Behandelter Abschnitt Off 17,1-4
Verse 1-4 Die große Hure
Im vorigen Kapitel warst du Zeuge der endgültigen Gerichte über die Erde, wie sie von sieben Engeln mittels ihrer sieben Schalen ausgeführt wurden. Damit ist der Grimm Gottes gestillt (15,1). In der Beschreibung der Gerich- te im vorigen Kapitel befindet sich lediglich in einem einzigen Vers ein Hinweis auf das Gericht über das große Babylon (16,19). In den Kapiteln 17 und 18 erhält Johannes – und du mit ihm – eine ausführliche Erklärung dieses Gerichtes. Diese Erklärung bekommt Johannes von einem der sie- ben Schalenengel, also von jemandem, der daran beteiligt ist und weiß, worum es geht.
Es ist jedoch nicht nur eine mündliche Erklärung. Johannes bekommt auch etwas zu sehen. Der Engel lädt Johannes ein, an einen Ort mitzukommen, wo er ihm zeigen will, wie das große Babylon zu seinem Ende kommt.
Bevor sie dort ankommen, informiert der Engel Johannes über das, was er sehen wird. Er wird Augenzeuge des Gerichtes an der Stadt, die hier als „die große Hure“ vorgestellt wird (V. 18; vgl. Jes 1,21). Aus der darauf fol- genden Beschreibung wird deutlich, dass dies eine Bezeichnung für die römisch-katholische Kirche ist. Weiterhin sieht er, dass die Hure „auf den vielen Wassern sitzt“. Was die vielen Wasser sind, steht in Vers 15. Es sind die Völker der Erde, und zwar speziell die, die zum wiederhergestellte rö- mische Reich gehören, was sich in Vers 16 herausstellt.
Die Hure ist die Kirche, die dem Namen nach christlich ist und sich anmaßt, Christus zu vertreten, die sich in der Praxis jedoch völlig mit der Welt („den vielen Wassern“) verbunden hat. Johannes sieht die römische Kirche also in der Verbindung, die sie mit den Königen der Erde geknüpft hat. Ihre Un- treue zeigt sich in ihren Liebesbezeugungen gegenüber den Regierungen der Welt. Die Tatsache, dass sie auf den Wassern sitzt, zeigt, dass sie Auto- rität über viele Regierungen hat. Das siehst du vor allem in Ländern, wo die römische Kirche viele Anhänger hat. In ihrer Verdorbenheit beeinflusst sie diese Regierungen. Sie gibt vor, für eine gute Sache einzustehen, doch in Wirklichkeit ist sie auf Macht aus.
Die römisch-katholische Kirche hat sich wie keine andere Kirche ange- maßt, die wahre Kirche und die wahre Braut Christi zu sein. Sie hat auch wie keine andere Kirche in ihrer Geschichte auf die abscheulichste Weise Beweise ihrer durch und durch weltlichen, dämonischen Praktiken gege- ben. Sie ist eine echte Anti-Kirche, die in diesem und im nächsten Kapitel in ihrer wahren Natur gezeigt und gerichtet wird.
Alles, was von dieser falschen Kirche gesagt wird, macht deutlich, dass sie völlig zu Recht als „große Hure“ bezeichnet wird. Sie gibt sich als die Braut Christi aus, ist aber eine Hure. Und sie ist nicht nur eine Hure, nein, sie ist „die große Hure“. Man kann sich keinen größeren Gegensatz zu einer ehe- lichen Beziehung vorstellen. Damit der enorme Gegensatz zwischen der wahren Kirche und der falschen Kirche noch tiefer auf dich einwirken kann, solltest du die Verse 1–5 dieses Kapitels einmal mit den Versen 9–11 von Kapitel 21 vergleichen, wo die wahre Kirche, die Gemeinde, vorge- stellt wird.
