Behandelter Abschnitt Ps 149,1-9
Singet dem Herrn ein neues Lied Psalm 149
Der Psalm ist wahrscheinlich unmittelbar nach der Rückkehr Judas aus der babylonischen Gefangenschaft gesungen worden. Ein Geist großer Freude durchweht ihn. Wiederum im Erbteil zu sein, das sie siebzig Jahre vermissten, musste sie mit großer Freude und Dankbarkeit erfüllen. Gott ist ihr König, und sie sind Seine Untertanen.
Ein jubelnd Volk. Der Zuruf, dem Herrn ein neues Lied zu singen, erging an die Befreiten. Sie sollen den Herrn preisen. Wo? In der Gemeinde soll Sein Lob ertönen. Sie haben Ursache dazu. Lobgesang soll der Grundton ihrer Gottesdienste sein.
Gott ist ihr Schöpfer. Israel freue sich Seines Schöpfers. Er hat uns gemacht und nicht wir selbst (Ps 100,3). Man lese Psalm 139,14. „Auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise bin ich gemacht, wunderbar sind deine Werke, und das erkennet meine Seele wohl.“
Gott ist ihr Erhalter. Derselbe, der ihr Schöpfer ist, ist auch der Erhalter und Versorger. Er nährt und pflegt sie (Eph 5,29). Preise Ihn täglich dafür. Er sorgt fürs Kleinste (Mt 10,30). Wir Gläubigen der Jetztzeit danken Ihm für die Neuschöpfung, die wir durch die Wiedergeburt erlebt haben. Durch sie sind wir Kinder Gottes geworden und dürfen Abba, Vater, sagen. Das ist des höchsten Ruhmes wert.
Gott ist ihr Führer. Israel soll sich seines Königs rühmen (V. 2). Sie dürfen Untertanen des Königs der Gerechtigkeit und des Friedens sein. Die Herzen großer Könige sind in Seiner Hand, und Er lenkt sie. Den König Kores machte er willig Israel mit Reichtümern ziehen zu lassen (2Chr 36,22.23). Unwillige wie Pharao kann er demütigen (2. Mose 14). Auch wir erfreuen uns Seiner Königsherrschaft (1Tim 1,17).
Die Seinen sind noch mehr: sie sind Seine Heiligen, die Er besonders liebt. An ihnen hat Er Seine größte Freude. Sein ganzes Wohlgefallen (Ps 16,3). Er hat sie für sich herausgenommen wie ein Bräutigam seine Braut. Glückselig bist du, ein Volk abgesondert für Jahwe (5. Mose 33,29; 2. Mose 7,16). Ihr seid nicht euer selbst, ihr seid teuer erkauft und gehört Ihm allein.
Er hat eine besondere Zuneigung zu den Seinen. Er gedenkt ihres Brautstandes (Jer 2,2; Ps 45,10. I1). Er freut sich über die Fortschritte der Seinen mehr als Eltern über die ihrer Kinder. Er ist gern in ihren Zusammenkünften, wo Er hört, wie Sein Name gerühmt wird. Es sollen jubeln die Frommen in Herrlichkeit, jauchzen auf ihren Lagern.
Achte, was Gott nach Vers 4 an ihnen tut. Er schmückt sie. Womit? Mit Sanftmut. Das ist es, wozu der Herr uns alle einlädt: zur Sanftmut und Demut (Mt 11,29). Das ist die Zierde des Gotteskindes, des inwendigen Menschen (1Pet 3,4). Das ist nicht vergänglicher Schmuck, wie die Blume, sondern ist immer schön und duftet allezeit wie das Veilchen. Ihre Schönheit besteht ferner in köstlicher Frucht, Liebe, Freude, Friede, Geduld, in wahrer Heiligkeit (Gal 5,22). Sie sehnen sich danach heilig zu sein wie Er. Das alles ist nur bei Ihm zu finden und nicht in eigenen Anstrengungen.
Eine Aufforderung. Der Psalmist fordert die Frommen zum Lobe und zur Freude auf. Sie sollen sie in einem Lied zum Ausdruck bringen. Singet dem Herrn ein neues Lied! Das soll der einzelne tun, wie das David in Psalm 40,3 tat, aber auch die Menge (Apg 2,46.47). Hier fordert der Sänger das ganze Volk zum Lobe auf, weil es erneut befreit worden ist wie einst aus Ägypten und einen großen Lobgesang anstimmte (2. Mose 15).
Sie sollen Ihn mit Reigen preisen. Etwa wie David, als er die Bundeslade aus dem Hause Obed Edoms nach Zion brachte (2Sam 6,12-23). Er hüpfte und tanzte vor ihr her, weil die Worte zum Lob allein nicht ausreichten. Sie lobsingen selbst des Nachts auf ihren Lagern. Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit (Pred 3,4; Ps 30,11; Mt 11,17).
Und wozu ruft das Wort uns auf? Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: freuet euch (Phil 4,4). Die Freude am Herrn ist des Gläubigen Stärke (Neh 4,18), und sie ist es auch in Mühsalen (Neh 8,10).
Die Ausrüstung. Hier ist sie ein zweischneidig Schwert genannt. Juda trug es beim Bau der Mauer zur Verteidigung gegen ihre Hinderer an der Arbeit (Neh 4,18). Das Schwert ist ein Teil der Ausrüstung des Gläubigen, zum Sieg gegen Satan und Welt (Eph 6,17). In Hebräer 4,12 wird seine innere Bedeutung genannt. Es ist das Wort Gottes und wird zum ständigen Gebrauch empfohlen. Wir müssen es aber zuerst an uns selbst anwenden. Das tat Israel, bevor es in Kanaan einzog. Es musste erst die steinernen Messer an das eigene Fleisch legen, ehe es das Schwert an die Kanaaniter legte (vergleiche Josua 5,2.3 mit Vers 9). Nehmet das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Das gilt zuerst uns selbst. Oft verursacht es tiefe Wunden (2Chr 34,19-28), aber es führt zu neuem Leben. Josua 5 ist uns zum Vorbild gegeben. So musste Petrus zuerst sich selbst richten (Joh 21,15-18), ehe er mit dem Schwert die Menge schlug (Apg 2) und sie besiegte. Und wie es auch der letzte Vers sagt: „an ihnen auszurichten das geschriebene Gericht.“ Das ist die Ehre aller Frommen. Dann folgen gewiss die letzten zwei Worte: „Lobet den Herrn.“