Vers 19 sagt er: „Ich muss menschlich davon reden um der Schwachheit willen eures Fleisches.“ Der heilige Geist hat noch nicht tief genug in den Römern Besitz ergreifen können, dass sie fähig wären, dies zu fassen. Er muss diese Dinge aber einmal in ihren Horizont rücken, wenn er sie um ihrer Schwachheit willen auch noch nicht darein führen kann. Wo aber das Evangelium an uns herantritt, haben wir kein Recht, in unserer Schwachheit zu bleiben. „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark,“ schreibt der Apostel Paulus ein andermal.
Unsere Schwachheit ist keine Entschuldigung für uns. Sie ist im Gegenteil der Boden, auf dem Gott seine Herrlichkeit offenbart. Er entkleidet uns unserer natürlichen Kraft und stellt uns bloss und nackt hin. Danach kommt er mit Seiner Kraft und findet den Boden für sie frei. „Denn gleich wie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienste der Unreinheit und von einer Ungerechtigkeit zu der anderen, also begebet auch nun eure Glieder zum Dienste der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden.“
Eine Unreinigkeit ruft die andere und wenn man sich einmal auf das Gebiet der Gesetzlosigkeit und der Ungerechtigkeit begibt, so geht es von Unreinigkeit zu Unreinigkeit, bis man schliesslich zügellos dahin getrieben wird von Sünde, Welt und Leidenschaft, und der Teufel von Fall zu Fall die Bande enger knüpft. Das hört jetzt auf, sagt der Apostel, damit ist es jetzt genug. Wenn ich euch daran erinnere, was ihr getrieben habt, so ist es, um im Namen Jesu von euch zu erlangen, dass ihr eure Glieder, eure Sinne eure Gedanken, Phantasie- und Gefühlswelt, euer ganzes Tun und Lassen in die Wahrheit, der Gerechtigkeit und Heiligkeit stellt.
„Das ihr eure Glieder darstellt als Sklaven,“ Das heisst in den freien, ungeteilten Besitz der Gerechtigkeit und Wahrheit, nicht nur, dass ihr der Wahrheit ein Fenster öffnet, dass sich beim ersten Windstoss wieder schliesst, sondern dass ihr der Wahrheit Tür und Tor öffnet und wenn ihr dann in den Besitz der Wahrheit gekommen seid und dem Herrn Jesu zur Verfügung steht mit Geist, Seele und Leib, wenn wir in den Herrn Jesu hineingestellt seid, eure ganze Persönlichkeit, eures ganzes Tagwerk Gott geweiht sei.
Gott nimmt Besitz von dem, was Ihm geweiht wird. Wenn man sich aber an den festhält, der uns erkauft hat mit Seinem Blute, dann nimmt das neue Leben völlig Besitz von uns, und das, was wir früher nicht festzuhalten vermochten, wird zur zweiten Natur in uns.
Es ist jetzt gerade umgekehrt wie es früher gewesen ist, „denn früher wart ihr Sklaven der Sünde“. Ihr konntet nicht sagen: Jetzt ist es genug - ich will nicht in dieser Sklaverei bleiben, denn ich fühle mich unglücklich in derselben. Ja, wie willst du denn loskommen? Damals warst du frei von der Gerechtigkeit, das heisst die Beziehungen zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit waren gelöst. Die Sünde hatte Beschlag von euch genommen und da musste die Erlösung von aussen kommen. Ihr wart frei, dem Bereich der Gerechtigkeit entwischt. Aber was ist dabei herausgekommen?
Was ist die Frucht eures Heidentums, wenn ihr an dasselbe zurück denkt? Dinge, deren ihr euch jetzt schämt. Man darf sie kaum nennen: Augenlust, Fleischeslust, hoffärtiges Wesen - kurz - Dinge, deren ihr euch jetzt mit Recht schämt. Des Heilandes Jesu Christi braucht man sich nicht zu schämen. Menschlich gesprochen, man schämt sich selbst des reinsten Lebens. Wäre ein Mensch noch so hoch geachtet von seinen Mitmenschen um seines reinen Lebenswandel willen, so muss er sich dessen doch noch schämen, weil hinter allem Guten noch viel Unreines, Schmutziges ist, wäre es auch nur Selbstbespiegelung und Selbstgefälligkeit.
Das Leben Solcher, hat nicht einzig und allein Gott zum Ziele, es ist Selbstverherrlichung und Selbstbefriedigung dabei, ein unreiner Faden, der sich durch alles hindurchzieht. Dessen schämt man sich, wenn man einmal einen Blick in das Leben Jesu hineingetan hat und sich bewusst geworden ist: „Das ist es, was der heilige Geist in uns ausgestalten will.“ ER stellt uns das neue in unseren Horizont und prägt uns mit Seinem heiligen Griffel die Züge des neuen Lebens ein. Was wäre den aus uns geworden, wenn wir im Heidentum geblieben wären und die Dinge weitergetrieben hätten, die wir damals trieben? Wir wären In Nacht, Finsternis und Tod versunken. Was hättet ihr für Frucht? Schande. Und was wäre das Ende? Tod. Das Ende, auf dass alle diese Dinge hinauslaufen und dem sie uns zuführen, ist Tod und Nacht. Wir werden dadurch Kinder der Nacht, Nachtwandler. Da geht es dann von Nacht zu Nacht tiefer hinein in den Tod, wie es bei den Kindern des Lichts von Licht zu Licht, von Freiheit zu Freiheit tiefer ins Licht und in die Freiheit hineingeht. Oh diese beiden Wege, die der Apostel hier zeichnet in ihren grossen Grundlinien, die wollen wir uns nie verwischen lassen!
Dann dürfen wir uns aber auch nicht bei den Schwierigkeiten des Weges aufhalten!
Es kostet nicht als unser eigenes Leben, das muss hingegeben werden, es koste, was es wolle.
In der alten Welt der Ungerechtigkeit und Gesetzlosigkeit geht es von Abfall zu Abfall, von Schwächung zu Schwächung. Oh bleiben wir deshalb in dieser neuen Welt, in die wir mit der Bekehrung verpflanzt worden sind. Befleissigen wir uns doch, während jedem Augenblick die Stellung von Erlösten zu leben, indem wir unsere Glieder, unsere Kräfte, die uns anvertrauten Pfunde, unser ganzes Tun und Lassen, die Begegnungen mit unseren Mitmenschen - kurz alles, was sich in ein Menschenleben eingliedert, Gott hingeben, zum unbedingten Gehorsam, zur Sklaverei der Freiheit, die wahrhaft frei macht.
Die Sklaven haben unbedingt zu gehorchen, da gibt es keine Einwände, keine Auseinandersetzungen. Verkauftsein an die Gerechtigkeit heisst: losgekauft sein von der Sklaverei der Selbstgerechtigkeit und des eigenen Lebens hinein in die Welt der Gerechtigkeit dadurch, dass wir uns haben zusammenbinden lassen mit Christo. „Wen der Sohn freimacht, der ist recht frei.“ Der Sohn aber macht den frei, der sich mit Ihm verbindet. Dem Gesetze untertan sein heisst also: untertänig sein dem Worte Gottes, untertänig sein Gott - zur Heiligkeit. Es geht von Loslösung zu Loslösung. Wir wollen durchgeheiligt werden nach Geist, Seele und Leib auf den Tag der Wiederkunft Christi. Da gibt es keinen Stillstand. Wir sind noch nicht vollendet aber wir bleiben nicht stehen.
Auszug aus seinem Buch „Aus Glauben in Glauben“)
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