Behandelter Abschnitt Mt 28,1-5
Die Auferstehung des Königs. Mt 28,1-5
Unter den verschiedenen Berichten über die Auferstehung des Herrn ist der des Matthäus am kürzesten. Er bringt nur die Tatsache als solche. Wenn dieser Bericht jedoch fehlte, so wäre alles Vorhergehende wertlos. Die Himmelfahrt Christi vermissen wir gänzlich; jedoch das ist verständlich, wenn wir bedenken, daß Matthäus den Herrn als den König Israels in Seinem Reich auf Erden darstellt. Mit drei Gegenständen schließt dieses schöne Buch ab:
1. Mit dem kurzen Bericht über die Auferstehung.
2. Mit dem Lügenbericht der Juden.
3. Mit dem Missionsbefehl an die versammelten Jünger.
I. Die scheinbare Niederlage des Königs.
Die schreckliche Absicht der Juden, den Herrn zu töten, war ihnen gelungen. Da lag der Herr des Lebens im Staube des Todes, genau so wie andere Menschen. Das war kein Scheintod; denn von allen Seiten wurde bestätigt, daß der Herr gestorben sei. Die religiösen Führer waren völlig blind und kannnten die Schrift nicht. Sie wußten nicht, daß Christus solches leiden mußte, daß Er für sie und uns am Kreuze zu sterben gekommen war. Der Herr hatte gesagt: "Um dieser Stunde willen bin ich in die Welt gekommen." Ja, Er war gekommen, um uns zu Gott zu bringen, und das war nur möglich, indem Er für unsere Sünden starb.
Obwohl alles ganz ruhig schien, waren es Israels Führer doch nicht; darum stellten sie, um das Grab zu sichern, Soldaten davor. Jedoch diese konnten gewiß den Herrn nicht im Grabe halten. Alle getroffenen Vorsichtsmaßregeln vergrößerten nur die Niederlage und lieferten noch größere Beweise für die Auferstehung. Jesus ist Sieger!
II. Der große Sieg.
Der dritte Tag war angebrochen, und gemäß dem Schriftzeugnis und dem des Herrn selbst sollte Er an diesem Tage auferstehen. Und so geschah es. Gott hat Ihn auferweckt aus den Toten (Apg 2,32). Das Zeichen des Jona war nun erfüllt. Die Auferstehung geschah nicht etwa durch die Hilfe des Engels, um den Herrn aus dem Grabe zu befreien, nein, niemals! Der Engel, der vor den Frauen den Stein wegwälzte, lud sie ein, die Stätte, da der Herr lag, zu besichtigen. Kein Auge sah die Auferstehung, das Grab war versiegelt und bewacht. Die Soldaten erschraken nicht wegen der Auferstehung, sondern vom Anblick des Engels.
Wir sehen oft Engel in Verbindung mit dem Herrn. Sie verherrlichten Seine Geburt (Lk 2,9-14; Mt 1,20; 2,19). Engel dienten Ihm nach der Versuchung (Mt 4,11). Ein Engel stärkte Ihn in Gethsemane, und ein Engel hütete den Leichnam. Sie bildeten die Leibgarde des großen Königs. So wurde der größte Sieg zuerst von Engeln gesehen und verkündigt, genau so wie Seine Geburt.
III. Die Siegesboten.
Der Triumph des Königs mußte schnellstens verkündigt werden. Die Sache des Königs hatte Eile (1Sam 21,9). In Blitzesschnelle war der Engel herniedergekommen und hatte die Soldaten wie zu Tode erschreckt (Vers 4). Im Nu wälzte er den Stein von der Gruft, der die Sorge der Frauen war, und zeigte ihnen das leere Grab. Welch ein Sieg! Unlauteres war hier unmöglich, also Jesus war auferstanden und lebte.
Der erste Siegesbote war der Engel in schneeweißem Kleide. Mit dem Erscheinen des Engels geschah gleichzeitig ein großes Erdbeben. Doch nachdem der Engel seinen Dienst getan hatte und die Frauen von der Auferstehung überzeugt waren, trugen sie die Botschaft weiter. Wer waren diese Frauen?
