Behandelter Abschnitt Apg 15,1-5
Irrlehrer
Dieses wichtige Kapitel enthält das erste Apostelkonzil zu Jerusalem und ist so recht ein Wegweiser für Zusammenkünfte, wenn es gilt Beschlüsse zu fassen. Unter den Nationen war Großes geschehen, dies war klar erwiesen. Petrus selbst war das erste Werkzeug dazu im Hause des Kornelius, und von Jerusalem waren Zerstreute gekommen, die eine gesegnete Arbeit in Antiochien begonnen hatten, ja, so wichtig, dass Jerusalem bald in den Hintergrund trat und Antiochien der Mittelpunkt der Gemeinde aus den Nationen wurde.
Ein neuer Plan Satans. Herrlich sind die letzten Verse von Kap. 14. Dennoch sehen wir gleich zu Anfang dieses Kapitels, dass Satan nie ruht. Immer Und überall sucht er das Werk des Herrn zu verhindern und das Bestehende zu zerstören. Schon in Kap. 11 nahmen wir bereits wahr, dass in Jerusalem nicht alle damit zufrieden waren, dass Petrus zu den Nationen gegangen war. Hier nun machten einige von Judäa Anstrengungen, die Gläubigen aus den Nationen unter das jüdische Joch zu bringen. Und hinter all diesem Treiben steckte Satan. In Kap. 5 benützte er Ananias und Saphira; in Kap. 6 die murrenden Hellenisten; und hier falsche Lehrer, um das Werk aufzuhalten, wenn nicht gar zu vernichten. Was war denn geschehen?
F a 1 s c h e L e h r e r, Männer aus der Gemeinde zu Jerusalem, geschulte Leute aus der Klasse der Pharisäer, die sich der Gemeinde in Jerusalem angeschlossen hatten und nun in den heidenchristlichen Versammlungen umherzogen, obwohl sie keinen Auftrag hatten, kamen nach Antiochien und traten angeblich als Abgesandte von den Aposteln zu Jerusalem auf, was umso schwerer in die Waagschale fiel. Ähnliches geschah später in Ephesus und Galatien (Apg 20,30). Sie kamen mit süßen Worten und nahmen die Jünger gefangen.
I h r e L e h r e (Vers 1). „Wenn ihr nicht beschnitten werdet, so könnt ihr nicht s e 1 i g werden.“ Mit der Schrift in der Hand werden sie diesen jungen, noch unwissenden Gläubigen die Beschneidung und anderes mehr als unerlässlich verkündigt, und von ihnen Gehorsam gefordert haben. Sie wollten damit gewissermaßen sagen: ihr müsst auch e t w a s t u n . Sie setzen also die Vollgültigkeit des Opfers Christi herab. Heute heißt es: wenn du dieses oder jenes wiedergutmachst, dann wirst du Frieden finden. Wiedergutmachen hat seinen Platz, aber das Heil hängt nicht d a v o n ab, sondern vom vergossenen Blute Jesu Christi. Andere behaupten: wenn ihr nicht von den Aposteln versiegelt worden seid, geht ihr verloren. Eine krasse und freche Lüge! Oder wiederum: wenn ihr nicht den Sabbat haltet, könnt ihr nicht selig werden. Nur wenige sind befähigt, den Irrlehrern (wegen mangelhafter Schriftkenntnis) zu widersprechen. Dies schien auch in Antiochien der Fall gewesen zu sein. Durch die Lehre der Judenchristen, die noch für das Gesetz eiferten, drohte ein Riss zu entstehen, und gerade das musste vermieden werden (Apg 21,20-21).
Die Wirkung, der falschen Lehren. Es entstand:
Zwiespalt. Da waren etliche, die feststanden, die nicht beeinflusst werden konnten, weil sie wussten: den Heiligen Geist und Seine Gaben o h n e Gesetzeswerke erhalten zu haben. Andere hingegen ließen sich von den Gesetzeslehren beängstigen, da sie lehrten: ohne Beschneidung könnten sie nicht selig werden. Viele schöne Gemeinden sind im Laufe der Zeit auf diese Weise ungünstig beeinflusst worden. Auch in unsern Tagen gilt es zu wachen, weil etliche Unberufene umherziehen und die Gläubigen für ihre Spezialitäten zu gewinnen suchen, oder gar aus ihren Lehren irdischen Vorteil erhoffen.
Wortwechsel. Paulus, Barnabas und andere Lehrer und Propheten sind mit diesen scheinbaren Lehrern scharf zusammengestoßen. So etwas scheint jungen Gläubigen oft lieblos zu sein und doch ist es nötig. Hätte man gleich zu Anfang, als die Irrlehrer kamen, fest zugegriffen, dann wäre mancher Riss vermieden worden. Schon hier mag Paulus gesagt haben: „Wer ein anderes Evangelium verkündigt als wir, der sei verflucht“ (Gal 2). Paulus entdeckte ohne weiteres Satans List, sah dessen f a 1 s c h e s Evangelium und trat ihm scharf entgegen.
Bestimmtes Einsehreiten. Sowohl die Apostel als auch die ganze Gemeinde litten unter diesen falschen, sehr eifrigen, ja fanatischen Lehrern. Das waren sie immer und werden es auch immer sein! Die Frage sollte entschieden und Klarheit darüber erbracht werden, ob diese Männer wirklich von der Gemeinde zu Jerusalem ausgesandt worden seien? In Antiochien konnte und durfte man nicht zusehen, dass das Werk Christi durch Gesetzeswerke ruiniert wurde. Wo es sich um die Verletzung der Ehre des Herrn und Seines Opfers handelt, dürfen wir nicht schweigen. So schickte man:
Eine Gesandtschaft. Die Gemeinde in Antiochien entschied und einigte sich dahin, Paulus und Barnabas nach Jerusalem zu senden. Sie nahmen auch den bewährten Titus mit; vielleicht mit der Absicht, zu beweisen, dass es auch unter den Gläubigen aus den Nationen fähige Männer im Werk des Herrn gäbe. Die Gemeinde sandte also ihre tüchtigsten Männer, die auf beiden Seiten großes Vertrauen genossen. Die Gemeinde in Antiochien gab ihnen das Geleit (Vers 3; 3Joh 6).
Unterwegs. Wo immer wir die Apostel sehen, erweisen sie sich als Zeugen Christi. Während sie Phönizien und Samaria durchzogen, suchten sie die Gemeinden auf und dienten ihnen. Vor allem erzählten sie ihnen, was Gott unter den Nationen Großes getan hatte. Diese Berichte lösten überall größte Freude aus. Auch heute freuen sich die Gemeinden nicht weniger, wenn sie hören, dass Gott Sein Werk mit sichtbaren Segnungen begleitet. Paulus und Barnabas erzählten von ihren Missionsreisen: wie sie auf dem Hinweg pflanzten und auf dem Rückweg begossen.
Der erste Widerspruch (Vers 5). Er wurde von derselben Klasse Leute erhoben, die auch nach Antiochien gekommen waren. Vielleicht waren es sogar dieselben, die auch (wie die Apostel) nach Jerusalem gereist waren. Den Pharisäern wird vor allem die Anwesenheit des Titus, der aus den Nationen war, nicht gepasst haben. Schonungslos sollten sie erfahren, was sie waren. Paulus gab ihnen den rechten Namen: „Falsche Brüder.“