Behandelter Abschnitt Off 8,8-9
Der zweite Schlag setzt eine große Veränderung voraus; er fällt auf das Meer und bezieht sich also nicht auf die Sphäre, die unter besonderer und fester Regierung steht, sondern auf das, was sich dann in einem Zustand der Verwirrung und Anarchie befindet oder befinden wird. Die Nationen, die sich in diesem Zustand befinden, bleiben nicht ungeschoren.
Und der zweite Engel posaunte: Und etwas wie ein großer, mit Feuer brennender Berg wurde ins Meer geworfen; und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut. Und es starb der dritte Teil der Geschöpfe, die im Meer waren, die Leben hatten, und der dritte Teil der Schiffe wurde zerstört (8,8.9).
Wenn man Jeremia zu Rate zieht, wird man sehen, dass diese Dinge nicht willkürlich oder aus bloßer Einbildung heraus erklärt werden. Da dies kein gewöhnliches Gericht ist, scheint es, dass Gott sich herablässt, uns ein weiteres Beispiel zu geben; denn gerade dort, wo wir wahrscheinlich Fehler machen würden, kommt Gott mit Licht und Unterweisung. Der „mit Feuer brennende Berg“ stellt ein Machtsystem dar, das selbst unter dem Gericht Gottes steht und Anlass zum Gericht für andere ist. In Jeremia 51,25 heißt es: „Siehe, ich will an dich, spricht der Herr, du Berg des Verderbens, der die ganze Erde verdorben hat; und ich will meine Hand gegen dich ausstrecken und dich von den Felsen hinabwälzen und dich zu einem verbrannten Berg machen.“ Hier haben wir eine Antwort, die in gewisser Weise dem entspricht, was wir hier haben. Bei Jeremia sollte Babylon „ein verbrannter Berg“ sein, der von seinem erhabenen Platz hinabgeworfen wurde. Hier wird der Berg als „brennend“ bezeichnet. Babylon selbst sollte wie ein verbrannter oder zerstörter Berg sein. Hier ist der Berg das Mittel, um andere zu zerstören, wie bei dem jüdischen Propheten: „du Berg des Verderbens, der die ganze Erde verdorben hat“.
Ein Berg ist durchweg das Symbol einer festen und erhabenen Macht. Hier aber wird er ins Meer geworfen, weil er zum Mittel des Gerichts über andere gemacht wird, und nicht nur zum Gegenstand des Gerichts selbst. Der Herr Jesus selbst verwendet einen Teil des Bildes in Bezug auf Israel. Als Er einen Feigenbaum sah, der nur noch Blätter hatte, kündigte Er an, dass von nun an keine Frucht mehr wachsen und kein Mensch mehr von ihm essen sollte. Er war gekommen und fand keine Frucht an ihm, nur eine Fülle von Blättern. Und sogleich verdorrte der Feigenbaum. Nun hat fast jeder, der das Wort Gottes aufmerksam gelesen hat, diesen Feigenbaum als das Symbol Israels betrachtet, das dafür verantwortlich war, Gott Frucht zu bringen, es aber völlig unterließ, das zu tun. Der Feigenbaum war ein Sinnbild für „jenes Geschlecht“, und in diesem Zusammenhang sagt der Herr zu seinen Jüngern: „werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum Geschehene tun, sondern selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Werde aufgehoben und ins Meer geworfen!, so wird es geschehen“ (Mt 21,21). Und so geschah es; denn kaum war das Zeugnis der Apostel an Israel ergangen, und Israel hatte das, was der Heilige Geist ihnen darin verkündigte, völlig verworfen, da kam das Gericht über sie. Es war nicht nur so, dass sie keine Frucht brachten, sondern es gab ein eindeutiges Gericht und eine Entwurzelung von dort, wo sie waren. Der Berg wurde ins Meer geworfen; der Ort und die Nation Israel verschwanden vollständig in der Masse der Nationen. Das war viel mehr, als dass sie einfach aufhörten, Frucht zu bringen. Ihr Gemeinwesen wurde zerstört und verschwand völlig, genauso wie ein Berg, der von seiner Grundlage abgerissen und ins Meer geworfen wurde.