Behandelter Abschnitt Apg 9,11-18
Vom Kämmerer wird berichtet, dass er die Schrift las (Apg 8,32), und von Saulus sagt der Herr: „Siehe, er betet!“ Wort Gottes und Gebet waren stets und sind noch heute meistens die Mittel in Gottes Hand Sünder zur Bekehrung zu führen. Wahres Schreien zu Gott ist das sichtbare Kennzeichen neuen Lebens und des Wirkens des Heiligen Geistes im Menschen. Saulus hatte als Pharisäer sein ganzes Leben lang gebetet, wie das bei Pharisäern Sitte war. Seine Gebete waren jedoch grundverschieden von dem, was er jetzt aussprach. Plötzlich war es anders geworden! Das Wörtlein „siehe“ weist darauf hin, dass Gott ihn beten sah, und wen immer Gott nach Seinem Willen beten sieht, dem schickt Er auch Erhörung. Trotz der vielen ehemaligen Gebete des Saulus war doch dies das erste, das Gott tief bewegte und erfreute. Groß ist die Zahl der Beter, die wie Saulus beten, deren Gebete aber nie an Gottes Ohr dringen. Viele lesen Gott ein Gebet aus einem Buch vor, aber solche Gebete sind gleich fremdem Feuer, weil sie nicht durch den Heiligen Geist gewirkt sind. Sie gehören zu jenem „Plappern wie die Heiden“, obwohl die Worte an und für sich ganz recht sein mögen. Rechte Gebete lenken die ganze Aufmerksamkeit des Himmels auf sich. Denken wir an Hanna in 1Sam 1 oder an Daniel. Ihre Gebete fanden auch sofortige Erhörung. Wie hätte Saulus erhörlich beten können, da sein Herz mit Hass erfüllt war. Der Geist des Hasses und der Lieblosigkeit schalten jedes innige und erhörliche Gebet aus. Wie wertlos gerade die vielen Gebete der Pharisäer waren, bezeugt die Tatsache, dass Huren und Zöllner vor ihnen ins Reich Gottes eingingen. Gott kann unmöglich auf uns hören, wenn wir nicht auf Ihn hören. Saulus hatte wohl von Jesus, aber nicht auf Jesus gehört. Die Waffe des wahren Beters ist die Liebe, Saulus aber kannte nur Hass. Wer etwas wider den Bruder hat, soll sich erst mit ihm versöhnen, dann wird sein Gebet angenehm vor Gott sein und Erhörung finden (Mt 5,23). Sauli Gebete waren ohne den Namen Jesus, und niemand kommt zum Vater als durch Ihn (Joh 14,6).
Pauli Gebet war echt. Seine früheren Gebete werden denen seines Kollegen in Lk 18,11 f. geglichen haben. Ganz anders war es aber mit Pauli erstem Gebet, das er im Hause des Judas von Damaskus sprach. Hier war ein Ringen mit Gott ebenso ernst, als das des Erzvaters Jakob in Pniel (1. Mose 32).
Echte Gebete sind auch meistens nicht lang. Man denke an den kurzen Notschrei des Schächers, oder an den des Zöllners im Tempel.
Pauli Gebet war ein Bußgebet. Wir wissen nicht, was
er betete, aber das tiefe Betrübtsein über sein früheres Leben zeigt,
wie sein Gebet von Reue erfüllt war. Es war ein Schreien um Gnade. Er
sah die Größe seiner Sünde und mag dabei als guter Schriftkenner an
Männer wie Manasse gedacht haben, denen Gott auch Buße schenkte und sie
rettete (2Chr 33). Davids schreckliche Not, wie er sie in Ps 40
ausdrückt, mag ihm auch einen Hoffnungsschimmer gegeben haben; denn auch
er war in einer grausamen Grube. Von Gott drei Tage lang eingesperrt,
wird es Saulus wie jenen Brüdern Josefs im Gefängnis ergangen sein, die
darüber nachdachten, was sie an ihrem Bruder verschuldet hatten. In
Pauli Buße war keine Entschuldigung, noch leichtfertiges Einschätzen der
Sünde, außer dass er sagte, er habe es unwissend getan (
Pauli Gebet zeugte von ganzer Ergebenheit. Er rief aus: „Herr, was willst du?“ Eben wollte er nach Damaskus, um die Heiligen zu verfolgen. In dem Augenblick, da er seinen verkehrten Weg einsah, gab er ihn auf. Er verließ seinen Weg und erfuhr augenblicklich Barmherzigkeit (Jes 55,7). Wahre Buße wird daran erkannt, dass der Sünder vorbehaltlos die früheren Wege aufgibt. Saulus gab seine Freunde, sein Vorhaben, sein ganzes früheres Leben auf und weihte es dem Herrn. Menschen, die wahrhaft Buße getan haben, reparieren ihre Vergangenheit wie ein David, soweit ihnen dies möglich ist (Ps 51).
Pauli Gebet fand Erhörung (Vers 10-12). Saulus wusste, dass er Gericht verdient hatte, darum schrie er um Gnade. Die einst selbstgerechte, religiöse Größe wurde zum zitternden, angstvollen, armen Bettler. Und wie gerne erhörte ihn der Herr! Das ist d i e Klasse von Sündern, die Gott brauchen kann. Er ermunterte ihn schon, als er noch zusammengebrochen auf der Straße lag (Vers 6). Ferner gab ihm der Herr ein Gesicht (Vers 12) und schließlich schickte Er ihm einen Seelsorger, der ihm den Weg zeigte, auf dem er den Herrn fand und den Heiligen Geist empfing.
Pauli Gebet führte zu Staunen. Wie staunten die
Leute, als es hieß: „Ist Saul auch unter den Propheten?“ (
Pauli Gebet folgte ein neues Leben. Von Stund an erfuhr Paulus, was er später in 2Kor 5,17 schrieb. Er war eine neue Kreatur geworden, alles war neu geworden. Jetzt betete er nicht nur von Herzen, sondern befolgte Gottes Rat (Apg 26,19,20). Sein Gebet war nicht gleich den Gebeten jener Menschen, die, sobald ihre Nöte vorüber sind, wieder in ihren früheren Sündenstätten sitzen. Pauli Gebet war der bestimmte Anfang eines neuen Lebens (Vers 13 bis 16). Alsbald verkündigte dieser Verfolger Den, welchen er zuvor gehasst hatte, und zwar gerade an dem Orte, wo er Seine Heiligen binden wollte. Die Laufbahn eines Gläubigen fängt am Gnadenthron an. Das Zeugnis der Diener Gottes, die aus dem Heiligtum kommen, wird gesegnet sein.