Wir können in Hebräer 10,26-30 mehr Ähnlichkeit mit unserem Kapitel sehen als in Hebräer 6,4-8. Denn im letzteren Fall handelte es sich eher um eine Rückkehr zu den jüdischen Ordnungen, nachdem sie sich zur Gnade des Evangeliums bekannt hatten. Im ersten Fall handelt es sich um eine Rückkehr zu den Sünden, nachdem sie sich zum Tod Christi bekannt haben, was für uns den Tod der Sünde bedeutet. Dieser Fall ist es, von dem wir in der Warnung des Petrus lesen, nur dass er auf die vergrößerte Schuld der Irrlehrer eingeht, so wie der Hebräerbrief auf den Abfall der bekennenden Christen eingeht, die den sündigen Begierden nachgeben. Wie umfassend und genau sieht die Schrift für jede Gefahr und gegen alles Böse vor!
Es ist ihnen [aber] nach dem wahren Sprichwort ergangen: Der Hund kehrte um zu seinem eigenen Gespei und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot (2,22).
Das Nachgeben gegenüber der Sünde, wie es in Vers 21 wird durch die Anwendung des folgenden wahren Sprichworts auf ihren Fall völlig bestätigt wird: „Der Hund kehrte um zu seinem eigenen Gespei und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot.“ Diese bösen Arbeiter waren nie Schafe auf der Weide des guten Hirten gewesen. Sie waren nie durch die Erneuerung des Geistes, die aus Gottes wirksamer Gnade hervorkommt, verwandelt worden. Daher gab es in der christlichen Sphäre weder eine solche unnormale Sache wie die Degradierung eines Schafes zu einem Hund, noch eine solche Metamorphose wie die zu Schweinen. Wenn wir von neuem geboren werden, bekommen wir ein neues Leben und eine neue Natur; aber das alte Leben bleibt vorhanden, doch sind wir mit Christus der Sünde gestorben. Aber ein Hund wird nicht zu einem Schaf, noch werden Schafe zu Schweinen, außer in der falschen Wissenschaft der Theologie. „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Joh 3,6). Und das ist es, was der Gläubige durch den Glauben an Christus empfängt, sogar sein Leben, das jetzt der Seele im Geist mitgeteilt wird, wie auch einst dem Körper bei seiner Wiederkunft. Es gibt nicht den entferntesten Gedanken, dass die Irrlehrer jemals auf diese Weise von neuem geboren waren. Im Gegenteil, es wird beschrieben, dass sie nicht mehr besaßen als das, was der natürliche Verstand zu wissen imstande ist. Sie hatten vielleicht ein genaues verstandesmäßiges Wissen, aber kein göttliches Werk, durch das sie von Gott gezeugt wurden. Daher kam es schließlich zu einem Rückfall in einen schlimmeren Zustand als vor dem Bekenntnis zum Christentum.
Was kann die Abscheu übertreffen, die unser Apostel empfindet und zum Ausdruck bringt, wenn er nicht nur die Irrtümer, sondern auch die unsittlichen Praktiken dieser Irrlehrer anprangert? Der Apostel der Beschneidung beschreibt in feierlichen Worten das Verderben, vor dem Paulus in Milet die Ältesten der Versammlung in Ephesus gewarnt hat. „Ich weiß, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her“ (Apg 20,29.30). Es waren Feinde, die, anstatt die Herde Gottes zu lieben und zu hüten, die Schafe fraßen und um jeden Preis aussaugten. Und die entfremdeten Ältesten, die den Herrn mit der Gnade und Wahrheit, die durch ihn kam, vergaßen, versagten traurig in ihrem Amt, als sie durch verkehrte Dinge die Jünger nach sich zogen. Was also der Mensch im Namen des Herrn erbaut hat, sollte der Wille des Menschen verführen und zerstören; und so ist die Christenheit, eine völlige Abkehr von dem himmlischen Zeugnis Christi, zu dem die Versammlung und jeder Christ berufen ist. Das, was Christus aufgebaut hat, wird allein bestehen, denn es wird durch die Gnade bewahrt, die in Ihm ist und die unfehlbar ist. Aber alle, die seinen Namen tragen, sind verantwortlich; und die Führer müssen Rechenschaft ablegen, nicht nur wie alle Gläubigen, sondern besonders über das, was ihnen anvertraut ist.
Dennoch werden diese selbstsüchtigen Führer und sogar die reißenden Wölfe, obwohl sie gewalttätig sind, nicht mit der Verachtung dargestellt, die der Apostel denen entgegenbringt, vor denen er in diesem Kapitel warnt. Welches Bild kann die abscheuliche Unreinheit besser zum Ausdruck bringen als dieses: „Der Hund kehrte um zu seinem eigenen Gespei und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot“? Von einem Hund, der zu seinem Erbrochenen zurückkehrt, ist in Sprüche 26,11 die Rede, wo es um einen Narren geht, der zu seiner Torheit zurückkehrt. Hier wird noch nachdrücklicher von dem gesprochen, der einst die gute Botschaft von Christus und die Wahrheit Gottes in allgemeiner Weise klar erkannt hat. Je besser die Erkenntnis, desto schlimmer, wenn sie verdorben ist. Was könnte dazu besser passen als „eine gewaschene Sau“, die sich wieder im Kot wälzt?
Das schreckliche Ende des nicht erneuerten Menschen, das hier im untrüglichen Wort Gottes dargelegt wird, lässt die Sicherheit der Gnade völlig unberührt. Kann der wahre Gläubige nicht ausrutschen oder fallen? Sicherlich kann er das, wenn er unachtsam ist. „Er wird aber aufrecht gehalten werden, denn der Herr vermag ihn aufrecht zu halten“ (Röm 14,4). Ohne Ihn ist er verloren: „Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat“ (Röm 8,37). Ein Mensch mag noch so angenehm predigen; wenn er aber böse lebt, wie jemand, der nicht von neuem geboren ist, geht er als Verdammter zugrunde. Und warum ein Christ dies in Frage stellen sollte, ist wenig entschuldbar, da die Heilige Schrift ganz klar zur Selbstverleugnung aufruft und die Unheiligkeit anprangert, besonders bei denen, die sich zum Namen des Herrn bekennen, mit deutlicher Warnung vor dem schrecklichen Ende.