Behandelter Abschnitt Ps 84,1-4
Verlangen nach den Heiligtümern Gottes Psalm 84,1-4
Der Psalmist befindet sich offenbar fern von Zion, wohl auf der Flucht vor Absalom. David, der das Heiligtum mehr liebte als alle Schätze der Welt, vermisste es überaus und drückt hier seine Sehnsucht nach den Altären aus. Hier sehen wir wahres Heiligungsleben. Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott, in Seinem Hause zu wohnen. Jeder, der diese Sehnsucht pflegt, ist praktisch einer, der in der Heiligung steht (1Thes 5,23).
Der verbannte König. Als David Jerusalem verließ, ging er weinend über den Bach Kidron hinüber zum Ölberg. Den gleichen Weg ging später Der, welcher der Sohn Davids genannt wird (Joh 18,1). Er hat auch viele Tränen vergossen (Heb 5,7). Davids größter Schmerz war der Verlust der Heiligtümer. Viele sogenannte Christen rasen an Sonntagen mit dem Auto durch die Lande, anstatt unter das Wort zu gehen oder sich für den Herrn zu betätigen. Nimm dir an David ein Beispiel.
Davids Liebe zum Hause des Herrn. Wie lieblich sind Deine Wohnungen. Beachten wir, dass er in der Mehrzahl redet, Wohnungen, also Vorhof und Heiligtum. Er denkt an die tiefe Bedeutung beider Teile, ausgedrückt durch die zwei Altäre, von denen einer im Vorhof stand, zugänglich für alle (das Kreuz), der andere im Heiligtum: Jesus, unser Hoherpriester. Das war Davids Liebe, nicht wie Salomo nach seinen Frauen, sondern nach dem Herrn. Das ist beschämend für viele Christen von heute.
Das Heiligtum ist der Ort lieblichster Gemeinschaft untereinander, besonders aber mit dem Vater und mit Seinem Sohne Jesus Christus. Ist das auch unseres Herzens Verlangen? Der Psalmist hebt besonders die Altäre hervor. Im Geiste sehe ich den Herrn am ehernen Altar, d. h. am Kreuz, da Er Sein Blut für mich vergoss. Aber ebenso am goldenen Altar, da Er als der große Hohepriester und Advokat für mich vor Gott eintritt (Heb 7,25). Ich bestaune die Vaterliebe und sage mit Paulus: „Gott aber sei Dank für Seine unaussprechliche Gabe“ (2Kor 9,15). Hier darf ich weilen in Buße, Gebet, Danksagung und vor allem in Anbetung und darf weitere Gnade empfangen (Heb 4,14-16).
Hier ist der Ort der Belehrung. Hier hörte der Zöllner das Wort, das zweischneidige Schwert durchbohrte sein Herz, und dort wurde er ein neuer Mensch und ging gerechtfertigt in sein Haus (Lk 18). Hierher kam Asaph, der am Straucheln war, und kam wieder zurecht (Ps 73). Hier stehen die Priester an heiliger Stätte und verkündigen das Wort. Hier offenbart sich die Heiligkeit Gottes, und hier beruft Er Seine Diener wie Jesaja (Jes 6,8; 1Sam 3,10-14).
Hier ist der Ort der Gemeinschaft der Heiligen. Wie lieblich sehen wir sie in Apostelgeschichte 2. Da fehlte keiner, das Gegenteil, alle waren beisammen im Gebet. Hier ist auch keiner, der Mangel hat, sondern Überfluss, alle haben den Beutel offen für die Bedürftigen, für die Mission, denn alles gehört dem Herrn. Wir sind nur Seine Verwalter, und es ist unser großes Vorrecht, dem Herrn damit zu dienen. Hier ist der Ort des Gebets. „Die da stehen in den Nächten in dem Hause des Herrn“ (Ps 134,1). Sie heben ihre Hände im Heiligtum empor und loben den Herrn. In Heb 10,19 werden wir eingeladen, in das Heiligtum vor den Gnadenstuhl zu treten. Hier stand der goldene Altar, wo der Hohepriester für sein Volk eintrat. Wer das alles bedenkt, sagt mit dem Psalmisten: Wie lieblich sind Deine Wohnungen, und druckt sein ganzes Verlangen nach dem Heiligtum aus (Psalm 63). Wir verwundern uns nicht, dass David, der der Mann nach dem Herzen Gottes genannt wird, dass sein Inneres nur nach Ihm verlangte, Ihn zu loben für Seine Güte. Im Heiligtum ist noch vieles zu finden. Im Heiligtum ist Fröhlichkeit, ist Gesang (Ps 30,5; Jes 12,5.6), und Bewahrung vor dem Feinde (Ps 27,6).
Die Art, wie der Psalmist über das Heiligtum spricht. Er nennt es seine Lieblichkeit. Nach außen hatte die Stiftshütte nichts Anziehendes, was auch vom Herrn gesagt wird. Er hatte keine Gestalt noch Schöne, aber innen drin war alles aus reinem Gold. Wir schauen in Jesu Herz und beten an.
Beachte sein Verlangen: „Meine Seele sehnt sich.“ Es war ein viel tieferes Schreien als das eines Kindes nach den Eltern oder des Bräutigams nach der Braut.
Es schmachtet meine Seele. Hier klingt es ähnlich wie in Psalm 42, „Meine Seele dürstet“, etwa wie der lechzende Hirsch nach frischem Wasser, weil nur hier jede Sehnsucht gestillt wird.
Mein Herz und mein Fleisch sind voller Sehnsucht. Beim Nachdenken über solches Verlangen erfüllt Scham unser Herz, weil wir nicht in einem solchen Liebesverhältnis zu unserem Herrn stehen. Oft muss der Herr klagen: Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlassen hast (Off 2,4.5). Bedenke, wovon du gefallen bist, tue Buße und tue die ersten Werke. Denken wir doch an unsern anbetungswürdigen Herrn, an Sein Kreuz, wo der letzte Tropfen Seines kostbaren Blutes uns zugute floss. Hier hören wir einen Zinzendorf singen: „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesu offenbart“, er singt weiter, „ich will anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken“. Hier ist Freude die Fülle (Ps 16,11; 32,11) und eine unbeschreibliche Hoffnung, die unser Herr mit tiefem Sehnen ausspricht: „Vater, Ich will, dass die, die Du Mir gegeben hast, bei Mir seien, wo Ich bin.“ Warum? Auf dass sie Meine Herrlichkeit sehen, die Du Mir gegeben hast (Joh 17,24).