Behandelter Abschnitt Mt 26,20-30
Mt 26,20-30. Das Mahl des Herrn und seine Feier.
Das Passahfest, wonach sich der Herr so gesehnt hatte, war vorüber. Das wahre Passahlamm, Jesus, sollte bald geschlachtet werden. Nun setzte der Herr ein neues Mahl ein, weit wichtiger und bedeutungsvoller als das des Passahs, nämlich das Abendmahl. In jener Nacht endete die jüdische Haushaltung, die des Gesetzes, und die Haushaltung der Gnade begann. Eben sahen wir, was dem Israeliten das Passahmahl war, nun aber wollen wir sehen, was dem wahren Christen das Abendmahl ist. Beachten wir kurz die schlichte Feier selbst. Das Passahmahl war vorbei. Judas war eben hinausgegangen, und der Herr war mit den Elfen allein. Da nahm Er Brot und Wein, dankte dafür und gab es den Jüngern. Dabei sagte Er ihnen, was diese Symbole bedeuten, daß sie Seinen Leib und Sein Blut darstellen. Ohne Worte stellt dieses Mahl die kostbarsten Wahrheiten vor Augen, nämlich die vollbrachte Erlösung, die Vergebung der Sünden. Nicht etwa so, als gäbe es durch dieses Mahl Sündenvergebung, sondern das Mahl zeigt, auf welchem Wege die Vergebung erworben wurde. Sein Mahl setzte der Herr ein, als Er gerade den Kelch des Zornes Gottes trinken wollte. Einer mußte ihn trinken, entweder Er oder der Mensch. In Gethsemane nahm der Herr diesen Kelch und leerte ihn völlig. Beachten wir dieses Mahl etwas näher.
I. Es ist ein Fest der Erlösung.
Wie Israel seine Befreiung aus Ägypten feierte, so feiern auch wir unsere Befreiung von Schuld und Macht der Sünde. Wir haben die Erlösung durch Sein Blut (Eph 1,7). Der Leib des Herrn wurde dafür hingegeben, und Sein Blut deshalb vergossen.
II. Es ist ein Fest des Gedächtnisses.
"Tut dies zu meinem Gedächtnis" (Lk 22,19; 1Kor 11,24). Wie Israel beim Passahmahl sich jener Nacht erinnerte, als das Lamm für sie geschlachtet, und sie befreit wurden, so blicken wir auf unser Passah: "Christus" für uns geschlachtet. Das Abendmahl ist ein Gedächtnis Seiner Leiden und Seines Sterbens. Eine Gedächtnisfeier hat es mit einem Geschehnis zu tun, das in der Vergangenheit liegt. Brot und Wein führen uns zurück in jene schreckliche Nacht, da Er verraten ward. Unser Herz ist mit Ihm beschäftigt, der für uns litt und sich für uns dahingegeben hat, und betet Ihn an. Wir versammeln uns jetzt um den, der uns von unsern Sünden gewaschen hat in Seinem Blut (Off 1,5), und preisen Ihn gleichzeitig dafür, daß Er uns zu einem Königtum und zu Priestern Gottes gemacht hat.
III. Es ist ein Bekenntnis des Glaubens der Teilnehmer.
Die Jünger glaubten an den Herrn und folgten Ihm nach. So wie kein Unbeschnittener am Passahmahl teilnehmen durfte, so ist auch dieses Mahl nur für solche, die die Erlösung durch das kostbare Blut Jesu erlebt haben. Essen und Trinken an diesem Tische beweisen, daß wir eins gemacht worden sind mit Ihm, dem geschlachteten Lamm Gottes.
IV. Es ist ein Mahl der Gemeinschaft untereinander.
Wie die Israeliten das Passah gemeinsam feierten und kein Erlöster fehlen durfte (4. Mose 9,13), so ist das Abendmahl ein gemeinsames Mahl, wobei der einzelne Teilnehmer mit Seinem unsichtbar gegenwärtigen Herrn beschäftigt ist. Es ist das Bild der Einheit des Leibes. Auch das zeigt, daß nur Glieder des Leibes Christi daran teilnehmen sollten.
V. Es ist ein Mahl des Gehorsams.
Der Herr befiehlt: "solches tut". Es ist also Sein heißester Wunsch, daß sich die Seinen so versammeln. Wer Ihn liebt, handelt nach Seinem Willen (Joh 14,25). Wer die innere Bedeutung dieses Mahles erlebt hat, kann nicht anders, als Seinen Tod verkündigen. Dieses "solches tut zu meinem Gedächtnis" stellt alles andere, scheinbar noch so wichtige in den Hintergrund, weil Fernbleiben vom Mahle Ihn betrübt.
VI. Es ist ein Mahl der Anbetung.
Die Seele, die sich mit Ihm beschäftigt, wird durch die Symbole von Brot und Wein an Seine Dahingabe für Sünder erinnert, betet an, und staunt über das, was für sie geschehen ist. Sie öffnet Herz und Mund weit und bringt geistliche Schätze dar; das Opfer des Lobes, die Frucht der Lippen (Heb 13,15). Es ist ein Fest der Danksagung. Jene Stunden waren sehr schwer und traurig, - der Herr aber nahm Brot und Wein und dankte. So kommen wir also zu Seinem Mahle, um Ihn zu preisen für den Kelch der Segnungen und für die vollbrachte Erlösung.
VII. Es ist ein Mahl, das eine ganz neue Verbindung lehrt.
Israel war Gottes Bundesvolk und durch die Beschneidung als solches gekennzeichnet; wir aber sind ein Volk besseren Bundes, der auf besserem Blut beruht. Dieser Kelch ist der neue Bund in Seinem Blut. Die Sünde ist abgetan, und wir haben nun Freimütigkeit, uns Ihm zu nahen. Der schönste Bund zwischen Menschen ist der Ehebund. Hier aber ist ein innigerer, als jeder menschliche Bund.
VIII. Es ist ein Mahl der Hoffnung.
"Wir sollen Seinen Tod verkündigen, bis daß Er kommt." Rückblickend sehen wir Sein großes Opfer, und vorausblickend erkennen wir, was wir bald durch dasselbe sein werden. Die Erlösung des Leibes ist der letzte Rest Seiner großen Erlösungstat. Wir wissen auch, daß wir dereinst droben um Ihn versammelt sein werden, und Ihn, das geschlachtete Lamm, dann von Angesicht zu Angesicht anbeten dürfen.
IX. Der herrliche Abschluß.
Sie sangen den Lobgesang und gingen hinaus. Es war der 118. Psalm, der gesungen wurde, und von dem "Verworfenen" redet. Jesus ging alsbald in den Garten Gethsemane und danach an das Kreuz.