Behandelter Abschnitt Off 12,13-17
Wütender Kampf auf Erden (Kap. 12, 13-17)
Das letzte, was wir aus dem Himmel hörten, hieß: «Wehe der Erde!» Der vor uns liegende Abschnitt erlaubt uns, die ersten Blicke in die nun folgenden Zustände auf Erden zu tun. Der überwundene Drache, der mit seinen Engeln auf die Erde geworfen ist, übt Rache und kämpft mit allen Mitteln gegen das Weib und gegen die, die seines Samens sind. Trotz der erlittenen Niederlage streckt er die Waffen nicht, im Gegenteil, er ersinnt immer neue Kampf- und Vernichtungsmethoden. So organisierte er ehedem einen regelrechten Lügenfeldzug gegen die Auferstehung Christi, die er bis heute nicht wahr haben möchte. Als aber die Wirklichkeit der Auferstehung durch Zeugen bestätigt wurde, waren ihm Gefängnis, Schwert und Feuer nicht zu gemein, die Zeugen durch diese grausamen Mittel zu beseitigen. Heute greift er Gottes Sache durch Verbreitung falscher Lehren und Spaltungen unter den Gläubigen an, und in den kommenden Tagen wird er sich wie eine wilde Bestie auf das Weib (Israel) stürzen. Dennoch muss zur Erfüllung all der vielen Verheißungen in bezug auf die Wiederherstellung Israels, dieses abtrünnigen Weibes Jehovas, die große Trübsal ebenso bestimmend mitwirken, wie seinerzeit die Bedrückung durch Pharao zum Auszug aus Ägypten und zur Flucht in die Wüste ausschlaggebend war (2. Mose 14,5; Jos 24,6).
Der besiegte Drache. Wir sehen ihn mehrfach besiegt. Nicht allein Michael und seine Engel bereiten ihm eine Niederlage, sondern auch die Heiligen. Und als der Drache sich wütend gegen das Weib und ihren Sohn aufmachte, scheiterten auch diese seine Vernichtungsabsichten. Weiß Satan denn nicht, dass all sein Treiben dem Vorsatz Gottes keinen Abbruch tun kann? Alle Sieger über Satan haben überwunden durch den Glauben an das allvermögende Blut des Lammes. Leser, kennst du die Kraft des Blutes Jesu? Der Weg zum Sieg führt auch heute noch über Golgatha. «Satan flieht, wenn er dich beim Kreuze sieht.»
Die Rache des Drachen. Satan gibt nun dem Weibe (Israel) die ganze Schuld an seiner Niederlage und an seinem bevorstehenden Ende (Kap. 20, 2‑3). Das Weib (Israel) hat den C h r i s t u s nach dem Fleisch in die Welt gebracht, welcher Satan auf Golgatha besiegt und ihm ein Volk entzogen hat, das nun dem Herrn durch alles hindurch dient. Vor allem aber ist seine Rache darüber groß, daß dieses Israel in Bälde mit Christus die Herrschaft über die Erde antreten soll. Er ist also über dreierlei sehr erbost:
Weil Israel Gottes auserwähltes Volk ist.
Weil aus Israel der Christus nach dem Fleisch in diese Welt gekommen ist (Röm 9,5).
Weil Israel Satans gegenwärtigen Besitz, die Erde, zum Erbe erhalten wird, die er Jahrtausende sein eigen nannte.
Die Flucht des Weibes in die Wüste. Von dieser Flucht Israels hat schon der Herr in Mt 24,15-28; Mk 13,14-23 geredet. Er schildert, wie das Weib aus Jerusalem und Judäa auf die Berge und von da in die Wüste flieht. Ihre Flucht ist auch bereits in Israels Auszug aus Ägypten vorgeschaltet. So wird also Israel noch einmal, wie vor alters, einen Zufluchtsort in der Wüste finden und auf wunderbare Weise ernährt werden. Wenn der Drache dem Tier (Antichrist) seine Macht und Gewalt gegeben hat, und niemand kaufen oder verkaufen kann als nur diejenigen, die das Malzeichen des Tieres angenommen haben (Kap. 13, 17), dann wird Gott Seinen Überwindern, die dem Antichristen nicht huldigten (und soweit sie nicht getötet werden), einen Tisch in der Wüste bereiten (Ps 13,5). Dann wird sich Hos 14 ff. erfüllen.
