Der Tod am Kreuz (Phil 2,8)
Von keiner Wahrheit redet die Schrift so viel, wie vom Tode des Herrn am Kreuz. Die erste Verheißung der Schrift weist auf den Tod des Herrn hin (1. Mose 3,15). Alle Opfer des Alten Bundes zeugen von dem einen Opfer, das der Herr selbst brachte, als Er sich selbst auf Golgatha opferte an unserer Statt. Zahlreich sind auch die vielen Vorbilder, die ein Hinweis auf den Tod Christi sind. Der Tod am Kreuz ist die eine große Zentralwahrheit der Schrift. Der größte Segen ist durch den Tod des Herrn am Kreuz gewirkt worden. Von diesem Tode und der mit ihm verbundenen Auferstehung sollten die Jünger zeugen; dafür lebten und litten sie. Dieses Kreuz ist immer noch das Mittel zur Rettung großer Scharen von Menschen.
I. Der Tod am Kreuz war zuvor geweissagt. Wir sahen bereits, dass die älteste Weissagung der Schrift auf den Tod unseres Herrn hinweist und lässt die große Wichtigkeit dieses Todes erkennen. Die erste Weissagung vom Tode des Menschensohnes steht in der Genesis, dem ersten Buch der Schrift (1. Mose 3,15), ihr letztes Buch aber, das Buch der Offenbarung, sieht Ihn im Rückblick als das geschlachtete Lamm von vor Grundlegung der Welt an (Off 13,8). Also ehe der Welt Grund gelegt war, lange ehe der Mensch geschaffen war, hat Gott den Tod Seines Sohnes zuvorgenannt. Auch 1Pet 1,20 lehrt dieselbe große Wahrheit, nämlich, dass der Herr als das Lamm Gottes ohne Fehl, von vor Grundlegung der Welt dafür erkannt worden ist. Der Tod Christi war der Zweck Seiner Menschwerdung. Der Herr kam mit der einen bestimmten Absicht in die Welt, um am Kreuz für uns u sterben. Es ist also nicht so, als sei Gott durch den Sündenfall plötzlich von der Tatsache der Sünde überrascht worden und als habe Er nun diesen Ausweg ersonnen.
Zahlreich sind die Stellen, die vom Tode Christi reden. Noch nach
Seiner Auferstehung unterwies der Herr selbst die Emmausjünger in allen
Schriften, was Sein Leiden, Sterben und Auferstehen betraf (Lk 24,27).
Damit bezeugt also der Herr selbst, dass alle Schriften des Alten
Testamentes von Seinem Tode reden. Einige Weissagungen sind besonders
auffallend, man denke nur an Ps 22; 69; Jes 50,6; 53,3-12;
Aber der Herr selbst hat auch öfters von Seinem Tode am Kreuze gesprochen (Mt 16,21; 17,22,23; 20,18; 26,3). Sein Tod war Gesprächsgegenstand bei der Verklärung (Mt 17) und in verschiedenen Gleichnissen sprach der Herr von Seinem Ausgang, den Er auf Golgatha nehmen werde (Mk 12,7; Lk 20,17; Joh 2,19).
II. Der Tod am Kreuz war sehr schmerzhaft.
Auch in bezug auf die Grausamkeit Seines Todes redet schon die erste Weissagung sehr klar, nämlich vom "In-die-Ferse-stechen". Ps 22; 69; Jes 53 und Sach 13,7 geben ein besonders eingehendes Bild Seiner qualvollen Leiden. Vorbilder, wie die Opferung des Isaak und die Leiden des Josef, geben einen Einblick in Seine Angst und Schmerzen (1. Mose 22; 42,21).
Die lauteste Sprache Seiner Qualen redet das Kreuz selbst. Alle vier Evangelisten geben eingehende Berichte darüber, so dass hier ein weiteres Erwähnen derselben überflüssig ist.
Auch rückblickend werden wir auf Seine Leiden hingewiesen, so z.B. beim Abendmahl, da wir Seines Todes und Seiner Qualen gedenken. Und vorwärts schauend wird der Herr dereinst in der Herrlichkeit als das geschlachtete Lamm gesehen werden (Off 5,6; 13,8).
III. Der Tod am Kreuz war voller Schmach.
Die Schrift gedenkt nicht nur der Schmerzen, die der Herr erduldete, sondern spricht auch von der Schmach Seines Todes. Der Psalmist weissagt: „Der Hohn hat mein Herz gebrochen“ (Ps 69,20). Es wird der großen Verhöhnung gedacht, des Speichels in Seinem Angesicht, des Purpurmantels, der Dornenkrone, des Stabes als Zepter, um Seine Königswürde zu schmähen. Wiederum ist die Rede von den Übeltätern, zwischen denen der Herr starb und dass Er entblößt dort am Holze hing. Aber Heb 12,2 sagt uns, dass Er die Schande nicht achtete.
IV. Der Tod am Kreuz war freiwillig.
Der Herr war gehorsam bis zum Tode am Kreuz. Der Wille Gottes ging Ihm über alles (Ps 40). Der Herr bezeugte selbst, dass Er freiwillig in den Tod ging (Joh 10,17,18). Der Tod am Kreuz wäre kaum ein duftender Wohlgeruch, ein Opfer des Wohlgefallens gewesen, wenn der Herr zum Tode gezwungen worden wäre. Er stellte sich selbst den Feinden, als die Stunde gekommen war (Mt 26,46). Von dem Engelheer machte Er keinen Gebrauch (Mt 26,53). Freiwillig gab Er alles her, damit wir den Segen Seines Todes ernten möchten.
V. Der Tod am Kreuz war stellvertretend.
Auf Golgatha starb der Gerechte für die Ungerechten (1Pet 3,18). Am Kreuz trug der Herr unsere Sünden (1Pet 2,24; Jes 53,4-10). Am Kreuz wurde Er für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch Ihn die Gerechtigkeit Gottes erlangten (2Kor 5,21). Das Blut von Stieren und Böcken vermochte niemals Sünde hinwegzunehmen, der Herr aber hat mit Seinem eigenen Blut eine ewige Erlösung erfunden, und deshalb ist kein Gedenken der Sünde mehr (Heb 10,3, 4). Am Kreuz ist die Frage der Sünde ein für allemal geregelt worden (Jer 31,34). Der Sünder hat nun nichts mehr zu tun oder zu bringen, er darf kommen im Vertrauen auf den Tod am Kreuz, durch welchen Gott zufriedengestellt worden ist. Nichts ist für den überführten Sünder so wohltuend zu vernehmen, als dass der Herr für Seine Sünden gelitten und die Strafe auf sich genommen hat, und keinerlei Folgen der Sünde mehr zu befürchten sind.