten Zuhörer mussten jedoch zu einer Stellungnahme kommen und das veranlasste Petrus zu seiner anschließenden Rede.