Behandelter Abschnitt Apg 1,9-10
Die Himmelfahrt
Die nächste Hauptwahrheit, die in Apostelgeschichte 1 erwähnt wird, ist die der „Himmelfahrt“ Christi. In Verbindung mit ihr begegnen wir denselben Jüngern, die dem Herrn nachgefolgt und zum letzten Male um Ihn versammelt waren. Was mag beim Anblick des scheidenden Herrn durch die Herzen dieser Zuschauer gegangen sein? Und was vor allem wird den Herrn beschäftigt haben, als Er die Seinen verließ! Hinfort sollten sie auf Erden keinen gemeinsamen Weg mehr mit Ihm gehen und kein: „Sehet, wir gehen hinauf nach Jerusalem“ mehr hören. Nie wieder konnten sie Seiner Stimme lauschen, nie wieder Seine segnenden Hände auf Kranken und Kindern sehen. Der Herr ging von ihnen, und doch blieb Er stets in ihrer Mitte (Mt 18,20). Wir verstehen es gut, dass die Jünger ihrem Herrn nachblickten, bis sie von den Engeln darin unterbrochen wurden.
Die Bedeutung der Himmelfahrt. Sie
ist der große Schlussakt des Erdenlebens unseres Herrn
Jesus Christus und gleichzeitig der Anfang einer ganz neuen Tätigkeit
für Gottes Volk. Der Herr hat die Menschen keineswegs erlöst, um sie
sich dann selbst zu überlassen, sondern ist immerdar mit ihnen und für
sie beschäftigt droben, zur Rechten Gottes. Durch Seinen Heiligen Geist
wirkt Er an Seiner Gemeinde weiter. Die Himmelfahrt mochte die Jünger an
Johannes 1,51 erinnert haben, als der Herr sagte: „Von nun an werdet
ihr den Himmel offen sehen.“ Und nun sahen sie ihn geöffnet! Die große
Kluft zwischen Himmel und Erde war aufgehoben und sie, die berufenen
Zeugen, sollten fortan allen den offenen Zugang zum Vaterhaus
verkündigen, auf dass alle, die an Ihn glauben und mit Seinem
vollbrachten Erlösungswerk rechnen, freien Zugang haben (
Der Tag der Auffahrt war ein bedeutungsvoller Tag, sowohl auf Erden als auch im Himmel. Zuerst wurde der Herr von Gott begrüßt und trat Sein Amt als Hoherpriester an (Heb 5,10). Gleichzeitig erhob Gott Ihn zum Herrn und Christus über alles (Apg 2,36). Er wurde hoch erhoben (Phil 2,9; Heb 12,2). Hinfort ist Ihm alle Macht und Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden (Mt 28,18). Gott hat Seinen Sohn zum König eingesetzt (Psalm 2,6; Mt 27,11; 1Kor 15,25; Heb 10,13). Ja, Er ist hinaufgestiegen über alle Himmel vor Gott und Seinen Thron, auf dass Er alles erfülle (Eph 4,8-10). Wenn des Herrn Hinabsteigen schon durch großen Jubel der Engel begleitet war, was erst muss Sein Hinaufsteigen gewesen sein (Lk 2,9; Psalm 24)?
Die Zeugen Seiner Himmelfahrt. Die Jünger schauten dem erhabenen Schauspiel zu. Plötzlich erschien jene lichte Wolke, welche den Herrn aufnahm, die prachtvolle Herrlichkeit, die Shekhinah, von welcher Jesus und Seine Jünger auf Tabor überschattet wurden (Mt 17,5). Diese Wolke war schon immer das Zeichen der Herrlichkeit und Gegenwart Jehovas (2. Mose 13,21,22; 40,34-35; 1Kön 8,10-11; Hes 10,4, 11,23). Es war der Wagen Gottes (Psalm 68,17-18; 104,3; 2Kön 2,11-12), welcher den wahren Propheten Gottes, den von Gott gesalbten, den König und Priester in Ewigkeit, zum Himmel führte.