Die Könige der Erde, die weltlichen Führer, haben den Kontakt zu ihr ge- sucht. Sie nahmen ihre Einladung an. Das haben sie natürlich aus rein ego- istischen Motiven getan. Die römische Kirche ist reich, mächtig und ein- flussreich. Begierig haben sie daher den Wein ihrer Hurerei getrunken. Durch den Umgang mit ihr sind sie unter ihren Einfluss gekommen und haben sich dadurch berauscht. Sie durchschauen ihre wahren Absichten nicht. Wenn die ihr einmal klar werden, werden sie die Hure hassen und sie töten (V. 16).
Die Könige der Erde repräsentieren die Bewohner der Länder, über die sie regieren. In ihren Verkehr mit der großen Hure ziehen sie alle ihre Unter- tanen mit hinein, das sind alle die, die auf der Erde wohnen. Wenn der Papst jetzt irgendwo einen Besuch abstattet, bringt das Menschenmassen auf die Beine. Jeder versucht, einen seiner Blicke zu erhaschen. In seiner Position ist er der Ausdruck der Macht der Kirche. Die Masse ist blind im Blick auf seine Anmaßung, der Stellvertreter Christi zu sein. Für sie ist er der Christus. Er ist sichtbar und einflussreich und von Mystik umgeben. Das gefällt der Menge.
Es scheint so, dass der Engel Johannes eine Vision zeigt. In dieser Vision sieht er sich im Geist in eine Wüste versetzt, in ein Gebiet, wo der Tod herrscht. In einer Wüste fehlt jedes Leben und die Möglichkeit, dort zu le- ben. Dort sieht Johannes eine Frau, die große Hure des vorherigen Verses. Der Bereich des Todes erweist sich als der Aufenthaltsort der Hure. Das ist eine gute Beschreibung ihres geistlichen Zustandes. Sie ist voller Tod. Es ist kein Leben aus Gott und kein Leben mit Gott vorhanden.
Johannes sieht auch, wie diese Frau auf einem Tier sitzt. Der Beschreibung dieses Tieres bist du bereits früher begegnet, und zwar in Kapitel 13,1–8. Dort hast du gesehen, dass dieses Tier das wiederhergestellte Römische Reich darstellt. Was Johannes hier sieht, macht deutlich, dass die römische Kirche auf dem Tier sitzt, das heißt, dass sie darauf reitet und es lenkt.
Diese Szene symbolisiert das, was aus der Geschichte der Kirche bekannt ist. Es hat nämlich Zeiten gegeben, wo der Papst absolute Macht über die Fürsten Europas hatte. In der Endzeit wird die politische und religiöse Macht der römischen Kirche wieder groß sein. Diese Zunahme an Macht siehst du in der beständig verstärkten Einmischung des Papstes in das Weltgeschehen. Er empfängt weltliche Führer, und sie empfangen ihn.
Auch vernimmt man immer deutlicher die Aufrufe des Papstes an die Ad- resse der weltlichen Führer zu einer Vielzahl von Themen, die mit dem Leben auf der Erde zu tun haben. Die römische Kirche vermittelt mit solchen Aufrufen den Eindruck, sie wolle für eine gerechte, tolerante und friedli- che Gesellschaft eintreten. Sie erweckt auch den Eindruck, sie wolle das zusammen mit den weltlichen Führern verwirklichen. Sie regt sich jedoch nicht darüber auf, dass das Tier voller Namen der Lästerung ist, das heißt, dass all die unterschiedlichen Formen von Gotteslästerung in diesem Tier vorhanden sind. Das Einzige, was sie will: Sie will über den sieben Köpfen und den zehn Hörnern stehen. Was es mit den sieben Köpfen und den zehn Hörnern auf sich hat, hast du in Kapitel 13,1 gesehen.
Nun folgt eine ausführliche Beschreibung der Frau. Das macht überdeut- lich, dass dieses abscheuliche Wesen die römisch-katholische Kirche dar- stellt. Du siehst das an ihrer Kleidung (V. 4), die ihren Hang zu weltlichem Luxus zeigt. Außerdem ist sie trunken vom Blut der Heiligen (V. 6), was da- rauf hinweist, dass sie die wahren Gläubigen mit Feuer und Schwert ver- folgt hat. Ein deutliche Sprache sprechen in diesem Zusammenhang auch die sieben Köpfe, eine Darstellung von sieben Bergen (V. 9), auf denen Rom liegt und von denen es heißt, dass die Frau darauf sitzt. Schließlich wird unumwunden gesagt, dass die Frau die große Stadt ist (V. 18).
