Behandelter Abschnitt Ps 87,1-7
Die Herrlichkeit Zions Psalm 87
Zion ist in der Schrift mehr besungen als irgend ein Ort der Welt. Alle Nationen rühmen und besingen ihre Städte. Der Franzose Paris, der Engländer London, der Russe Moskau usw., aber diese Städte sind nicht Orte der Anbetung, sondern schlimmer als Sodom und Gomorra, die der Sünde wegen von Gott vertilgt wurden, was auch den jetzigen Lasterhöhlen widerfahren wird. Ganz anders ist es mit Zion. Warum ist es so besungen?
Weil Gott selbst es erwählt hat (Ps 132,13). Warum nicht andere bekannte Orte wie Bethel, Haus Gottes, oder Bethlehem, da der Herr geboren wurde? Die Frage der Erwählung, sei es wie hier Zion, oder gewisse Menschen, wie David zum König, oder uns heute zu Seiner Gemeinde, bleibt unerklärlich (Eph 1. 4).
Zion ist erhaben über alle Berge. Warum? Weil Gott es zu Seiner Wohnung erwählt hat. Dahin kam als erstes die Bundeslade. David hatte für sie ein Zelt errichten lassen, worin sie vorübergehend untergebracht war, bis sie im Tempel Aufnahme fand. David hatte sie aus dem Hause Obed‑Edoms nach Jerusalem überführt und jauchzte und tanzte vor Freude vor ihr her.
Zion ist die Stätte des Königs und damit der Ort der Gesetze; von hier aus wird dereinst das Gesetz durch die ganze Welt gehen: Sie wird auch die Stadt der Gerechtigkeit genannt.
Zion war und wird wiederum der Ort der Anbetung sein, denn der Heilige, sein König, wohnt in ihrer Mitte. Es ist der Ort göttlicher Herrlichkeit. Wie einst die Cherubim auf dem Sühnedeckel waren, worin der Herr in der Mitte wohnte, so wird der Herr dereinst in Zion wohnen, umgeben von größter Herrlichkeit und Schönheit.
Zion ist der Ort der Anbetung und der Huldigung Gottes. Als der Herr in Bethlehem geboren wurde, kamen ihrer einige nach Jerusalem, um dem neugeborenen König Huldigung darzubringen. Sie öffneten ihre Schätze und brachten dem Kindlein: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dereinst aber werden alle Nationen der Welt kommen, um den König der Könige zu ehren; sie werden Ihm in noch ganz anderer Weise ihre Schätze öffnen und Geschenke bringen. Man lese Stellen wie Ps 68,30; 72,10; Jesaja 61,11.
Zion ist besungen wegen seiner Sicherheit, Jerusalems Berge sind um dich her. Jerusalem ist bekanntlich von vielen Hügeln umgeben, die der Stadt Sicherheit gewähren, darum erhoben über alle andern Städte. Alle, die dem Herrn vertrauen, werden mit dem Berge Zion verglichen, der ewiglich feststeht (Ps 125,1). Aber wer vermag die Sicherheit des einzelnen Gotteskindes zu begreifen? Es ist sicher in Jesu Armen, sicher an seiner Brust. Der Herr sagt: „Dass sie niemand aus seiner Hand reißen kann“ (Joh 10,28.29).
Herrliches ist von dir geredet, du Stadt Gottes. Sie ist herrlich in ihrer Lage, herrlich in ihren Palästen und Hainen. Die Stadt bietet alles, was das Herz begehrt. Hier setzt der Sänger ein Sela. Er will sagen, stehe still und bewundere die einzige Stadt, von der mehr gesagt werden kann als von allen Städten der Welt. Babylon oder Damaskus, die als die ältesten Städte bekannt sind; was sind sie im Vergleich zu Jerusalem! Aber was für ein Unterschied besteht erst gegenüber der Gemeinde und unserem Jerusalem, der Mutter aller Gläubigen! Die Bewohner von Jerusalem waren froh und stolz über ihre Stadt. Sind wir es auch in Bezug auf unser «Zion», die Gemeinde? Wenige wissen, dass die Gemeinde des Herrn die Grundfeste der Wahrheit ist! Wer kennt ihre Breite, Länge, Tiefe und Höhe, um zu ermessen die alle Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus?, auf dass ihr erfüllet sein möget zu der ganzen Fülle Gottes. Hier sollten wir alle ein Sela setzen und nachdenken, was uns geschenkt ist! Die Gemeinde, von der der Herr selbst das Haupt und wir die Glieder sind. Wer kann sich ausdenken, was sie dereinst sein wird, wenn wir droben einziehen werden!
Wer in Zion geboren ist, ist stolz darauf. Kürzlich rühmte sich ein junger Jude, dass er in Jerusalem geboren sei (Vers 6). „Jahwe wird schreiben beim Verzeichnen der Völker: Dieser ist daselbst geboren.!“ Sela. Hier gilt es für jeden Leser, ein Sela zu setzen (Mk 11,25). Hier auf Erden schon ist es für jedermann wichtig, registriert zu sein. Jedermann trägt heute auf Reisen seinen Paß bei sich, denn ohne denselben gelangt er nicht an sein Ziel.
Das ist ganz besonders wichtig für jedermann. Jesus sagt es mit Nachdruck allen, die selig werden wollen: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ Johannes 3,5-7. Wer das Bild der Schrift, welches sie vom natürlichen Menschen entwirft liest, muss erschrecken (Jes 1,6; Jer 17,9). Vor wem sprach der Herr die Worte in Markus 7,21-23? Vor religiösen Menschen. Selbst Menschen in Gemeinden von Gläubigen sollen nicht an Stellen wie Offenbarung 3,17.18 vorübergehen, ohne sich zu prüfen (Mt 7,21). Wer heute zur Welt kommt, wird als Bürger am Geburtsort registriert. Jeder Mensch, der die neue Geburt erlebt, wird im obern Jerusalem eingetragen.
Manche Menschen rechnen mit der Gnade beim Tode, der sogenannten Schächergnade; die Schrift aber sagt: „Heute, so ihr Seine Stimme höret, so verstocket euer Herz nicht“ (Heb 7-8). Die Wiedergeburt ist keine Einbildung, wie manche sagen: nein, sie ist ein glückseliges Erlebnis (1Joh 5,1; 2Kor 5,17). Wir sehen es bei den ersten Christen (Eph 2,4-6; Tit 3,3-7; Röm 6,11-13). In ihrem Wandel bringen sie den Beweis ihres Bürgertums, sie trachten nach dem, was droben ist (Kol 3,1-3; Phil 3,20-21).