Auch himmlische Wesen waren als Zeugen gegenwärtig. Zwei Männer in
weißen Kleidern standen plötzlich bei den Jüngern. Und gleich wie bei
der Geburt Christi die himmlischen Heerscharen erschienen, um den in die
tiefste Niedrigkeit Hinabgestiegenen zu offenbaren und über Seine
Ankunft auf Erden zu frohlocken, also begleiteten sie Ihn auch bei
Seinem siegreichen Einzug droben, wo die Tore der Herrlichkeit sich weit
öffneten, dass der König der Ehren einziehe. Die Jünger waren mit der
Himmelfahrt beschäftigt, die Engel aber mit Seiner Wiederkunft. Und
beide, Erlöste und Engel werden es sein, die mit Ihm wiederkommen
werden, wenn Er in Herrlichkeit erscheinen wird (Kol 3,4;
Der Triumph der Himmelfahrt. Er ist ein vielseitiger. Der Herr fuhr hinauf, um mit der Ihm eigenen, vorweltlichen Herrlichkeit wiederbekleidet zu werden (Joh 17,1-4). Der Versöhnungsdienst war vollendet (Heb 1,3); die Handschrift des Gesetzes, die gegen uns zeugte, zerrissen (Kol 2,14); Mächte und Gewalten entwaffnet.
Der Herr fuhr hinauf als Sieger über alle Feinde. Er hat Satan besiegt und der alten Schlange den Kopf zertreten (Joh 12,31; 16,11; Kol 2,15). Selbst der Tod, dieser letzte Feind, ist verschlungen im Sieg (1Kor 15,55). Gläubige sind nun von aller Todesfurcht befreit (Heb 2,15). Der Herr hat die Gefangenschaft gefangen geführt, die Erlösten Zions sind frei (Lk 4,18; Psalm 126)! Außerdem hat der Herr die Welt und die Sünde, die über uns herrschte, überwunden. Keiner muss weiter ihr Knecht sein (Röm 6,18).
Der Herr fuhr hinauf, um den verheißenen Heiligen Geist zu senden (Joh 7,39; 16,7; Apg 2,1-12).
Der Herr fuhr hinauf, um Sein Priesteramt auszuüben. Er ist mit Seinem eigenen Blute in das Heiligtum droben eingegangen und in der Kraft Seines Opfers erscheint Er für die Seinen (Heb 7,25; 9,24; 1Joh 2,1). Dort steht Er als der Repräsentant Seines Volkes und als Erstgeborener vieler Brüder (Joh 20,17; Röm 8,34).
Der Herr fuhr hinauf, um Seine Gemeinde, die da ist Sein Leib, zuzubereiten, um sie am Tage Christi ohne Fehl vor das Angesicht des Vaters zu stellen (Eph 5,25-27). Er ist auch hinaufgegangen, um uns Stätten zu bereiten (Joh 14,2; Heb 11,10).
Der Herr fuhr hinauf, um Israel Buße zu geben (Apg 5,31), und das wird geschehen bei Seinem Erscheinen in Herrlichkeit. Er gibt allen Buße, die an Ihn glauben (Off 2,21).
Der Herr fuhr hinauf, um Seine Heiligen zu empfangen. Das erlebte als erster Stephanus. Der Herr erhob sich vom Thron und empfing diesen mutigen Zeugen (Apg 7,55). Hier unten weinen wir hinter unsern Toten her, dort werden sie jubelnd empfangen.
Ein reicher Segen der Himmelfahrt. Zu wissen, dass Jesus lebt und sich zur Rechten Gottes für uns verwendet, ist uns ein kostbarer Trost. Wir haben einen Freund, einen Vertreter, einen Hohenpriester vor Gott (Heb 4,16; Joh 15,16) ! Obwohl Er so hoch erhoben ist, schämt Er sich nicht, uns „Brüder“ zu nennen (Heb 2, I1). Er hat Mitleid mit uns (Heb 4,15) und ist um alles besorgt.
Das Herrlichste ist, dass wir hinauffahren werden, wie Er hinaufgefahren ist. Er, der Erstgeborene vieler Brüder, der vorausging, Stätten zu bereiten, kommt wieder. Dann werden wir mit Ihm gemeinsam ins Vaterhaus gehen. Einzigartig war Sein Einzug als der große Siegesheld; was aber wird es erst sein, wenn Er mit allen Seinen Heiligen einziehen wird! Darum rufen wir mit dem Geiste: „Komme bald Herr Jesus.“ Bis dahin sind wir Seine Zeugen und verkünden allen die großen Taten Gottes.