Behandelter Abschnitt Apg 7,31-33
Gottes Weise zu reden
Gott hat vielfach und auf mancherlei Weise zu den Menschen geredet (Heb 1,1). In diesem Falle sprach Gott zu Mose. Ob Er aus einem Dornbusch, oder gar wie bei Bileam, durch ein sonst stummes Lasttier redet, ist einerlei (4. Mose 22). Die Hauptsache ist, dass wir Seine Stimme hören und merken, was Er uns zu sagen hat. Mose begriff Gottes Reden bald, ging darauf ein und erfüllte den Zweck der göttlichen Offenbarung. Sehr oft muss der Herr vergeblich rufen. Gerade Bileam, der eben genannt wurde, ist diesbezüglich ein trauriges Beispiel; und nicht nur er, sondern vor allem Israel, Gottes Volk, um das es sich in diesem Abschnitt handelt, hat dem Herrn in seiner langen Geschichte nichts als Widerstand geleistet. Das ist ja gerade der Grundton der harten Anklage des Stephanus, denn Israel war stachelig, unnahbar, wie ein Dornbusch, es verletzte die zarte Liebe Gottes oft. Schauen auch wir, wie Mose, das große Wunder etwas näher an.
Die Offenbarung Gottes war ein Wunder. Der Busch brannte und wurde nicht verzehrt. Dazu gesellte sich das zweite Wunder, nämlich, dass aus dem Busch eine Stimme redete. Gott erwählte sich als Mittel Seiner Offenbarung einen Dornbusch, nicht eine schöne Palme oder eine starke Eiche, noch eine Zeder des Libanons. Gott hat sich meistens des Unscheinbaren bedient. Ja, selbst als Gott Seinen geliebten Sohn gab, kam Er in der Gestalt des sündlichen Fleisches und wurde unscheinbar in einem Stall geboren.
Dieses Wunder geschah zur rechten Zeit. Gott handelt stets, wenn die Zeit erfüllet ist (Gal 4,4), und so musste sich auch die Verheißung an Abraham einlösen (1. Mose 14,13 f.). Israel war in großer Bedrängnis, doch mussten die Leiden den Auszug vorbereiten. Israel wäre wohl zu gern in Ägypten geblieben, wäre es ihm dort so gut ergangen, wie einst in Josefs Tagen, und sehr wahrscheinlich wäre es im Götzendienst Ägyptens aufgegangen, hätte Gott die Trübsale nicht zugelassen (Jos 24,14). Leidenswege müssen also bei Gläubigen ab und zu einen neuen Lebensabschnitt anbahnen. Auch bedient sich Gott der Leiden zur Reinigung des einen oder zur Rettung des andern. Stets aber ist es ein Wunder, wenn Er das Ziel mit den Menschen erreicht hat.
Dieses Wunder war symbolischer Natur. Der Busch stellt Israel gewissermaßen im rechten Bilde dar. Wie oft hat es Gott widerstrebt, war wehtuend, verletzend wie ein Dornbusch, selbstsicher und sich selbst verteidigend, unnahbar und unbeugsam, stets zum Murren bereit und satt der Güte Gottes.
Das Wunder stellt Gottes Absicht mit dem Volke dar. Er wollte den Dornbusch zu höherem brauchen, ihn in einen Fruchtbaum umwandeln. Wie nämlich der Busch das Mittel göttlicher Offenbarung ward, so sollte es fortan das Volk Israel sein (2. Mose 19,6). Desgleichen musste auch der große Verfolger und hart widerstehende Saulus von Tarsus das auserwählte Rüstzeug Gottes werden (Apg 9,15).
Das Wunder ist wiederum ein Bild der göttlichen Gegenwart. Wie Gott im Busch w o h n t e , so wollte Er fortan im Volke Israel wohnen. Der Busch verbrannte nicht. Im Gegenteil, das Feuer im Busch zog die Aufmerksamkeit des Mose um so mehr auf sich, so dass er hinging, das Wunder zu sehen.
Das Feuer ist in der Heiligen Schrift das Symbol der göttlichen
Natur, Gottes Heiligkeit (Heb 12,29; 5. Mose 4,24). Es bedeutet aber
auch Leiden, Petrus redet von der Hitze der Trübsal (
Der Zweck dieses Wunders. Worin bestand er? Er machte Mose aufmerksam, nachfragend. Aber um diese große Offenbarung zu verstehen, musste er zwei Dinge tun:
Hinzunahen. „Ich will doch hingehen und sehen dieses große Gesicht.“ Wollen wir den Herrn erleben, so müssen wir uns wie Mose wegwenden von dem Bisherigen. Wegwenden von der Welt und ihrer Lust (1Joh 2,15; 2Kor 6,17); denn alles in ihr ist eitel (Pred 1,2). Wegwenden von menschlichen Erwägungen (1Kor 2,14); Joh 3,9) und die Vernunft gefangen nehmen. Wegwenden von jeder erkannten Sünde, sei sie klein oder groß (Eph 4,17; 2Pet 1,9) und hinwenden zu dem Redenden. Doch wie hinwenden?
Die Schuhe ausziehen. Wir müssen kommen wie wir sind. Viele ziehen nur e i n e n Schuh aus. Man bekennt nur halb, man geht nur halb aus, aber das bedeutet ohne Segnungen, ohne Frieden und ohne Offenbarungen zu sein. Doch Mose folgte ganz, und was erlebte er dabei?
Die unendliche Treue Gottes: „Ich bin der Gott der Väter.“ Gott hatte die Verheißung, die er den Vätern gegeben, nicht vergessen. Er erfüllte sie! Wie viel mehr geschieht das heute, wenn sich Menschen zum Kreuz nahen, das die Erfüllung der größten Gottesverheißungen ist.
Die unendliche Güte Gottes: „Ich habe das Elend gesehen.“ Gott sieht das Elend Seines Volkes und rettet es zur rechten Zeit. Man denke an Petrus im Gefängnis (Apg 12).
Die liebende Absicht Gottes: „Ich will sie befreien.“
Ein göttlicher Auftrag. „Ich will dich senden.“ Daran hatte Mose nicht gedacht. Gott nahm ihn von seiner Arbeit weg und machte ihn zu Seinem Diener.
Wann? Sofort! „Nun gehe hin.“ Wenn Gott ruft, so gilt es, alles andere liegen zu lassen und zu gehen, noch schneller zu sein, als wenn der Staat den Soldaten ruft.
Warum? Um Israel zu erretten. Um Gottes Pläne auszuführen, erwählte Er sich menschliche Gefäße, solche, die wie Mose sich tief beugen vor Ihm (Vers 6). Der gleiche Gott, der soeben im Busch wohnte, war mit Mose. Gott sagt: „Ich sende dich.“ Im Namen und in der Kraft Gottes durfte Mose hingehen und die göttlichen Absichten ausführen. Wie herrlich, wenn Gott sich uns naht und wir uns dann wegwenden von allem wie Mose, und uns aufmachen und Seine Befehle ausrichten.