Behandelter Abschnitt Ps 86,1-17
Haltet an am Gebet Psalm 86
David war ein Beter, das haben wir oft gehört. Wie anders könnte jemand zu dem Titel „Mann nach dem Herzen Gottes“ gelangen, wenn er nicht an Gottes Herzen ruhte. Auch dieser Psalm ist ein Gebet und aller Nachahmung wert. Worum bittet David?
Um Audienz wie bei einem König. Er will von Ihm empfangen werden. Er ist sich seiner eigenen Unwürdigkeit bewusst, darum die Bitte um Herabneigung zu ihm. Als Untertan seines Königs bittet er um die Gnade, empfangen und gehört zu werden. Er denkt an seine Herkunft, dass er nur ein armer Hirtenknabe war, Du aber bist der große Herr und König des Himmels und der Erde; gewähre mir die Gnade, Dich zu sprechen, neige Dein Ohr mir zu! Worum bat David?
Um die Erhaltung seiner Seele. Bewahre meine Seele, rette Deinen Knecht. David war von vielen Feinden umgeben, die nach seiner Seele trachteten. Saul unternahm alles, um ihn umzubringen. Heute bitten wir weniger um unser Leibesleben, weil wir Ruhe im Lande haben, als vielmehr darum, weil Missgönner uns moralisch zu Grunde richten möchten.
Seine weitere Bitte. Sie war um Gnade, sei mir gnädig, Herr. Jedes Kind Gottes kennt sein vieles Versagen und meint, es dürfe darum nicht mehr diesem großen Gott nahen. Das war im alten Bund gut erklärlich, weil sie noch nicht wie heute das Abba, lieber Vater, kannten.
Eine weitere Bitte war um Freude. Erfreue die Seele Deines Knechtes. Wenn Du mich erhörst und bewahrst, so will ich in meinem Gott jubeln. Das ist selbst in den härtesten Lagen möglich (lies Apg 16,25; Hiob 35,10; 1Pet 4,13; Phil 4,4).
Davids Ermunterung und Grund zum Beten. Er sagt: „Denn Du, Herr, bist gut.“ Güte ist Sein Wesen. Was wollten wir ohne sie? Er hat sie besonders dadurch bewiesen, dass Er für unsere Rettung Seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat; dann fragen wir mit David: „Wie soll ich dem Herrn vergelten alle Seine Wohltaten?“ (Ps 116,12.) Vergessen wir nicht, wie oft Er unsere Sünden vergeben hat und da“ Er immer wieder bereit ist zu vergeben (Mt 18,21.22). Denken wir an Seine lückenlose Treue; sie ermuntert zu neuem Bitten. David rechnet auch mit der Erhabenheit Gottes. Du bist größer als alle Götter. Viele beten zu den stummen Göttern, die nicht hören. Aber du hörst und rettest, selbst aus dem Bauch des Fisches (Jona 2, I1).
Du vermagst alles, das beweist die Schöpfung, die Dich preist. Was aber dem Psalmisten besondere Genugtuung gab, war die Gewissheit der Erhörung. Er selbst hat die Zusage der Erhörung gegeben (Ps 50,15).
David denkt an schwere Tage (Vers 7). Er hat sie reichlich erfahren. Bei vielen dauern sie länger wie bei ihm oder bei Joseph, der 13 Jahre unschuldig im Gefängnis lag und bei andern, wie bei den drei Männern im Feuerofen, bei Daniel währten sie nur kurze Zeit, aber ob so oder anders, Er ist der Gott, der rettet. Er vermag die Tage der Not zu verkürzen und sie in Freude umzuwandeln.
Ich will anrufen den Namen des Herrn. Das Vorrecht haben wir alle. Die Zusage lautet: „Wer den Namen des Herrn anruft, soll errettet werden.“ „Alle eure Sorge werfet auf Ihn, denn Er sorget für euch.“ David rief Ihn an:
Weil Gott es selbst befiehlt (Ps 50,15)
Weil Er uns stets errettet hat (l. Mose 32, 24. 25; 2Kor 1,10) Weil Er allmächtig ist zu helfen (Heb 2,18).
Eine Bitte um Leitung. Lehre mich, Herr, Deinen Weg. Er will ihn nicht nur wissen, sondern gehen, selbst wenn er hart ist. Der Herr zeigt ihm den Weg im voraus, denn alle Tage unseres Lebens sind in Seinem Buch eingetragen. Unser Weg ist zuvor bestimmt. Oft hat David den Herrn um Seinen Weg befragt, und gehorsam ging er ihn.
Eine ernste Bitte um Befreiung. Er beklagt sich über das, was die Gottlosen mit ihm vor hatten; sie trachteten nach seinem Leben. Sie sind zahlreich und mächtig. Sie haben ihre Tat nicht bedacht, dass sie dafür vor Gericht gezogen werden. Beachte sein Gebet in Vers 16. Er bittet um dreierlei: „Wende Dich zu mir, nimm Dich meiner an, sei mir gnädig, lass sie auch bei mir täglich neu werden und gewähre Deinem Knechte Kraft.“ Die Erhörung hat er so oft in Nöten erlebt und darf erneut darum bitten. Oft erhört Er, ehe wir bitten, Er will vor allem, dass Seine Befreiung Gott ehre und die Gottlosen erkennen müssen, dass Er lebt und sie sich fürchten und umkehren von ihren bösen Wegen.
Das Vorhaben Davids. Er will den Herrn preisen. Er will nicht handeln wie jene neun undankbaren Aussätzigen, die der Herr geheilt hat, sondern er will danken. Er will seinen Dank beweisen durch treuen Wandel. Ich werde wandeln in Deiner Wahrheit. Im 3. Johannes 4 schreibt der Apostel: „Ich habe keine größere Freude als die, dass ich höre, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln.“ David will also den Herrn verherrlichen in seinem Leben durch seinen Wandel. Als König will er seinem Volk ein Vorbild sein. Das sollten alle Königskinder, und das sind wir. Eltern sind stolz auf Kinder, die ihnen Freude machen und einen guten Ruf in ihrer Umgebung haben. Paulus schreibt: „Wandelt würdig des Evangeliums des Christus, sei es, dass ich komme und euch sehe oder abwesend von euch höre, dass ihr feststeht in einem Geiste, indem ihr mit einer Seele mitkämpfet mit dem Glauben des Evangeliums“ (Phil 1,27).