Maria Magdalena und die andere Maria. Maria Magdalena stand im Vordergrund, sie war das geeignetste Werkzeug; denn aus ihr hatte der Herr sieben Dämonen ausgetrieben. Als sie die Auferstehung geglaubt hatte, ließ sie sich durch nichts aufhalten, sie vergaß ihre Salben, die sie gebracht hatte, und führte auf dem schnellsten Wege die wichtigste Botschaft aus. Von ihr wollen wir lernen, des Herrn Sache zuerst zu treiben. Der Glaube in ihre Botschaft sollte bald wachsen; denn plötzlich sah sie den Auferstandenen selbst. Welch ein Ereignis, den zu sehen, um den sie so viel geweint hatte. Sie hatte bereits dem Engel geglaubt, aber erst jetzt war die Freude vollkommen und der Glaube unerschütterlich. Das war kein Traum, auch kein Geist, der ihr erschienen war. Boten Gottes müssen von ihrer Botschaft völlig überzeugt sein, nur dann trägt sie Frucht.
Beachten wir noch, zu wem sie gehen mußte. Der Engel schickte sie zu
den Jüngern (Vers 7), der Herr aber sandte sie zu den Brüdern. Ja, zu
den Brüdern, die sich Seiner geschämt hatten und geflohen waren, - aber
Er schämt sich nicht, sie Brüder zu nennen (Heb 2,11-12;
IV. Das große Resultat dieses Sieges.
Die Früchte und Folgen der Auferstehung Christi sind so vielseitig, daß sie hier unmöglich alle angeführt werden können. Doch lesen wir nur einige Schriftstellen, die des Herrn gänzlichen Sieg über den Tod beweisen. Des Herrn Auferstehung ist:
1. Ein Beweis, daß Er der Sohn Gottes ist (Röm 1,4).
2. Ein Beweis, daß Satan überwunden ist (Heb 2,14).
3. Ein Beweis, daß das Heil vollbracht ist (Röm 4,25).
4. Ein Beweis für unsere eigene Auferstehung (1Kor 15,20-22).
5. Ein Beweis, daß wir selbst Leben besitzen (Röm 6,4, 13).
6. Ein Beweis, daß Er kommen wird, zu richten (Apg 17,31).
7. Ein Beweis, daß Er Herr über alles ist (Apg 2,36; Eph 1,19,23; Phil 2,9). Freuen auch wir uns dieses herrlichen Sieges, wie jene Frauen, und verkündigen wir ihn mit Macht.
Maria Magdalena. Mt 28,1.
Maria Magdalena, d. h. Maria von Magdala. Dort war sie geboren und aufgewachsen, daher hatte sie diesen Namen. Beachten wir ihr Leben und vor allem ihr Verhalten unter dem Kreuz und am Grabe des Herrn.
I. Ihre Vergangenheit (Lk 8,2; Mk 16,9).
Sie war sehr dunkel; denn sie war einst von sieben Dämonen besessen, folglich eine direkte Behausung Satans. Diese Maria Magdalena ist nicht jenes Weib in Lk 7,37, wie manche meinen. Besessene, die öfters wüten und toben, leben kaum in solchen Sünden. Maria Magdalenas Gebundenheit war eine andere. Sie war in der schrecklichsten Gewalt Satans, was die Zahl 7 bestätigt. Sie war einst der Schrecken von ganz Magdala.
II. Ihre Heilung.
Heilungen von Besessenen geschehen nicht in Irrenhäusern oder durch Arzneien, sondern nur durch Gottes Kraft, durch das Gebet des Glaubens. Da muß der Stärkere den Starken austreiben. Der Herr wird Maria durch ein Machtwort geheilt haben. Welche Freude für sie und alle anderen, als die Dämonen aus ihr ausgetrieben waren.
III. Ihr weiteres Verhalten.
In Lk 8,23 wird Maria Magdalena mit anderen zusammen genannt, die dem Herrn mit ihrer Habe dienten. Welch eine Herablassung, daß sich der Herr dem Engel dienten, sich von einer einst so Gebundenen dienen ließ. Scheinbar war sie ledig, was bei einer Besessenen selbstverständlich ist. So hinderte sie nichts, dem Herrn nachzufolgen. Die einst von Satan Gebundene war jetzt eine Sklavin Jesu Christi. So soll es bei allen sein, die Christi Rettermacht erfahren haben.