An dem Luxus, in dem sie schwelgt, sieht man unverkennbar ihre Verbin- dung zur Welt. Sie ist mit allem irdischen Prunk geschmückt und übertrifft damit die weltlichen Führer. Das Tier hat eine scharlachrote Farbe (V. 3), so kleidet sie sich mit denselben Farben. Ihre Üppigkeit ist so groß, dass sogar die weltlichen Führer durch sie reich geworden sind (18,3). Sie hat nicht nur politischen und religiösen Einfluss. Sie hat auch auf wirtschaftli- chem Gebiet sehr viel zu bieten und konkurriert im Angebot von Handels- ware. Entscheidend ist, dass etwas Gewinn bringt, sei es in harter Wäh- rung, sei es in Ansehen und Einfluss.
Der Becher in ihrer Hand ist voll von Gräueln. „Gräuel“ bezeichnet Göt- zendienst. Die römisch-katholische Kirche hat mit großer Raffinesse, Ent- schiedenheit und Beharrlichkeit den Götzendienst in die christliche Kirche eingeführt. Der deutlichste Beweis ist ihre Marienverehrung und die Ver- ehrung vieler anderer von der römischen Kirche heiliggesprochener Men- schen.
Vor einiger Zeit las ich in den Nachrichten einen Bericht, der gut in diesen Zusammenhang passt. Er war eine Bestätigung dafür, dass die Heiligenver- ehrung noch üppig gedeiht: „Italienische Katholiken, die auf die Unterstüt- zung eines Heiligen rechnen, brauchen nicht mehr ein Porträt von ihm oder ihr bei sich zu tragen. Sie können das Bild des Heiligen auch auf ihr Handy herunterladen. Nicht jeder römisch-katholische Führer ist über die- sen neuen Service glücklich, weil er plump und zu kommerziell sei. ,Wir entdeckten eine Marktlücke und füllten sie aus’, sagt Barbara Labate im Namen des Unternehmens, das die Heiligen für das Handy anbietet. In vie- len Taxis, Personen- und Lastwagen in Italien hängt ein santino (ein Heili- genbild) am Armaturenbrett. Millionen Italiener tragen ein santino in ih- rem Portmonee oder in der Tasche.“
Von dem Becher wird auch gesagt, dass er voll von den Unreinheiten ihrer Hurerei ist. Das zeigt, wie sie sich mit den Elementen der Welt verbunden hat. Du kannst das überall beobachten, wo die römische Kirche in heidni- schen Ländern Fuß gefasst hat. Dort hat sie die heidnischen Gewohnheiten verchristlicht, statt sie abzuschaffen. Sehr listig hat sie den Götzendienst, der bis dahin diese Völker kennzeichnete, mit einem christlichen Mäntel- chen umgeben.
Alles, was du in der Bibel über Babylon findest, steht mit Götzendienst in Verbindung. Die erste Erwähnung Babels – das ist in der Geschichte vom Turmbau zu Babel – zeigt bereits diese Verbindung (1Mo 11,1-9). Das sündige Streben nach Einheit und Macht kam hervor aus dem Willen des Menschen, wie Gott zu sein. Das ist im Grunde Götzendienst. Gott wird nicht aufgegeben, aber man raubt Ihm seinen wahren Platz. Der Mensch setzt sich an die Stelle Gottes und bestimmt selbst, wie er Gott dient. Da- mit war der Götzendienst geboren.
Dazu gehört, dass man sichtbaren und greifbaren Dingen geistlichen Wert beimisst. Das dient dann der Befriedigung der geistlichen Gefühle des Menschen. Auch das ist eine entsetzliche Vermischung weltlicher Elemen- te mit dem Gottesdienst, wodurch dieser Gottesdienst zur Hurerei entar- tet. Die römische Kirche ist voll von diesen Elementen. Denk nur an Kruzi- fix, Altar, Oblate, um nur einige zu nennen.