Behandelter Abschnitt Mt 26,14-19
Mt 26,14-19. Das letzte Passah.
Unterschiede, wie Tag und Nacht treten einem entgegen, wenn man die eben betrachtete Liebestat der Maria anschaut, und anschließend den Verrat des Jüngers sieht.
I. Die Person des Verräters.
Es war Judas Iskariot, d. h. der Mann von Kerith. Alle andern Jünger waren Galiläer.
1. Der Beweggrund der verräterischen Tat. Sie war nicht Haß, wie bei den Obersten Israels, sondern die Geldliebe, die die Wurzel alles Bösen ist. Judas verkaufte den Herrn für 1/10 des Betrages, den Maria für ihre Salbe ausgab.
2. Der Zeitpunkt, den Judas wählte, mußte, ohne daß er es wußte, zur Erfüllung der Schrift dienen; denn der Herr ist das wahre Passahlamm, für uns geschlachtet.
II. Das letzte Passahfest.
Das Passah wird auch das Fest der ungesäuerten Brote genannt, oder auch einfach "das Fest". Es war also unter allen Festen "das" Fest. Wenn Israel dieses Fest feierte, so geschah das zum Gedächtnis, und zwar:
1. An jene Nacht in Ägypten.
Das war die denkwürdigste Nacht der Geschichte Israels. Gott ließ in derselben ein Gericht über Pharao und sein Land hereinbrechen, das alle Erstgeburt im Lande hinwegraffte. Es ging um Israels Befreiung, für welche die ganze Erstgeburt eingesetzt wurde.
2. An das ihnen von Gott geschenkte Lamm.
Gott wollte Israel vor dem Gericht, das über Pharao und dessen Land kommen sollte, verschonen. Ägypten sollte das Gericht allein spüren, weil es Israel so geknechtet hatte, und es sollte den Preis für Israels Befreiung allein bezahlen. Das Lamm mußte 1. ohne Fehl, 2. männlicher Art und 3. ein Jahr alt sein. Gott stellte Sein Volk unter die Deckung des Blutes dieses Lammes. Es war für Gott ein Kennzeichen und unterschied Sein Volk von den Ägyptern.
3. An den Auszug aus Ägypten, dem Lande und Hause Hams.
Die Nacht des Weinens für die Ägypter, die zugleich eine Nacht der Freude für Sein Volk war, ging zu Ende, und mehrte die Freude Israels durch den Auszug aus ihrer langen Knechtschaft.
Dieser Nacht steht eine andere gegenüber. Es ist die Nacht des Verrates des Menschensohns (1Kor 11,23). Es ist sicher die folgenschwerste Nacht in dem Leben des Menschen "Jesus Christus". Und warum?
In dieser Nacht wurde Sein herzliches Verlangen, das Passahlamm (Osterlamm) mit Seinen Jüngern zu essen, gestillt.
In dieser Nacht wurde Er verraten, und zwar von dem, der 3 Jahre mit Ihm das Brot gegessen hatte. Im Zeichen dieses Verrates stand diese letzte Feier des Passahs und die Einsetzung des Mahles des Herrn (1Kor 11,23).
In dieser Nacht wurde Er für alle dahingegeben. Der Vater hat den Sohn, der der Eingeborene vieler Brüder ist, nicht geschont, - im Gegensatz zu der Erstgeburt Seines Volkes in Ägypten, die frei ausging.
In dieser Nacht stellte sich der Erstgeborene in den Riß, für seine Brüder, an ihre Stelle, um ihre Sünden wegzutragen und sie zu sühnen und Sein Volk aus der Gewalt Satans herauszuführen.
In dieser Nacht stellte Gott die Brüder des Erstgeborenen unter die Besprengung und Deckung des Blutes (1Pet 1,2). Ihn selbst aber gab Er als Osterlamm (1Kor 5,7). Das ist nun die Speise Seines Volkes während der Nacht Seiner Abwesenheit und Verwerfung, bis zum Morgen Seiner Ankunft und unseres Auszuges.
Wo willst Du, daß wir das Passah feiern, war nun der Jünger Frage, und der Herr gab ihnen Anweisung darüber bis in die Einzelheiten, und sie gingen hin und fanden es so, wie es ihnen der Herr angegeben hatte. Sie selbst wußten nicht, daß es das letzte Passahmahl war; denn wir lesen nie mehr, daß sie es weiter feierten. Sie hatten erkannt, daß Christus die Erfüllung des wahren Passahlammes ist, und so konnte fortan nur Er der Gegenstand ihrer Gedächtnisfeier sein.
III. Schmerzliche Augenblicke.
Während des letzten Zusammenseins mit den Jüngern machte der Herr den Verräter offenbar mit den Worten: "Einer von euch wird mich überliefern." Ganz langsam, geradezu schonend, ging der Herr dabei vor. Es ist so, als wollte Er auch jetzt noch Buße im Herzen Judas wecken. Der Herr kannte zwar den Verräter von Anfang an (Joh 6,24) und wußte, daß er unrein sei (Joh 13,11) und, daß die Verheißung erfüllt werden müsse (Ps 41,9; 69,25; 140,8). Immerhin bekommt auch hier Judas nochmals eine letzte ernste liebevolle Warnung. Alle fragen nun: Herr, bin ich es? Welch ein ernstes Selbstgericht ging dort durch die einzelnen Herzen. - Auffallend passend und übereinstimmend ist der Jünger Selbstgericht mit dem, was später Paulus in bezug auf das Abendmahl lehrte, als er schrieb: "Ein jeglicher aber prüfe sich selbst, und also esse er von dem Brote (1Kor 11,28). Zum Selbstgericht ist stets Ursache vorhanden. Wir wissen leider nur zu gut, wie oberflächlich viele dabei sind. Mit Dingen im Herzen kann man Abendmahl feiern, als ob nichts geschehen wäre, ähnlich wir Judas es tat. Als auch dann Judas noch fragte: "Meister, bin ich es?" bejahte der Herr seine Frage mit: "Du hast es gesagt." Satan nahm nun völligen Besitz von Judas; denn er fuhr in ihn. Judas entfernte sich sofort und ging hinaus in eine Nacht, da es nie mehr Morgen wurde (Jud 13). Hier sehen wir, wohin die Sünde der Geldliebe führen kann, darum laßt uns schonungsloses Selbstgericht üben.