Getragen auf Adlersflügeln (Vers 24). Anlässlich der Flucht Israels aus Ägypten sagt der Herr: «Ihr habt gesehen, wie ich euch getragen habe auf Adlersflügeln» (2. Mose 19,4). Pharao selbst ist das Bild des Drachen (Hes 29,3 ff.), der Adler das der Bewahrung (5. Mose 32,11-12). Bei der künftigen Flucht Israels ist wieder die Rede von Adlersflügeln, die auf Schnelligkeit und sichere Flucht hinweisen. Das Fliehen wird dann von Jerusalem ausgehen, denn diese Stadt wird zu jener Zeit das Zentrum der großen Geschehnisse sein (Kap. 11, 1-13).
Und so wie Israel dann in irdischen Nöten die tägliche Durchhilfe seines Gottes erfahren wird, so erleben wir schon heute in allen Anfechtungen von seiten Satans die unwiderrufliche Realität des Wortes: «Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.»
Die Hilfe der Erde. Das Weib flieht in die Wüste, wo
Gott ihm eine Zufluchtsstätte bereitet hat (Jes 26,20). Vor langer
Zeit hatte Israel im Lande Kanaan sechs Zufluchtsstätten, in welche der
Unschuldige sich vor dem Bluträcher flüchten konnte (4. Mose 35,9-15),
und wo kein Feind ihn antasten durfte. Desgleichen wird Israel in seiner
Not ein Asyl finden, wo es vor der Wut des Drachen, dieses schrecklichen
Bluträchers, und vor allen Nachstellungen des Tieres geschützt sein
wird. Der Drache wird mittelst des Antichristen seine Spione aussenden,
um das entflohene Israel ausfindig zu machen und es umzubringen. Welcher
Erfolg wird ihm beschieden sein? Zweifellos derselbe wie einst Pharao,
als er gegen das entflohene Israel seine Heere aussandte; doch das Meer
verschlang Pharao samt seinem Heere. Damals entfloh g a n z Israel, hier
aber bezieht sich die Flucht nur auf den gläubigen Ü b e r r e s t , dem
es früh genug gelingt, zu entkommen. Der Drache schießt aber dem Weibe
aus seinem Rachen einen Wasserstrom nach (dessen genaue Bedeutung wir
nicht kennen), um sie durch denselben zu ertränken. Satan erinnert sich,
dass damals die tiefen Wasser zu Israels Sieg über Pharao und seine
Heeresmacht führten und er eine gewaltige Niederlage erlitt, nun speit
er als Gegenstück dem Weibe Wasser, gleich einem Strom, nach ‑ und
erwartet den Sieg! Da kommt die Erde dem Weibe zu Hilfe; sie öffnet
ihren Schlund und verschlingt den Strom. Neuer Misserfolg für Satan! Es
ist Gott ein Kleines, auch diesmal der Erde zu gebieten, ihren Schlund
zu öffnen, wie damals, als sie die Rotte Korahs verschlang (
In Eden trug die Schlange den Sieg über das Weib davon, hier aber siegt das Weib über die Schlange. All die misslungenen Versuche des Drachen, das Weib umzubringen, sollen uns eine Ermunterung sein in dunklen Tagen. Wenn Gott für uns ist, wer mag wider uns sein?
Krieg gegen die übrigen des Weibessamens (Vers 17). Groß ist die Wut des Drachen über die neue Niederlage, und deshalb greift er zu einem weiteren Racheakt. Der Sohn sowie das Weib sind ihm in die Wüste entkommen, während der Großteil Israels immer noch im Lande Palästina ist. Zweierlei wird von den übrigen des Weibessamens hervorgehoben:
Sie halten die Gebote Gottes.
Sie bekennen standhaft Jesum.
Sie sind die Überwinder von Kap. 13, 15, die getötet werden, weil sie das Bild im Tempel zu Jerusalem nicht anbeten. Sie machen keinerlei Menschenkultus mit. Unter diesen Getöteten befinden sich auch die zwei Zeugen von Kap. 11. Sie alle haben überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht lieb gehabt (Kap. 12, 11).