Behandelter Abschnitt Ps 80,1-8
Der Hirte Israels Psalm 80,1-8
Der Psalm beginnt mit einem Gebet. Der Schreiber wünscht erneut, vom guten Hirten geweidet zu werden. In Vers 13 des vorangegangenen Psalms schließt er mit den Worten: „So werden wir, Dein Volk und die Herde Deiner Weide, Dich preisen ewiglich, Dein Lob erzählen von Geschlecht zu Geschlecht.“ Die Schafe haben den Hirten verlassen, und nun befinden sie sich im Elend.
Hirte Israels, so beginnt der Psalm. Der Hirtenberuf wird zum ersten Mal in 1. Mose 4 bei Abel genannt und ist der erste Hinweis auf Jesus, den guten Hirten, der wie Abel Sein Blut vergoss (Heb 11,4). Hirte sein ist ein schöner Beruf, weil der Hirte um das Wohl der Schafe besorgt ist. Die Erzväter Abraham, Isaak, Jakob, Joseph waren Hirten, sie tragen alle Züge des einen guten Hirten, des Herrn Jesu (Joh 10,10). Jakob redete von der Treue des Hirten. In 1. Mose 48,15 sagt er: „Der Gott, der mich geweidet hat mein Leben lang bis an diesen Tag.“
1. Der gute Hirte, als dieser hat Er Sein Leben für die Schafe gelassen (Joh 10,11). Er begegnet dem Wolf, der die Schafe fressen möchte, und stirbt für sie. Größere Liebe hat niemand, als dass Er Sein Leben lasse und das hat Er getan. Das schulden auch wir (1Joh 3,16; Röm 16,3.4 bieten ein schönes Beispiel).
2. Als der große Hirte, der die Herde versorgt, wird Er sie leiten bis hinüber zu den ewigen Hügeln und Hürden (Heb 13,20.21). Sie ist die Herde Seiner Weide (Ps 100). Was Er den Schafen ist, hat David in Psalm 23 beschrieben (Ps 78,71.72; 1Chr 4,40). Der Hirte treibt nicht die Herde, sondern geht vor ihr her. Müde Lämmer trägt Er an Seinem Busen (Hes 34). Er ist ihnen alles, sie geben Ihm die Ehre und rühmen Ihn mit den Worten, „welchem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit“.
3. Als der Erzhirte (1Pet 5,4). Als dieser kommt Er wieder. „Wenn der Erzhirte erscheinen wird, werdet ihr (die getreuen Hirten) die Krone der Herrlichkeit empfangen“ (1Pet 5,4). Den Erzhirten erfreuen sollte unser Verlangen sein. Wir tun es nicht der Ehre wegen, sondern aus Liebe zu Ihm (2Kor 5,14).
Hier in unserem Wort wird der Herr der Hirte Israels genannt, der in besonderer Weise um Sein Volk besorgt ist. Israel ist Seinem treuen Hirten nicht gefolgt, sondern fremden, und hier erkennt es, wohin sie ihre Wahl geführt hat. Das bekommt jedes einzelne Kind Gottes zu spüren, das vom Wege abweicht. Nun schreit es zu Ihm, „nimm zu Ohren, der Du Joseph geleitet“ und es ist, als bitten sie, „leite Du uns wieder“.
Die herrliche Wohnung des Hirten. Der Du thronst zwischen dem Cherubim. Du, der Erhabene über alles, lass Dich wieder herab zu uns, den verirrten Schafen. Sie ehren Ihn als den Gott der Heiligkeit, Herrlichkeit und Barmherzigkeit. Wo sehen Ihn die Schafe? Zwischen den Cherubim, auf dem Sühnedeckel, der mit dem Blut der Sühne besprengt war, das für alle geflossen ist. Hier befindet sich der Gnadenstuhl, dahin alle eingeladen sind (Heb 4,16; 10,19).
Wir blicken auf die Zeit zurück, da Du uns vorangingst in der Lade wie ein Hirte vor seiner Herde. Da Du, der treue Hirte, uns so reichlich versorgtest. Auch lag in Deiner Hirtentreue ununterbrochen jeden Morgen das Manna, die Engelsspeise vor uns. Wir mussten sie nicht mühsam dem Boden abringen wie jetzt, sie lag vor uns, wir mussten uns nur bücken und sie zum Munde führen. Auch tränktest Du uns reichlich aus dem Felsen. Unsere Kleider veralteten nicht, und unser Schuhwerk hielt stand den ganzen Weg, die vierzig Jahre.
Beachte ihren gegenwärtigen Zustand. Wie war es einst? Überfluss (Ps 23). Und jetzt musst Du uns unserer Untreue wegen mit Tränenbrot speisen und nicht wie zuvor mit Himmelsbrot. Unser Wasser trinken wir rationiert, weil wir den Felsen verworfen haben und den Göttern dienen (Ps 137, I). Unsere Feinde verspotten uns und fragen, wo ist euer Gott? Wie lange soll Dein Name geschmäht werden? Vor allem schmerzte es sie sehr, dass der Name ihres Gottes ihretwegen gelästert wurde. Herr, wie lange?
Lass ab vom Zorn. Warum musste Er über sie zürnen? Weil sie „Mich, die lebendige Quelle verlassen haben“. Du hast Ursache, Dein Angesicht gegen uns zu richten. Lass nicht länger zu, dass Dein Name geschmäht wird und wir der Spott Deiner Feinde geworden sind. Mache ihrem Höhnen ein Ende. Zweimal bitten sie, „Führe uns zurück“. In Vers 7 ruft Ihn der Psalmist als den Gott der Heerscharen an, DEN, dem Legionen zur Verfügung stehen, sende sie wie einst, um David zu retten, „Tröste uns, lass leuchten Dein Angesicht über uns, so genesen wir“ (Ps 31,16).
Israel kam zu derselben Erkenntnis wie der verlorene Sohn, der an die Fülle im Vaterhaus dachte und selbst am Verschmachten war und sagte: „Ich komme um vor Hunger, ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und bekennen: Ich habe gesündigt“ (Lk 15). Was hatte die Umkehr für Israel für Folgen? Die gleichen wie die des verlorenen Sohnes, nicht nur Freude und Friede, volle Genüge in diesem Leben, sondern in alle Ewigkeit (Vers 20). Nach der Umkehr scheint wiederum das Angesicht des Vaters (Spr 1,23). Der Hirte ist noch heute auf der Suche nach verirrten Schafen, nach Abtrünnigen. Hilf ihnen, wie das der Herr im Gleichnis des barmherzigen Samariters befiehlt (Lk 10,37) und du an jenem Tage sagen kannst: Auch ich bringe dir ein Schäflein dar.