Besonders aber tritt Maria Magdalena unter dem Kreuz und am Grabe hervor. Sie folgte dem Lamme nach, wohin es ging. Von ferne stand sie mit anderen Frauen auf Golgatha und schaute ihren leidenden Herrn mit tränenden Augen an. Sie harrte dort aus bis zuletzt. Alle Jünger waren geflohen, sie aber näherte sich dem Kreuze, sobald Golgathas Hügel sich leerte. Wie wird sie sich bei der Grablegung behilflich gezeigt haben. Und nachdem selbst Josef von Arimathia und Nikodemus schon weggegangen waren, harrte sie noch immer mit einigen andern am Grabe als treue Wächterin aus. Nur das Sabbatgesetz, dem sie als Jüdin unterworfen war, konnte sie davontreiben. Kaum war der Sabbat vergangen, sehen wir sie mit der anderen Maria wieder zum Grabe eilen. Sie war die Letzte am Grabe und die Erste an der Gruft. Der Herr füllte ihr ganzes Denken aus. Liebe trieb sie zur Gruft, sie wollte ihren Herrn noch im Tode ehren (Mk 16,1). Ihr Wissen war mangelhaft, ihre Liebe jedoch stärker als der Tod. Noch einmal das teure Angesicht dieses Toten zu sehen, war ihre Herzenssehnsucht!
IV. Ihr großes Ostererlebnis.
1. Die Engelserscheinung. Kaum am Grabe angelangt, erschien ein Engel des Herrn, von einem Erdbeben begleitet, und plötzlich verschwand der große Stein vom Grab. Nun war der Weg ins Grab frei! Aber welch ein Entsetzen erfaßte die Frauen!! Es erging ihnen ähnlich wie der römischen Wache am Grabe. Wenn sogar Fürstentümer und Gewalten bebten, als der Herr erstand, wievielmehr dann diese schwachen Frauen. Dem Entsetzen folgte alsbald das bekannte Trostwort: "Fürchtet euch nicht!" Der Engel wußte, daß sie Jesum suchten, und es ist, als sage er: Wichtiges ist seither geschehen, denkt doch daran, daß Jesus euch Seine Auferstehung voraussagte. Wie wird den Frauen das Licht über die 3 Tage, von denen der Herr so oft geredet hatte, aufgegangen sein.
2. Die Besichtigung des Grabes. "Kommt und sehet die Stätte, da Er lag." Behutsam gingen sie hinein, sahen zwar die Leinentücher, Ihn aber nicht. Er war auferstanden! Nun schwand der letzte Zweifel, wie der Nebel vor der Sonne.
3. Der Engelsauftrag (Vers 7). "Gehet hin und saget Seinen Jüngern." Welch eine Siegesbotschaft, welch ein Jubel! Mit großer Furcht waren die Frauen gekommen, und mit großer Freude gingen sie davon. Der Glaube an den Auferstandenen erfüllte sie mit großem Eifer und Zeugenmut.
4. Das größte Erlebnis. Auf dem Wege der Pflichterfüllung begegnete ihnen der Herr. Die Einzelheiten darüber erwähnen die andern Evangelisten. Johannes sagt, daß der Herr zuerst der Maria Magdalena allein erschien. Warum aber offenbarte sich der Herr zuerst einem Weibe und nicht den Aposteln? Weil Er sich stets da zuerst zu erkennen gibt, von wo Ihm die innigste Liebe entgegenströmt. So heiß wie Maria, liebte ihn keins der andern, die zum Grabe gekommen waren. Wir trachten mehr nach der reinen Lehre, der Herr aber nach der reinen Liebe. Wie schmerzlich vermißte Er diese Liebe bei Ephesus, da dort alles andere so reichlich vorhanden war (Off 2. 1-7). "Seid gegrüßt", erklang es plötzlich von den Lippen des Auferstandenen. Maria erkannte Ihn, und im nächsten Augenblick lag sie zu Seinen Füßen. Wer kann ihre Freude beschreiben?
5. Der erweiterte Auftrag. Es war auf dem Wege des Dienstes, da sich der Herr Maria offenbarte. Dienen wir auch? Maria diente zuerst mit ihrer Habe und nun als Zeugin. Leichten Fußes eilten die Frauen davon, schneller als jene 4 Aussätzigen (2Kön 7), die das reiche Lager der Syrer entdeckt hatten. Wie Miriam und Debora durften sie Siegesbotinnen sein. Frauen nehmen am Anfang und am Ende des Evangeliums einen bedeutenden Platz ein. "Er lebt", so ertönte es fortan fröhlich aus ihrem Munde.