Vers 4: „Wer bist du, dass du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er mag aber wohl aufgerichtet werden; denn Gott kann ihn wohl aufrichten.“ Wenn er strauchelt oder gar fällt. Die Hauptsache ist, dass wir unserer Sache gewiss sind und das wir andererseits nie aus dem Auge verlieren, was dem nächsten dient.
Ich kann als Kind Gottes nie etwas auf die Autorität anderer tun. Andern können wir ein ermutigendes Beispiel sein, aber ich kann nicht auf die Autorität anderer hin etwas tun, wozu ich noch keine Freiheit habe. „Jeder steht oder fällt seinem Herrn,“ und jeder hat nach seinem eigenen Gewissen zu handeln, wobei natürlich offen bleibt, ob das Gewissen erleuchtet oder noch irgend wie belastet ist. Man darf sein Gewissen nicht verletzen und gerade um dies zu vermeiden, isst der Schwache Gemüse, ohne das der Stärkere ihn darum verachten dürfte und umgekehrt.
Immer und überall haben wir die Majestätsrechte Gottes über unseren Bruder und unsere Schwester zu respektieren. Wir haben unsere Geschwister nicht zu beherrschen, zu leiten oder gar zu richten. Wir können ihnen wohl raten, dürfen aber nie auf andere einen Zwang ausüben, nicht auf solche, die es mit dem Herrn zu tun haben, wie ich es mit meinem Herrn zu tun habe. Der Herr meines Bruders hat Macht, ihn aufrecht zu halten, oder wieder aufrecht zu erhalten, wenn er gestrauchelt ist. „Jeder steht und fällt seinem Herrn.“ Das ist unser herrliches Vorrecht, dass wir es direkt mit unserem Herrn zu tun haben.
Die Diener, die es direkt mit der Majestät zu tun haben, sind stolz auf dieses Vorrecht. Sie haben Zutritt zum Regenten, das hat nicht jeder. Was sind aber Kaiser und Könige und deren Höhe im Vergleich zu unserem Gott? Nahen wir kindlich unserem Gott, aber vergessen wir nie Seine Majestät und die Ihm schuldige Ehrfurcht. In tiefer Beugung und zugleich in kindlich einfältigem Sinn nahen wir uns den Thron der Gnade auf Grund des Verdienstes Jesu Christi und nehmen Gnade um Gnade für jede neue Aufgabe und Schwierigkeit, richten wir aber einander nicht. „Wer bist du, dass du deinen Bruder richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn,“ Er kann ihn aufrichten, du aber darfst ihn nicht aufhalten. Nur dürfen wir nichts in Unklarheit tun, sondern müssen uns vor dem Herrn gewiss werden was er von uns haben will und was nicht.
Auszug aus seinem Buch „Aus Glauben in Glauben“
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