Behandelter Abschnitt Mt 3,13-17
Die Taufe Jesu. Mt 3,13-17.
Leute aller Stände, die Johannes zum Teil kannte, waren zur Bußtaufe gekommen. Nun aber erschien ein Täufling vor ihm, dessen Heiligkeit bekannt war, der sich in jeder Weise unterschied von den andern, die zur Taufe gekommen waren. Johannes weigerte sich den Herrn zu taufen. Wieso kommst Du zu mir, bist Du denn auch ein Sünder, daß Du zur Taufe kommst? Dann bedarf ich zu Dir zu kommen und nicht Du zu mir. Der Herr wolle dieses Wort an uns segnen.
I. Des Herrn erster Schritt ins öffentliche Leben.
Bis dahin war der Herr der Unbekannte in der Zimmermannswerkstatt. Plötzlich trat Er in die Öffentlichkeit. Dabei ist seine erste Handlung darauf hinweisend, wofür Er gekommen war, nämlich zu sterben, denn die Taufe ist Sinnbild des Sterbens und des Begrabenseins. Gleichzeitig wurde hier der Herr zu Seinem dreifachen Amt gesalbt. Nach der Weise und Reihenfolge der Leviten, die erst gewaschen, dann mit Blut besprengt und zuletzt mit Öl gesalbt wurden (2. Mose 29,4-7; 3. Mose 8). Der Herr wurde als Prophet, Priester und König gesalbt. Als Prophet ist Er mit der einen großen Botschaft vom Vater betraut, der bekundete: "höret Ihn" (Mt 17,5). Als Priester begann der Herr Seinen Dienst, nachdem Er sich selbst geopfert hatte (Heb 9,14), indem Er hinging, um für uns zu erscheinen (Heb 7). Als König wird Er dereinst erscheinen und über die Erde herrschen (Ps 2,7).
II. Der Schrecken des Täufers.
Wir sahen bereits, daß Johannes vor dem Herrn zurückschrak und sich weigerte, Ihn zu taufen, weil er Seine Heiligkeit erblickte. Sie trat also vom Anfang Seines Dienstes hervor, deshalb die Worte des Täufers: "Du kommst zu mir?" Welch ein Zeugnis! Johannes kannte den Herrn nur als makellosen Menschen, nicht aber als Gottessohn, als Messias; das sollte nun bei der Taufe geschehen (Joh 1,33). Johannes hatte sich den Messias ganz anders vorgestellt, etwa so, wie er Ihn in Vers 10-12 beschrieben hat, mit Axt und Worfschaufel, um das Faule zu fällen und das Nichtige zu verbrennen. Bald aber erfuhr Johannes, daß des Herrn Kommen zunächst eine ganz andere Aufgabe hatte, nämlich die, als Lamm Gottes der Welt Sünde zu tragen, wie er es ja auch bald selbst bezeugte (Joh 1,29). Die herniedersteigende Taube sollte ihn darüber belehren.
II. Es gebühret uns alle Gerechtigkeit zu erfüllen.
Weil kein Israelit die Gerechtigkeit Gottes erfüllte (5. Mose 6,25),
so gab ihnen Gott die Taufe zur Buße, wodurch sie sinnbildlich den
wohlverdienten Tod für ihre Sünden verkündigten. Der Herr, der wie jeder
Israelit unter das Gesetz getan worden war, erfüllte alle Ansprüche des
Gesetzes. Er wurde beschnitten, wiewohl an Seinem Herzen keine Vorhaut
war. Er wurde gelöst, obwohl Er selbst der Löser war. Er nahm am Passah
teil, wiewohl Er selbst das eine Passahlamm war, das von aller
Knechtschaft befreite. Und hier unterwarf Er sich der Taufe. Sie war ein
Vorbild von jener, vor der Ihm bangte (Lk 12,50). Die Taufe am Anfang
Seines Dienstes ist hinweisend auf diejenige am Ausgang Seines
Erdenlebens, auf Seinen Tod und auf Seine Auferstehung. Ja, Er erfüllte
alle Gerechtigkeit durch Sein Sterben, und diese kommt nun allen, die an
Ihn glauben, zugute. Dadurch stehen wir als Gerechte vor Gott (
III. Die Taube.
Als der Herr aus dem Wasser stieg, öffnete sich der Himmel und der Geist kam auf Ihn hernieder in Gestalt der Himmel und einer Taube. Der Herr war vom Hl. Geist gezeugt und wurde nun vom Geiste für Seinen Dienst gesalbt (Apg 10,38), und durch denselben, ewigen Geist opferte Er sich. Und diesen Geist, den Er vom Vater empfing, gab Er den Seinen. So genießen wir nicht nur allein Seine Gerechtigkeit, sondern sind durch einen Geist mit Ihm verbunden.
Die Taube ist das Bild der Reinheit, der Harmlosigkeit und vor allem der einzige Vogel zum Opfer (3. Mose 12,6-8). Wie hier die Taube über dem Wasser flog, so flog sie einst über den Gerichtswassern, über der Arche, indem sie den Ölzweig brachte und damit Frieden verkündete. Ähnliches lernen wir bei der Taufe Christi, das Todesgericht ist vorbei, und der Himmel kann sich wiederum öffnen, um der Taube, dem Hl. Geist, den Weg zu uns zu bahnen.
Gleichzeitig finden wir hier ein Bild der Dreieinigkeit. Der Sohn, der in den Fluten des Jordan steht und alle Wogen und Wellen des Gerichtes über sich ergehen läßt. Der Hl. Geist, der herniederkommt, und der Vater, der Sein Wohlgefallen an Seinem Sohn bekundet.
V. Die Stimme aus dem Himmel.
Der Sohn wurde vom Himmel begrüßt, auf Erden aber nicht aufgenommen. Dem, der hier für nichts geachtet wurde und symbolisch in den Tod ging, wurde die ganze Anerkennung des Vaters zuteil. Darum liebte Ihn der Vater, weil Er Sein Leben ließ.
Wir sehen hier
1. eine wunderbare Kanzel. Der Himmel öffnet sich.
2. Hören wir den größten Prediger - der Vater redet. Früher hatten Engel die Geburt Christi verkündigt. Die Weisen waren gekommen, Ihn anzubeten, aber des Vaters Stimme war noch nie gehört worden. Jetzt aber, da Er für uns in den Tod ging, bekundet der Vater all Sein Wohlgefallen.
3. Hören wir die gewaltigste Predigt, und zwar die über den geliebten Sohn.