Gibt es einen wunderbareren Blick auf Christus als diese Wahrheit, die der einfachste Gläubige kennt, oder kennen sollte, wie wenig er auch in der Lage ist, sie zu erklären? Es gibt nichts Vergleichbares. Dort allein haben wir die Wahrheit. Wir kennen Gott jetzt; und wie kennen wir Ihn? Nicht durch Nachdenken, als ob wir Ihn auf diese Weise suchen und ausfindig machen könnten. Wir kennen Ihn in Christus als eine lebendige Person, die einst leibhaftig in dieser Welt gelebt hat und der immer noch seinen Leib hat in der oberen Welt. Wir wissen von Gott, aus seinem Wort, dass in der Person Christi „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ wohnt, nicht nur in seinem Geist, sondern wirklich leibhaftig in Ihm, obwohl Er jetzt verherrlicht ist. Er hatte einen wirklichen, echten Körper von seiner Menschwerdung an; doch zugleich wohnte die ganze Fülle der Gottheit so in Ihm.
Und das ist noch nicht alles. Der Apostel fügt hinzu:
und ihr seid vollendet in ihm, der das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist (2,10).
Die Gläubigen brauchen also keine Philosophie, selbst wenn sie etwas Gutes enthielte, noch weniger, da sie durch und durch schlecht ist. Was wir wollen, ist, Christus besser zu genießen und mehr Ihm wohlgefällig zu wandeln – sie brauchen daneben keine Menschenweisheit, als ob sie Christus bereichern könnten, während sie die Wahrheit nur verderben. Der gefallene Mensch hat sich von Gott entfernt und steht unter der Macht des Teufels. Das ist die Tatsache, die diese menschlichen Vorstellungen so falsch und verderblich macht. Philosophische Prinzipien entspringen dem Tod und können nur den Tod hervorbringen. Im ganzen Heidentum (und vielleicht könnte man dasselbe von der Christenheit sagen) gibt es nichts Tödlicheres als seine Philosophie. Sie ist nur weniger trügerisch als die Religion der Welt. Sie klingt vernünftig, und der Mensch lässt sich von der Schönheit oder Kühnheit der Gedanken, Vorstellungen und Sprache bezaubern. Der Glaube zerstört durch die Wahrheit Gottes sowohl den Aberglauben als auch die Untreue, und zwar durch die Offenbarung Christi. Die Fülle der Gottheit wohnte nie leibhaftig im Vater oder im Heiligen Geist, sondern nur in Christus. Er war der Einzige, von dem diese wunderbare Wirklichkeit behauptet werden konnte. Die ganze Fülle wohnte und wohnt noch immer in Ihm. „Der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke“ (Joh 14,10). Wiederum: „Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe“ (Mt 12,28) und so weiter. Hier haben wir nicht nur den Sohn, sondern in und durch Ihn die drei Personen der Gottheit, die in dieser bösen Welt in Gnade wirken. Und der Glaube nimmt auf, was die Schrift über das Unsichtbare und Ewige sagt; der Glaube wirkt im Aufblick zu Gott in Bezug auf die Gegenwart. Der ungläubige Mensch lehnt ab, was ihm zu hoch ist, und zieht Schlüsse aus dem, was er weiß oder nicht weiß; aber Gott wird sowohl ihn als auch seine Schlussfolgerungen vernichten. Es ist nicht nur so, dass die ganze Fülle der Gottheit in Christus wohnt, sondern wir sind (nicht diese Fülle, sondern) in Ihm zur Vollendung gebracht. Wir können die Fülle Christi sein und werden auch so genannt (Eph 1), aber natürlich niemals die Fülle der Gottheit.